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Nr. 3/4 c^c^c^M^^c^^^i^c^c^ Unsere kseimat ^c^(^^^<^^^<^^<^(?o Seite 23

Ohr. Wie der Wind , hatte er seinen Rock abgewor­fen und schon arbeitete er mit der Hacke eifriger als die andern alle. Was hat die Verwandlung bewirkt? Was hat die Frau ihm gesagt?Jakob, es ist dein Bruder, der drunter liegt1" (Benz).-

Eine zweischneidige Waffe

ist das Wort. Wie Funken ins Stroh, so springen aus des Menschen Mund oft die Worte in die See­len der Hörer. Wenigen aber ist es stets vor Au­gen, daß eines Wortes Gewicht die, welche es aufnahmen, in die Tiefe zu ziehen vermag. Ein einziges Wort, leichthin gesprochen, kann unendliche Bedeutung gewinnen für gewaltige Scharen. Das gesprochene Wort ist etwas Lebendiges, Freund ober Feind dessen, der ihm Einlaß gewahrt. Es ist ein verhängnisvoller Irrtum, zu meinen, das Wort sei ein Nichts, ein Schall, ein Hauch. . . Noch in fern­ster Zeit kann eins, das einen Hörer fand, un­berechenbare Wirkungen hervorbringen. Dort klingt's gelegentlich vielleicht vor den Ohren der Hausge­nossen und bohrt sich in das Gedächtnis aufhorchen­der Kinder, denen vielleicht erst nach Jahren in einer bösen Stunde eine todbringende Wunde schlägt, was der Vater einst lachenden Mundes erzählt. . . Und auch sie geben eT zu gelegener Zeit weiter. . . So wächst lawinengleich das Elend, das einem Worte entsprießt, und bergehoch türmt sich die Schuld des­sen, der zuerst den Funken hergab.Ist das Wort der Lipp' entflohn, du ergreifst es nimmermehr, fährt die Reu auch mit vier Pferden hinterher." Der Schneeball und das böse Wort, sie wachsen, wie sie rollen, fort."Eine Hand voll wirf zum Tor hinaus, ein Berg wird's vor des Nachbarn Haus." So warnen Weise des Altertums und der Neuzeit gleicherweise vor den Gefahren des Wortes. Und Jesus hat eins seiner schärfsten Worte gesprochen, um die Menschen, die auf ihn hören, vom Mißbrauch der an sich wunderbaren Gottesgabe zurückzuhalten. (Mat. 12,36).

Doch wie Regen und Sonnenschein, kann auch dies Geschenk des Allmächtigen Fluch und Segen

sein, weil der, der Sturm und Stille in seinen Dienst stellt, s e i n e Wirkungen auch mit dem Wor­te verbindet. Riesengroß und unmeßbar kann auch der Segen sein, den ein gutes Wort ausströmt bis in fernste Zeiten. Darum wohl einem Volk, das dem Gift wort, das die leibhaftige Bosheit ge­schaffen, nicht volle Freiheit gewährt, dem hei­lenden um so mehr!

Freilich es gibt auch ohnmächtige Worte. Das Wort des Schwätzers z. B. ist wirkungslos wie ver­wässerter Wein. Überproduktion entwertet immer und überall. Man kann Menschen erziehen, die mit dem Golde des Wortes umgehen wie mit Spielpfen­nigen, weil sie alles, was sie sprechen, wahrscheinlich für Blech halten. Gefährlich ist aber der Mensch, dem die Sprache dazu dient, seine Gedanken zu ver­bergen.

Furchtbar ist die Verantwortlichkeit derjenigen, derenHaupthandwerkszeug" das Wort ist! Wer durch das Wort wirken will, muß ihm Funkeneigen­schaft erhalten. Man schlägt keine aus weichen Schwämmen, sondern aus steinharter Wirklichkeit und stahlharter Wahrheit. Das Wort rechter Art fährt aus der Tiefe der Seele in den Kern der anderen, taut auf, erquickt, richtet und entwaffnet, zündet und fesselt, stachelt und glättet, verwundet und verbindet. Das Wort kann uns selbst, unser bestes Haben in das Leben eines anderen gießen. Herzfröhlich macht's, zu erfahren, daß ein gutes Wort Segen fchuf. Mit seinem Blute möchte man aber wegwa- schen, was ein unbedachtes, in unbewachtem Augen­blick den Lippen entflohen, angerichtet! Wie Berges­last legt sichs denen auf die Seele, denen Kind und Wort anvertraut wurde. Und doch ift's gut, beide Folgen des Tuns zu bedenken, weil Müssen müde macht auch Redenmüssen. Es dient solch' Ueberdenken doch auch dazu, uns diese Arbeit nicht zur Last werden zu lassen, wenn wir wissen, daß gutes Wort gute Frucht schaffen m u ß. Das sind die Allerärmsten unter den mit Worten Tätigen, denen das Hoffen auf Frucht völlig zerschlagen ward und die wie Maschinen geben, was amtlich befohlen ist. ' Flg.

kseimatchronik.

Leder ifts Frühling geworden, und der dies­mal besonders gefürchtete Winter liegt hin­ter uns. Streng und früh hatte der mit Schnee und Eis schon im November eingesetzt und verspätete Bauern bei der Feldbestellung überrascht. Nun wird er trotzdem als ein außerordentlich milder in der Erinnerung bleiben, umspielt von einem Ge­fühl herzlicher Dankbarkeit; denn sein Gegenteil würde eine große Vermehrung der Leiden unseres Volkes im Gefolge gehabt haben. Auch von Seuchen ist unsere Heimat, Gott sei Dank, im ganzen verschont geblieben, wie ja das Jahr 1919 in Bezug auf das Vorkommen übertragbarer Krankheiten einDurch­schnittsjahr" gewesen ist. Wie immer hat die Diph­therie die meisten Opfer gefordert. Es sind im Kreise Schlüchtern 96 Fälle gemeldet worden, wo­von 5 tödlich verlaufen sind. Wenn auch die Be­handlung mit Heilserum gute Erfolge zu verzeichnen

und den Schrecken vor der Krankheit zu mildern ver­mocht hat, so kommen doch immer wieder Fälle vor, wo auch die Behandlung mit Serum den tödlichen Ausgang nicht zu verhindern vermag. Doch ist un­sere Bevölkerung beim Auftreten der Diphtherie jetzt vorsichtig und versäumt in der Regel nicht, r e ch t- -zeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Glück auch, daß fast alle Orte des Kreises jetzt Schwestern als erste sachverständige Helferinnen haben. Leider findet man auf den Dörfern dem Scharlach gegenüber, obwohl diese Krankheit zu den gefürchtesten gehören sollte, eine gewisse Sorg­losigkeit. So scheint in Oberzell bereits im Sommer 1919 Scharlach aufgetreten zu sein, ohne daß ihm die nötige Aufmerksamkeit geschenkt worden ist. Dies hat zur Folge gehabt, daß nicht nur ein Kind in Oberzell an schwerer Nierenentzündung erkrankt ist, was vermutlich hätte verhütet werden können, son-