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Seite 186 Unsere Heimat c^^^^^c^^^^^c^oc^ Nr. 7/8

der kein starkes Talent oder kein besonderes Glück hat, kriecht einmal bei einer Redaktion unter. Besser und schöner hat das unser Schiller gesagt:

Immer strebe zum Ganzen und kannst du selber kein Ganzes

Werden, als dienendes Glied schließ' an ein Ganzes dich an."

Und so war ich denn bei derTagespost"unter­gekrochen" und hatte mich als dienendes Glied an ein Ganzes angeschlossen.

Am 15. Februar 1879 erschien ich zum erstenmale aus dem Bureau dieses Blattes. Ein Vorzimmer, das mit alten Zeitungen gefüllt war, und in dem der Redaktionsdiener seines Amtes waltete; dann ein großes Zimmer, in dem sämtliche Redakteure mit Feder und Schere tätig waren und schließlich noch ein kleineres Zimmer, in dem der Chefredakteur Manus­kripte las oder Besucher empfing, - tag war 'da­mals das ganze Bureau derTagespost" im alten Hause Stempfergasse Nr. 5 im obersten Stockwerk. Heutzutage zählen wir über ein Dutzend fest ange­stellter Redakteure in einer Flucht von Zimmern und Sälen, die sich durch die oberen Stockwerke von zwei mit einander verbundenen Häusern hindurchzieht. Welch ein Gegensatz zu den beschränkten Verhält­nissen, die ich damals vorfand".

Ueber fünf Jahre bekleidete Rullmann den ver­antwortungsvollsten Posten der mittlerweise zu einem großen und führenden Blatt der Steiermark, ja Oesterreichs gewordenenErazer Tagespost". Ein schwerer, mit Gehirnerschütterung verbundener Un­fall auf der Trambahn veranlaßte ihn früher, als er beabsichtigt hatte, von seiner Stellung zurückzu- treten. Die Tagespöft widmete ihm unter der Ueber- schriftEin Veteran der Presse" eine Anerkennung seiner Verdienste und Persönlichkeit in ihrer Nr. 13 vom 14. Januar 1908, der folgendes entnommen sei:

Wie wir bereits gemeldet haben. hat der bis­herige Chefredakteur derTagespost", Herr Dr. Wilhelm Rullmann, mit Rücksicht auf seinen Ge­sundheitszustand den Verwaltungsrat der Druckerei- und Verlags-AktiengesellschaftLeykam" um Ent­hebung von dem Amte ersucht, das er fünf Jahre hindurch bekleidet und mit Hingebung und Umsicht versehen hatte. Da der Verwaltungsrat sich genötigt sah, diesem Ansuchen stattzugeben, so scheidet mit Herrn Dr. Rullmann aus dem Verbände derTages­post" nicht nur eines seiner wertvollsten Mitglieder, ein Journalist, dessen Name mit der Geschichte des Blattes aufs ehrenvollste verbunden ist, sondern es tritt auch ein Veteran der Presse aus dem Dienste, dem er vierzig Jahre lang seine Strafte gewidmet hatte.

Drei Jahrzehnte hat Dr. Rullmann nahezu aus­schließlich dem Dienste unseres Blattes gewidmet, und nicht nur die verschiedensten Ressorts bekleidet, son­dern auch durch feinsinnige literarische Arbeiten Wertvolles geleistet. Zweiundzwanzig Jahre lang bekleidete Dr. Rullmann das Amt des S ch a u s p i e l- referenten derTagespost" und hat auf diesem Gebiete durch sein reiches literarisches Wissen, seine in der Kultur Schillers wurzelnde Aesthetik, seine feine Stilistik und durch seine Herzensgüte das oft harte Amt des Kritikers in tadelloser Weise geführt und es anregend und fruchtbar zu machen verstanden; er hat mit feinem Takt Sonne und Regen gerecht

zu verteilen gewußt. In seltener Einmütigkeit mit seinen Redaktionskollegen hat er in den letzten fünf Jahren auch das verantwortungsvolle und schwierige Amt eines Chefredakteurs versehen, und man kann wohl sagen, daß Wilhelm Rullmann einer der Vor­gesetzten war, dieder Erste unter Gleichen" sind. Seine wahrhaft humane Gesinnung kam aber auch in der Beziehung zu seinen Mitarbeitern, in der Or­ganisation des Dienstes zum Ausdrucke, und nur un­gern sieht man diesen als gütigen Charakter wie erfahrenen Journalisten gleich ausgezeichneten Mann aus dem Dienste scheiden. Möge Herrn Dr. Rull­mann denn nun nach vielen sauren Jahren der Ar­beit ein lange währender, "sonniger Lebensabend be- schieden sein; möge sich der Herzenswunsch aller seiner Mitarbeiter, die es freudig waren, erfüllen, der Wunsch, den wir in die kurzen Worte erschließen: ab mutlos annos!

Auch der Journalisten- und Schriftsteller-Verein Erazer Concordia verliert in Dr. Rullmann seinen ebenso beliebten als arbeitsfreudigen und hoch­verdienten Obmann. Mit seinem Freunde und Kol­legen Karl von Raab zusammen hatte ja Rull­mann die Anregung zur Gründung der Grazer Concordia gegeben, die vor einem Vierteljahr- hundert, am 31. März 1883, ins Leben trat. Er arrangierte Gastspiele zugunsten des Vereines (Bar- sescu, Baumeister, Tyrolt, Martinelli (breimal), Girardi, Kainz, Odilon, Meininger ic.) und Vor- träge (Anzengruber, zweimal Stieler, Rittershaus, Stettenheim u. a.). AIs die Erazer Concordia Rull­mann zu feinem 60. Geburtstage ihre Glückwünsche darbrachte, konstatierte der damalige Obmann des Vereines, Herr Dr. Withalm, in einer Sitzung des Ausschusses vom 12. Jänner 1902,daß Rullmann zu den Gründern des Vereines gehört und daß dessen Verwendung und gesellschaftlichen Verbindungen die Concordia einen großen, wenn nicht den größten Teil ihres Vermögens verdanke". Die Concordia hat damals auch ihrer Anerkennung und ihrer Dank­barkeit durch Ueberreichung einer künstlerisch ausge­führten Adresse Ausdruck verliehen. Gleichfalls im Vereine mit feinem Kollegen Raab hat Rullmann auch die Anregung zur Errichtung des Hamer- ling-Denkmals gegeben, für dessen Ausführung er sich unermüdlich tätig gezeigt hat.

Das größte Verdienst aber hat er sich durch oie Gründung des Grazer Theater- Ver so r g- ungs- und Unter stütz ungsvere ines erwor­ben, die ausschließlich aus seiner Initiative hervor­gegangen ist; allein an Gründerbeiträgen hat er 5000 Gulden für diesen Fonds gesammelt. In oem Berichte über die Generalversammlung dieses Ver­eines vom 8. April 1900 heißt es:Am Schlüsse der Sitzung ergriff Herr Lippert das Wort, um in einer tiefempfundenen Rede feinem Bedauern über das Scheiden Dr. Rullmanns aus dem Vereinsaus­schusse Ausdruck zu geben. Der Redner hob hervor, daß Dr. Rullmann der Gründer des Vereines war und für dessen Interessen stets in Wort und Schrift, mit Rat und Tat und voller Hingebung eintrat; diesem selbstlosen hochverdienten Wirken gebühre die wärmste Anerkennung, der aufrichtigste Dank. Der Vorsitzende teilte im Anschlüsse an diese Worte mit, daß er bereits damals, als Dr. Rullmann feinen Austritt schriftlich anmeldete, an ihn im Namen oes Ausschusses ein Dankschreiben gerichtet habe. Es

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