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Nr. 7/8 ^L^-^^i^^L^^^^e^e^ Unsere fjefmat ^^^^^^^(^c^^^^ Seite 185

sich eine Hütte, die ihm zum Schlupfwinkel diente, bis sie von Kindern, die in die Vogelnester gingen, ent­deckt wurde. Das sprach sich fort und kam zu den Ohren des Jägers. Der wollte nun auch einmal mit den Kindern in die Vogelnester gehen. Er fand auch das Nest, das er suchte. Der Vogel aber war ausgeflogen. Er hatte die Nacht in einer Scheune auf dem Heuboden zugebracht. Da wurde anderen Tages gedroschen, und da wurde auch die gestrige Geschichte mit dem Haarengel besprochen und sich über den Jäger lustig gemacht, der mit den lieben Kleinen in die Vogelnester gegangen war. Man lachte viel, ward aber ernster gestimmt, als einer der Drescher den Haarengel näher schilderte und, wie das so geht, dabei die Farben recht dick austrug, so- daß dieser als etwas fürchterliches und erschreckliches erscheinen mußte. „Dennoch", meinte ein anderer, „hätte ich große Lust, ihn einmal von Angesicht zu

Angesicht zu sehen. Er würde mich wohl nicht gleich fressen!" „Nein! Und selbst jetzt nicht, wo ich ver­dammten Hunger habe", ertönte es da wie mit Geisterstimmen über ihm. Und als der erschrockene Bursche aufschaute, da stand mein Haarengel leib­haftig auf dem Flegelbalken. Nun hub er an ,ein Lied aus dem Gesangbuch herzusagen, und die unten in der Tenne standen da und getrauten sich nicht die Flegel zu heben und hörten in stiller Andacht zu als beteten sie. Da kam die alte Bäuerin herzu. Die war ganz erstaunt über die Kirche, über die Zuhörer, wohl aber am meisten über den Prediger. „Ellerje!" unterbrach sich derselbe, „jetzt vernehmt den Tert: Ihr kocht heut Klöß. Da laßt Ihr mir wohl auch ein paar zukommen. Seit gestern habe ich nichts ge­gessen." Natürlich, daß ihm eine große Schüssel voll zu Teil wurde.

Forts, folgt.

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Dr. Wilhelm Kullmnnn,

Von Metropolitan Dr. theol. C. H e n ß-Windecken.

it unserem am 7. Oktober 1918 zu Schlüch- tern nach längerem Leiden verstorbenen Landsmann Dr. Wilhelm Rullmann ist eine Persönlichkeit aus unserer Mitte geschieden, deren Bedeutung und Wirken eine eingehendere Würdigung wohl verdient.

W. Rullmann war am 10. Dezember 1841 zu Bieber im Kreise Gelnhausen als Sohn des Pfar­rers Jakob Rullmann und seiner Ehefrau Karoline, geb. Ullrich, als Glied einer kinderreichen Familie geboren und zeigte schon früh hervorragende geistige Anlagen. Für das Studium aus den Gymnasien zu Hanau und Fulda vorbereitet, bezog er mit un­gefähr 17 Jahren die Universität zu Marburg, um Theologie und Philologie zu studieren, und trat dort im Korps Teutonia ein, zu dessen besten Fech­tern er bald gehörte. Nachdem er noch in Erlangen studiert hatte, legte er die theologische Fakultäts- prüfung zu Marburg ab und wurde nach bestan­denem Tentamen in die Kandidatenliste des Hanauer Konsistorialbezirks ausgenommen; zur weiteren Vor­bereitung für das geistliche Amt oder gar zum Ein­tritt in die Laufbahn eines Pfarrers konnte er sich jedoch nicht entschließen. Gewisse Erfahrungen seines Vaters und eigene Beobachtungen waren nur im Stande, ihn davon abzuhalten. Zudem wiesen ihn Neigung und Veranlagung einen anderen Weg. Seinem Wunsche, die akademische Laufbahn zur Er­langung einer Professur für deutsche Literaturge­schichte einzuschlagen, stand das entgegen, daß ihm sein Vater die hierfür nötigen Mittel nicht zur Ver­fügung stellen konnte. So nahm er denn zunächst eine Lehrerstelle am Gymnasium zu Küstrin an, die er bald mit gleichen zu Wyburg in Finnland und St. Petersburg in Rußland vertauschte.

Seine schriftstellerische Laufbahn begann Dr. Rull­mann mit einer im Jahresberichte des Deutschen Gymnasiums zu Wyburg zu Ostern 1868 erschienenen Abhandlung „Ueber die Anfänge des Spinozismus in Deutschland". Von 1869 an war er als Redak­teur des Korrespondenz-Bureaus zu Frankfurt a. M. und dann als Korrespondent der „Augsburger All­

gemeinen Zeitung" und der „Neuen Freien Presse" sowie als Mitarbeiter der „Franks. Ztg". journali­stisch tätig. Vom Jahre 1870 an machte Rullmann wiederholt Reisen in den wiedergewonnenen Reichs- landen; das Ergebnis seiner Studien war das im Cottaschen Verlage erschienene Buch „Landschaftliches und Geschichtliches aus dem Unterelsaß". Von 1871 bis 1873 war er Feuilleton-Redakteur der national­liberalen „Frankfurter Presse" und in dieser Stel­lung hatte er Gelegenheit, sich um die Verbreitung der Werke Schaumbergers Verdienste zu erwerben, die bei der Enthüllungsfeier des Neustädter Schaum- berger-Denkmals im Jahre 1899, für welche Rull­mann im Austrage des Komitees bie Festschrift ver­säht hatte, die wärmste Anerkennung gesunden. Dom Jahre 1876—1877 gab Rullmann die „Rheinische Wochenschrift" heraus, die erste Zeitschrift, die in Deutschland für den Schutzzoll eintrat. Im Jahre 1877 übersiedelte er, einer Einladung seines Freun­des Jules de Swert folgend, für dessen Oper „Die Albigenser" er das Libretto geschrieben hatte, nach Wien und von da aus schrieb er vom Januar 1878 an Korrespondenzen, Leitartikel und Theater- briefe für die „Tagespost", in deren Redaktion er dann zu Beginn des Jahres 1879 eintrat. Hier­über und über die Verhältnisse der „Grazer Tages­post", die er damals vorfand, schrieb Rullmann in der Festnummer dieser Zeitung, die zu ihrem fünf­zigjährigem Jubiläum am 1. Januar 1906 ausge­geben wurde, in feinem Beitrag: „Von lieben Toten":

„Zu Ende des Jahres 1878 erhielt ich von oem damaligen Chefredakteur Dr. Adalbert Svobooa den Antrag, in die Redaktion der „Tagespost" em- zutreten. Ich war vorher in Frankfurt, Wiesbaden, Berlin und zuletzt in Wien schriftstellerisch tätig ge­wesen und da ich bis dahin als Gymnasiallehrer und dann als Redakteur des Wolffschen Telegraphen- Korrespondenzbureaus schon mehrmals „meinen Be­ruf verfehlt hatte", so hielt ich mich für befähigt, Journalist zu werden und ich nahm jenen Antrag an. „Ein jeder Schriftsteller" — hatte mir einmal mein Freund Vogel von der „Franks. Ztg." gesagt —