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Seite 178 ^m^^<^<^<^^<^m^ Unsere Heimat -^^-^-^^^^^-^^^<^7

Das Ende,

Nr. 7/8

Alwin Saenger schreibt in der sozialistischen „Glocke":

lies ist nun vorbei. Alles. Der Ausmarsch, die Fahnen, die Lieder. Das Warten auf oen ersten Sieg. Die erste Wunde und der erste Tod. Des Marschalls Taten. Die Siegeskunoen

von dem Heldenmute eines Volkes in Waffen, die der Heimat lange Winter und Sommer hindurch Hoff­nung für ein gutes Ende gaben.

Alles ist vorüber. Das Kommen und Gehen. Der Abschied. Das Heimweh. Die Wacht an Flan­derns Küste. — Die Nächte an den Feldlagern oer Verwundeten und Sterbenden. Die Nächte am Ge­schütz. Kriegsweihnachten in Frankreich. Bald wirb's ein Traum nur in der Ferne sein, wenn die Ordnung lebendig und fest herrscht und die Menschen sich wie­der satt essen. Denn keiner will am Schmerz zu­grunde gehen.

Das Ende ist gekommen. Draußen schlafen die Millionen, und wir Lebendigen stehen vor einem offenen Grab,--

Eine Nation, der ihre Geschichte das Recht gibt, ^eiligen Stolz zu bekunden, in Sklavenketten ge­schlagen. Ein Volk, dessen Tugenden vier Jahre lang Weltwunder schufen, am Boden kriechend. Ein Reich, das durch die Arbeit seiner Männer und Frauen den Staaten der Erde voranschritt, zertrümmert. Ein Heer, das mit der ruhmvollen Tradition der Jahr­hunderte Tage, Monate, Jahre siegte, schmählich aufgelöst. Und alles furchtbare, entehrende Unheil, ohne befriedigt zu sein, ohne daß unsere Sitte, Moral, unser Können unterlegen wären. Der Zusammenbruch nur die logisch nüchterne Folge eines brutalen mathe­matischen Rechenerempels, des Sieges der Zahl über den Heroismus.

Wir sind am tiefsten gesunken von allen Völkern der Weltgeschichte. Das Zeichen der Knechtschaft ward keinem Volke bislang so untrüglich aufgebrannt wie uns. — Auf das Geheiß eines kriegsgerüsteten Fein­des müssen wir die eigenen Waffen zerbrechen; oem

Befehl des Feindes folgend, müssen wir ihm Deutsche ausliefern.

Das ist das Ende.

Gab es je eine größere Schmach, als einen Kriegs­gegner, dessen Ziel der Raub und dessen Wort die Lüge waren, als Richter über deutsches Leben anzu- erkennen?

Vaterland, bist du es wirklich, dem einst Armin, dem Luther, der zweite Friedrich, Kant und Bis- marck, dem die Unsterblichen von Weimar geboren wurden, bist du es wirklich, über dem der Genius der Größten schwebt, in dem wir heute leben?

Das Bewußtsein, unwert der Ahnen zu sein, drückt uns in täglichen Stunden zur Erde nieder. Die Pflicht, den späteren Geschlechtern Rechenschaft zu ge­ben, lehrt uns, dies offen zu gestehen. Wir sollen nicht schelten und klagen, nicht zürnen und starke Worte gebrauchen. Es verhallt doch alles ungehört in der leeren Oede des Nichts. Aber die Enkel und Urenkel mögen in Menschenaltern das schlichte Ge­ständnis lesen, daß wir gewußt haben, wie elend es um uns steht. Sie werden uns dann nicht der Schuld zeihen, daß wir nicht über unsere Kraft hinaus konn­ten, und sie werden Mitleid für die haben, die ver­dammt waren, mit der ungestillten Sehnsucht nach einem befreiten Vaterland zu leben und — aus dem Leben zu gehen. Bitteres Schicksal! Könnte eins diese Traurigkeit unseres Volkes glauben lassen, so wäre es die Ueberzeugung von der Tatkraft und oem reinen Willen der Heranwachsenden Jugend. Wir werden sie in Ost und West alljährlich an die Gren­zen führen, die brutale, höhnende Gewalt uns zu- sprach, werden sie weisen auf das Deutschland jen­seits dieser Pfähle und ihnen das Vermächtnis ihrer unglücklichen Väter und Mütter hinterlassen: Befreit Deutschland!

Alles ist aus. In dieser Stunde des Abschiedes wollen wir ein einziges Versprechen den Toten, oen Lebenden, den Kommenden, der Menschheit und dem Volke geben: WirbIeiben dirtreu, deutsche^ V aterland!

Daheim!

(Srief eines Lseimgekehrten.)

T., am 28. im Mai 19.

Lieber!

s ist ganz still in unserem Hause und alles dunkel — nur in meiner kleinen Stube brennt eine Kerze in Eroßmutters Messingleuchter und

hüllt alles in einen hellgelben Lichtmantel. Die kleinen Rosen auf der dunkelgrünen, ein wenig ver­blichenen Tapete leuchten ganz leise und mit ihnen all die Bilder und Bildchen, das Sträußchen aus Genf und die bunten Bündchen aus der Gefangen­schaft. Eine seltene Weihe wohnt in meiner Bude, mag ich noch so sehr in Kampf und Streit liegen mit meinem äußeren oder inneren Menschen, ich mag noch so große Freude haben, in Zweifel und Zwiespalt hocken, komme ich in meine Stube am Abend und zünde die Kerze an, dann ist alles von mir genommen, von mir gewichen, sogar die nimmerruhende Sehn­

sucht wird stiller, aber umso tiefer. Alles, was mich niederzwingen will, alle Mutlosigkeit ist verflogen. Es ist, als ob alles verinnerlicht sei, als sei ich hier in meiner Stube der, der ich in Wirklichkeit bin uno bleiben werde, Mensch, ein Suchender und Träumen­der. Ich habe mich schon oft gefragt, woher kommt das Licht, die Wärme, die stille, tiefe, friedliche Freude, strahlt sie aus den vielen Erinnerungen an sonnige, an heilige und heilende Stunden aus, oder ist es, weil über all den Dingen, die das Zimmer er­füllen, die Hand meiner Mutter geruht hat, ist es, weil ein Hauch ihrer großen tiefen Liebe auf allen Dingen liegt, ein Sonntagssonnenschein? Mir ist, seit ich hier im Hause bin, als ob meine Mutter immer um mich sei, manchmal denke ich, nun kommt sie zur Tür herein mit fröhlichen Augen und freut sich, daß ich nun doch wieder auf dem Bett sitze, an dem Tisch, da der Urgroßvater und Großvater dran gearbeitet