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^c^^^r^^^^^^^^ Unsere

Dermal ^^^i^^^r^f^^ Seite 135

1815: „Sind wir vereint zur frohen Stunde" und löste sich dann auf Freilich war die Auslösung der Burschenschaft nur eine scheinbare. Schon bald sammelten sich ihre Mit- glieder wieder, zunächst unter anderem Namen, dann auch wieder als Burschenschaft. Ja es blieb nicht einmal aus, daß gelegentlich wieder allgemeine Burschentage abgehalten wurden. Im Jahre 1831 fand in Frankfurt am Main ein solcher Burschentag statt, ein Zeichen dafür, daß in jener Zeit bereits die Führung der Burschenschaft von den Ienen- sern mehr und mehr auf die Burschen in Süddeutschland übergegangen war. Von hier aus ward das studentische Schwarz-rot-gold der Burschenschaft zuerst zur Fahne der bürgerlichen deutschen Einheitsidee erhoben und bald wurde es denn auch, irrtümlich genug, für das Banner der ehe­maligen Einheit im Heiligen Römischen Reiche gehalten.

Wesentlich trug hierzu bei das große Fest, das am 27. Mai 1832 von den freiheitlich gesinnten Bürgern Süddeutsch­lands auf dem Bergschloß von Hambach gefeiert wurde. Nach Mainz, wo manche der ehemaligen Gießener Burschen­schafter wohnten, war kaum die Kunde von den Vorbereit­ungen zu dieser Feier gedrungen, als auch schon die schwarz- rot-goldenen Kokarden und Bänder an- Tageslicht geholt wurden. Und als der Tag des Festes gekommen war, da flatterten in dem unabsehbaren Zuge, der sich langsam zum hochgelegenen Schlosse bewegte, nicht nur die alte schwarz- rot-goldene Burschenfahne aus Jena, sondern auch zahlreiche andere Fahnen in sckwarzrot-goldenen Farben. Die Farben der Burschenschaft waren zugleich die deutschen Freiheits- farben geworden und wurden es in der folgenden Zeit immer mehr.

Bis zum Jahre 1867 ist die schwarz-rot-goldene Fahne den Deutschen das sichtbare Zeichen der Sehnsucht nach

einem freien, geeinigten Reiche geblieben. Durch die Gründung des Norddeutschen Bundes in diesem Jahre wurde die Sehnsucht, wenn auch noch nicht völlig, so doch zu einem großen Teile gestillt. Viele, namentlich aus dem Westen Deutschlands, denen die schwarz-rot-goldenen Farben ans Herz gewachsen waren, hätten aber gern gesehen, wenn diese Farben durch die Verfassung auch für den neugegrün- deten Bund festgesetzt worden wären.

Aber Bismarck trat dem entgegen. Er war der Ansicht, daß die Farben der Revolution, denen die preußische Armee vor nicht allzulanger Zeit noch im Kampfe gegenüber ge­standen hatte, nicht passend für den neuen Staatenbund seien. So befürwortete er bei dem Könige eine Verbindung des preußischen Schwarzweiß mit dem Rot der Hanseaten und Holsteiner, indem er unter anderem darauf hinwies, daß diese neben P eußen die meiste Gelegenheit hätten, die Flagge über das Meer zu führen und dem Auslande zu zeigen. Der König gab dieser Farbenzusammenstellung seine Zustimmung und so b stimmte der Art. 55 der Verfassung des Norddeutschen Bundes: Die Flagge der Kriegs- und Handelsmarine ist schwarz-weiß-rot.

Nachdem 1871 Deutschland zum Kaiserreich geworden war, wurden die Farben Schwarz-weiß-rot zur Flagge des Kaiserreichs und.sind es seitdem geblieben.

Wir stehen wieder in einer Zeit, in der Altes und Ueber- lebtes in unserem Staatsleben zusammengestürzt ist und neue Ideen um ihre Anerkennung ringen. Hoffen wir vor allem, daß das geeinte Deutschland unversehrt aus dieser schweren Zeit heroorgeht. Welche F'agge es in Zukunft führen soll ist eine Sorge, die an zweiter Stelle steht und ruhig einer späteren, ruhiger denkenden Zeit überlassen werden kann

Dr. Lauer.

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Efauptlehrer Chr. C. König in Schlüchtern f.

icht wahr, solche Kunde mutet doch mindestens „ganz eigen" an, ihr Kinder Schlüchterns nah und fern, die ihr alle einmal in der „Königs­klasse" gewesen seid und zwei Jahre in ferner, viel­leicht längst vergessener Zeit ihm zu Füßen gesessen habt? Und ich weiß auch, daß manchen unter euch, wenn sie dies, fern von daheim, hören, die Augen feucht werden; denn ihr seht euch dann wieder jung, sorgenfrei, geborgen, immer fröhlich, als K i n o e r. Als Kinder, die an Mütterleins Hand entweder den Heideküppel oder die Kapellentreppe hinauftrippeln, den ersten Schulgang zu wagen. Sonnenschein liegt über allem, wenn ihr die Augen schließt und sinnt. Der Herr Rausch — damals, vor 40 Jahren, war's noch der alte, und nun ist der junge schon wieder grau - steht schmunzelnd an der Schulzimmertüre. Der ist schuld, daß man in die Schule muß. Vor ein paar Tagen war er da, eine blaue Mappe unter dem Arm, aus der er deinen Namen (mit sämtlichen Vor­namen) klar und deutlich vorgelesen. Es stimmte, Irrtum war ausgeschlossen. Seit dem Augenblick warst du wie im Fieber, schliefst unruhig, übermorgen, morgen, heute ... jetzt! Das Schulglöcklein mit sei­nem Kinderstimmchen ruft. Und nun bist du mitten im Schwärm der Gespielen und Fremden. Und da vorn der Mann im Bart — der Herr König! „Sitz' mäuschenstill und leg' die Händ' auf dem Pulte zu­sammen!" hat die Mutter eingeschärft. Ach, was oas noch werden mag. Wie dunkel und schwer war die Zukunft! Hernach war's wie immer im Leben, zeit­weilig recht ernst und ungemütlich, aber meist doch wunderschön. Was der Herr König für Bilder hatte! Und wie er die Buchstaben aus dem Kästchen an dem Rahmen zu Wörtern aufmarschieren ließ! Und die Rechenmaschine mit den hundert Kugeln, die sich au Zahlbildern ordneten. Und was der Mann alles

wußte! Von Himmelsrichtungen, Tieren und Men­schen, von Nähr-, Wehr- und Lehrstand, von Abra­ham, Joseph und Jesus! Unter seiner Führung ent­deckten wir Schlächtern und erfuhren, daß auch die Aecker und Wiesen um die Stadt Namen hatten. Bis auf den Hohenzeller ist er mit uns marschiert. An Kaisers Geburtstag, am 22. März, und Sedantag war er ganz anders wie sonst. Feierlich. Aus dem langen, schwarzen Rock war ein Kreuzlein aus Eisen, das er sich anno 70 geholt. Wenn er davon erzählt hatte, sangen wir: „Bei Sedan war die letzte Schlacht...." Wie stolz waren wir dann auf unsern Lehrer, unsern Herrn König! Solch' Kreuzlein hatte keine andere Schulklasse aufzuweisen. Und uns kam der Herr König direkt hinterm Kaiser. Am Nach­mittag ginge aus den Acisbrunnen. Und aus allen Bildern liegt's wie Sonnenschein. O Kindheit! Heute, am 6. Februar tropft's mir aus den Augen, da ich euch schreiben will, daß wir ihn als müden Mann und letzten von unseren Lehrern droben auf unserem Friedhof zwischen den Stillsten im Lande eingebettet haben. Anacker, Wichard, Schwarzhaupt, Schlegel, Hayner, Heck und Hartmann.... so, jetzt sind sie alle fort. Er war der letzte, der mit uns noch die Weltkriegszeit fast bis zum Schluß durchleben durfte oder mußte. Am 19. Januar hatte er noch seinen 70. Geburtstag gefeiert, und einige von den letzten Mädchen, die er unterrichtet, haben, ganz von sich aus, dem alten Herrn Glück gewünscht und Aepfel dafür eingeheimst. Seit der Krieg ihm seinen lieben Lippus geraubt, war er nicht mehr der Alte. Er, der bei Kriegsausbruch so jung und hoffend dage­standen und ruhelos der ersten Nachrichten harrte, war schließlich fast teilnahmslos geworden. Wenn sich sein Inneres aber in einer guten Stunde dem Freunde offenbarte, sah man, wie sehr der alte kern-