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Nr. 1/2 ^^.^^^r^^^^^^st^ Unsere. Heimat ^^r^^^^^^^^e^c^ Seite 131

^m Strom

-----Ja, so ist's gewesen: Vor einem seichten Wasserlauf haben wir gestanden schon ein Menschen­alter lang und haben nach neuer, klarer, belebender Flut gerufen und auf sie vergeblich geharrt und ge­hofft; und haben uns schließlich drein finden sollen und müssen, daß wir ihr Kommen nicht mehr erleben würden. Und nun kommt sie plötzlich nach dem ent­setzlichen Kriegsunwetter in immer wiederkehrender, rasender Brandung herangetost, die Grundfesten unseres stolzen Reichsbau's erschütternd.. Durch­brochene Dämme der Ordnung und Disziplin, über­flutetes und verschlammtes Gelände des Friedens­glückes, millionenfacher Todesschrei von Volk zu Volk,

des Neuem

von Hunger, Blut und Hilfsdienst durch den Feind aufzwingen und ihm neue Fesseln des Geistes und der Gesinnung anlegen will? Das neue Volk, das nicht mehr fähig ist, die Reichsgrenzen gegen einbrechende Räuberhorden zu verteidigen? Schon donnern die Schläge der andringenden äußeren " Feinde an unseren Toren, schon stehen die inneren Feinde bereit, sie zu öffnen und unser Volk steht da wie das zum Abschlachten herbeigeholte Tier, gefühllos, wehrlos! Ach nein - dieses Volk lacht und tanzt! !

Rein, im Tale grünet Hoffnungsglück!

Dieses Bild mußte uns erst gezeigt werden, damit

Vlick vomHuhn" aus denHohenzeller". Phot. v. C. Zinnall.

zerrissene und verzweifelte Seelen inmitten einer Lin- öde von Gleichgültigkeit, Stumpfheit und widerlicher Eier jeder Art ist dies das Reue, das Ersehnte? Der freie Gedanke, das offene Wort, die edle unge- botene Tat? Hat Freiheit so hohen Preis? Ist das die Freiheit, Die wir erstrebten? Die Göttin, aus deren Purpurfalten Lumpen hervorlugen, aus deren Ge­sichtszügen Hunger und Haß, Frechheit und Scham­losigkeit grinst? Dies das neue, reife Geschlecht, aus dem keiner die Hand ausreckt, dem darbenden und frierenden Bruder das Stück Brot, die Kelle Heiz- stoff zu reichen? Aus dem Hunderttausende von Arbeitsscheuen vom sterbenden Volkskörper den letz­ten Blutrest heischen, während diesem, dem Ohnmäch­tigen, die Hände durch Streikfesseln geknebelt sind? Ist dies das befreite Volk, in dem der eine Teil dem andern seine Meinung von höchster Freiheit mit Hülfe

Erkenntnis und heiliger Wille aufs neue geboren werden könnten. Was uns der Sieg nicht bringen konnte, das kann nur die Niederlage, die Demütigung als höchste Gabe schenken. Ein häßliches Riesenge­schwür, das am kranken Körper zehrte und ihn zur Auflösung gebracht haben würde, ist aufgebrochen. Mit Schaudern sehen wir nun erst, wie groß die Ge­fahr war, die uns bedrohte. Roch liegt der Volks­körper geschwächt am Boden, noch ist seine Seele krank von den Fieberschauern eines Mordkrieges; aber schon stellen sich die ersten ruhigen Atemzüge ein, die dem Erschöpften Genesung verkünden; schon blinzeln die Augen nach dem neuen Tage, tasten die zitternden Hände nach denen der Helfenden, hebt sich das Haupt dem Arzt entgegen, der Hoffnung verkündet. Gings nicht wie Riß und Ruck durch das nur wirtschafr- lich leidend scheinende ganze Volk, als seine Reli-