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Seite 292 ■^^^s^^r^i^^^^^ Unsere Heimat c&c&s^c&^c&c^^c&i^^ Nr. 12

'VV'Kieber tönen die holden Lieder aus; wieder J I / webt die heilige Zeit ihren wundersamen

Zauber zum zweiten Male — trotz Krieg und Not und Tod. Die deutsche Weihnacht läßt sich nicht aus unserer Seele, unserm Land verbannen; sie ist ein hellseliges Stück unsres Lebens.

Es will Weihnacht werden! Unb jote manch ein Herz bebt und bangt nun vor ihren Stunden. Das

Liebste ruht in fremder Erde oder liegt mit schweren Wunden in einem fernen Lazarett oder steht im heiligen, blutigen Streite vor dem tückischen Feinde. Der Anblick der Tannen aus deutschem Heimatwalde schmerzt, unb der Lichtglanz tut dem müden, tränen- vollen Auge weh: das Liebste fehlt!

Und die da draußen, die Teuren alle, fühlen mit heißem Sehnen: „Es will Weihnacht werden, und wir sind nicht daheim." —

Dennoch, dennoch! Komm, du heiliges Fest, Fest der deutschen Seele! Segne uns alle, nah und fern, die Einsamen und traut Vereinten; strahle dein Licht durch alles Dunkle, Schwere! Dein himm­lisches Licht! Jenen kurzen, erb gebannten Glanz aus ewigen Gefilden! Mehr denn in den Zeiten oes Friedens wird die deutsche, nun heilig-tiefer ge­wordene Seele deinen hohen Sinn, du Weihnacht, dein hehres Wunder erleben. Die kindlich gläubige, gotterfüllte Seele wird in ihrem Leid aus deinem Strahlenreichtum Trost und Hoffnung trinken.

Und ich sage euch, mehr denn sonst wird diese Kriegsweihnacht, wenn wir. sie recht zu erleben wis­sen, unser ganzes Volk segnen, denn die Tiefen seines Innern liegen nun herrlich offen, und sein Gefühl ist wacher, weicher, reiner geworden.

Es will Weihnacht werden! Seien wir dafür dank­bar! Es ist ein Gottesgeschenk! Mehr denn je! Fühlt ihr das?

Es will Weihnacht werden.

Komm, F e st der Lieb e!

Die Liebe trauert um viele Heldensöhne, aber stärker, größer denn je schreitet sie segenspenbend durchs deutsche Land und findet ihren Weg ourch

tiefste Nacht, durch Schlachtgedröhn zu unsern Ge­

liebten im Feld und auf dem Meere.

Helfen wir der heiligen Liebe an ihrem Werke; das tröstet auch im dunkelsten Leid. Ihre hohe, überirdische Gewalt wird in den Advents- und Weihnachtstagen dieses Kampfjahres leuchtend, an- dachtwirkend offenbar werden. Es will Weihnacht werden, strahlen will das Wunder!

Laßt uns heilige Helfer sein!

Komm, Fest des Friedens!

Weil die Sehnsucht nach Frieden dem deutschen Volk so eingeboren ist, mehr als allen andern Völ­kern der Erde, darum liebt es das Fest mehr denn die andern alle, darum feiert es das Fest so selig-tief.

Friede auf Erden ! Das große Erleben dieser Kriegsweihnacht läßt heißer denn je unsere Sehn­sucht brennen. Die (Engelsworte stehen mit unüber­windlicher Sonnenklarheit über aller Schlachtenglut.

Und das deutsche Volk kämpft mit gottdurch- drungener Begeisterung für das „Friede auf Erden"! Dieses Friedens-, dieses Weihnachtsvolk wird vas glorreiche Siegervolk der Welt werden, so wahr und toirklich das Licht der heiligen Nacht seit beinahe zwei Jahrtausenden strahlt und wärmt. —

Weihnachtstrost, du tröstest uns; denn du bist aus Gott!

Weihnachtshoffnung, du läßt uns nicht zuschanden werden; denn du führst zu Gott.

Weihnachtsglaube, du bringst uns selige Erfül­lung; denn du bist in Gott!

Es will Weihnacht werden. —

Reinhold Braun.

Heimweh im Schützengraben,

In meiner Heimat hör' ich Glocken klingen Vom alten Kirchturm übers Land hinaus.

In meiner Seele regen sich die Schwingen;

Das Herz will heimwärts, sehnet sich nach Haus.

Im weiten Tal seh ich die Blumen sprießen;

Der Frühling zieht in deutsche Lande ein. Aus meinen Augen leise Tränen fließen, Und diese Tränen sehen mich allein! — Im deutschen Lande hör' ich Quellen rauschen Vom moosgen Stein, vorbei am Waldesrand; Und trunken laß idf meine Seele lauschen Den trauten Klängen aus dem Heimatland.

Ich hör' im Vaterhaus die Eltern plaudern Von ihrem Söhne, der vorm Feinde steht;

Ein süß-geheimnisvolles Schaudern

Von Heimweh durch meine Seele geht.

Der Jugend fröhliches Erleben

Taucht vor mir auf wie fernes Alpen glühn.

Und sehnend spricht der Seele leises Beben: Ach, dürst ich doch in meine Heimat ziehn! Ein dumpfes Donnern schreckt mich aus dem Sinnen Und führt mich in die Wirklichkeit zurück: Wo willst du hin, Herz, was willst du beginnen, Willst du zur Heimat ohne Sieg zurück? Sprich, willst du träumen, willst du weichlich werden, Wo deine Brüder noch im heißen Streit La Fere.

Auf Frankreichs blutgetränkten Erden

Für dich verbluten, dulden Schmerz und Leid?

Willst du der Heimat Glocken wieder hören, Der Heimat Blumen wieder sprießen sehn, Kann bi^i ein Heimweh wirklich so betören, Willst ohne Sieg du zu den Eltern gehn? Nein, Herz, noch nicht. Dir wär der Glocken Tönen,

Der Quellen Rauschen ja ein Trauerlied. — Und dieses Rauschen wäre dir ein Höhnen, Und dieses Höhnen fragte dich nach Sieg! — Nein, Herz, noch nicht! Noch gilt es tapfer kämpfen Für deutsche Freiheit, für dein Vaterland! Und bis zum Sieg laß uns das Heimweh dämpfen, Das Heimweh, das dich vor dem Feinde fand!

Und siehst du deine Heimat niemals wieder, Rauscht Frankreichs Quelle neben deinem Grab, Sei stille, Herz, dann sehen sie die Brüder Und du nahmst deine Sehnsucht mit hinab.

Wenn dann die Siegesglocken brausend tönen, Vom deutschen Sieg des Waldes Quelle rauscht, Dann ist gestillt auch deines Heimwehs Sehnen, Und aus der Höhe deine Seele lauscht.

Dann bist du droben, wo es keine Tränen Und keinen Streit und keinen Krieg mehr gibt; Dann hat dich deines Heimwehs tiefes Sehnen Aus allem Heimweh heim zu Gott geliebt.

Willy Stoeltzner.