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©citc 290 c^^^c^c^£^2£^ß^ß^^^^£^2ß^c^ Unsere Heimat ^^^^r^^^^^t^^ Nr. 12

sMilch) gelesch! (löschen)" — „Gott, bos e Un­glück" kreesch die Lies, „bu wann dan die Leut oie vill Mellich Herkrieg!"

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Ihr hott doch de Mechels Nikelos noch gekaant, der aal Leinewäwer, bu als Sonnbigs off die Urt- schafte gong on trug sein Duuch zu de Leut, bu bei em ließe wäb. Heän woar der oüchdigst Leineweber en der ganze Omgegend, äwer de Kurze (Schnaps) konnt e gebeiß bie anner (einer). Heän har aach en büße Suuf. Bann e haan koom, schimpt e de ganz Owed (Abend) mit Fraa on Kenn on Nochber- schaft on braucht als Rere (Redensarten), daß mer die Kenn (Kinder) ewäck mußt duh. Etz woar aach nooch der Poarr sein Nochber. On dem Mann seiner Kranket woar e aach mit schold, der konnt sich doot üwer'n geärger. On bann der Bürjemaster äwer der Schandoarm koom, do woar e es gescheit mit Ausrere on konnt sich mit schöne Wurt geh elf bie en Asfegoot (Advokat). E mol har es aach wierer z.e oarg getriewe, do seegt der Bürjemaster zum Poarr: „Alleweil sein ich's müd, ich loh mer niet meh ob- wehr, heä muß emol gebraant wer!" On richdig, der Amtmann Müllhause ließ ’n ocht Doog setz.

Etz grod, bie e em Kascho stockt, wur der Poarr wierer oarg krank, on der Bürjemaster kriggt aach 'en rächte Kandaar — heä woar erscht scho ewenk vill dempsch on mußt aach e Dooger ocht (ein Tager acht) em Bett leig. Etz (jetzt) Mondig Oweds, bies deemert, kom der Nikelos von seiner Lusträäs von Schlüchder on haar aach richdig wierer sein Well (Welle, Rausch) mitgebrocht. Bie e Hürt, die zween sein krank on leise em Bett, stellt e sich für sein Dühr on prerigt bis öm zwellef Auer als aan Sprüchelje, bie's so die Säufer mache, äwer richdig hochdeutsch: „Sehet Ihr, was habt Ihr mit mir gewollt? Ihr habet m i ch lassen setze n, aber Euch h a t der Herr gelegt !" Die ganz Nochberschast Hot sich drü geärgert, äwer der Poarr hor em Bett müßt lach on saat nocht zum Bürjemaster: „Wir wann en laß laff, es is niest mir ’m onzefange, on wonn denk, es gilt Leut, bu noch vill schlimmer sein bie der; von Henne röm hor e noch kam (keinem) Mensche äbbes Böses ge- dohn, on bann e aach kreischt on schimbt, heä schmeißt doch sein Fraa niet bie muncher (mancher), bu nüchdern hankömmt!" (heimkommt).

F. Walther.

feldbrief eines feldgrauen Sauern an seinen Pfarrer,

1. Okt. 1915. Geehrter Herr Pfarrer!

nun ist schon eine ganze Reihe von Wochen verstrichen, seit ich Ihnen zum letztenmal ge­schrieben habe. Und nun endlich komme ich wieder dazu. Verzeihen Sie mir, bitte, wenn ich nachlässig gewesen bin. Ich habe oft an Sie, lieber Herr Pfarrer, gedacht, aber ich kam nicht zum Schreiben. Zuerst besam man keine Zeit frei, als wir in ständigem Vormarsch waren und den Feind immer weiter durch seine Sandwüsten, Tannenwälder und Sümpfe verfolgten. Da rückte man des Morgens früh aus, um des Abends spät in irgend einem zer­schossenen Gehöft oder abgebrannten Dorf oder gar im Wald zur Ruhe Überzugehen. (Und welche Ruhe?) Zuweilen kam es auch vor, daß wir noch Bewohner vorfanden, wo es ihnen geglückt war, den Kosaken zu entgehen, welche alles Lebende mit sich forttrieben. Aber die standen dann meistens an den noch rauchenden Trümmern ihres kleinen Besitz­tumes ober hatten sich im Wald mit Hilfe von Achten ein Asyl ausgeschlagen. Nur selten fand man noch ein Haus, welches anzuzünden die Mordbrenner keine Zeit mehr gehabt hatten, weil ihnen die deut­schen Patrouillen zu dicht auf waren.

Und nun später, als wir am 1. September aus der Front zurückgezogen wurden und den Rückmarsch antraten, da wars mit dem Schreiben vorläufig gänzlich vorbei. Wenn man auch mal eine Karte geschrieben hatte, so hatte man alle Mühe, eine Ge­legenheit zum Ab geben zu finden. Wir marschierten nun an Brest-Litowsk, über Ianoff, Konstantinow, Nowo-Minsk immer der großen Straße nach, nach Warschau, wo wir am 9. September ankamen. Hier hatten wir 2 Tage Zeit. Da hätte man schreiben können, aber da kam die Postsperre, und so war es wieder vorbei. Vielleicht läßt es sich ja jetzt wieder

gut machen. Ich will es versuchen, so weit ich es vermag.

Mit Stolz und Staunen zugleich, aber auch mit dankbarem Herzen zu Gott dem Allmächtigen blicken wir zurück auf die letzten fünf Monate, die uns so viel Schweres und Großes brachten und er­leben ließen, und zugleich auch das größte Elend, das man sich denken kann, vor Augen führten. Denn das größte Elend von ganz Europa, man möchte sagen von der ganzen Welt, hat seinen Wohnsitz in den weiten Gefilden des großen russischen Reiches und wird gegenwärtig noch vergrößert durch die rohe und gewissenlose russische Kriegsführung. Alles das Erlebte wörtlich wiederzugeben, dazu ist leider der Raum hier zu klein. Aber wir sind immer noch dieselben wie zu Anfang und wer­den es auch bleiben bis zum End e. Hoffent­lich bis zum siegreichen Ende!

Wozu uns Gott der Allmächtige weiterhin bei­stehen möge.

Mit den herzlichsten Grüßen

ganz ergebend M. S.

weihnachts-Rriegsbrot.

Die Menschwerdung Christi ist das Wunder aller Wun­der, da das Göttliche unmittelbar mit dem Menschlichen sich berührt. Leop. v. Ranke.

Es dürstet alle Welt nach Frieden,

Die Schuld hat unser Herz entzweit.

Wer kann das Schwert zur Sichel schmieden?

Und wer verbrennt das blut'ge Kleid?

O komm zu uns, du heil'ger Christ,

Der du der Fürst des Friedens bist. Rud. Kögel.