Einzelbild herunterladen
 
  

Nr. 12 ^^^^r^^^^s^r^ft^ß^ Unsere Heimat ^^^t^^^i^^ß^ß^t^ Seite 275

Einen t^erZlichen weihnnchtsgruß allen ffeimatfeinen l

inen Weihnachtsgruß will ich Luch senden. Es ist zwar erst Mitte November. Aber die Herstellung unseres Heimatblattes erfordert Zeit, und unser lieber Schriftführer ist ein pünlt- licher Mann, dem es am Herzen liegt, Euch recht­zeitig zu versorgen.

Mir haben schon im vorigen Jahre ein Kriegs- weihnachten gefeiert ohne Glanz und Lust. Und in diesem Jahre wird's wohl noch stiller werden, ernster, bescheidener. Die Familien sind ja inzwischen noch zahlreicher geworden, die in Sorgen und Sehn­sucht sich verzehren und auch die, die des Todes Hand gestreift hat. So wird ein dunkler Glatten auch in diesem Jahre auf dem Fest der Freude lie­gen. Aber auch viel Gelegenheit wird sich bieten zu helfen, zu trösten, zu erfreuen und mit zu leiden. Und ein gut Teil unsrer Weihnachtsgedanken und unsrer Weihnachtsliebe wird wieder hinauswandern zu Euch-; und die Gedanken werden zu heißem Dan­ken werden. Denn weil Ihr so treu und tapfer auf der Wacht steht, können wir wie im Frieden Weih­nachten feiern.

Wie wird's bei Euch sein? Weihnachten ist bei uns Deutschen das Fest der Heimat und des Heim­wehs. Das war schon den alten Germanen ihr Jul- fest. Da sammelte sich die Sippe unter dem Dach des Stammhauses. Dieser Heimatszug zur Weihnachts­zeit ist seitdem im deutschen Blut geblieben. Das habe idf im vorigen Jahr bei den verwundeten Kcie- gern in unserem Ramholzer Lazarett recht merken können. Die Hatten's wirklich gut. Sie fühlten sich auch äußerst wohl. Aber als die Weihnachtstage nahten, da wurden die Reisefähigen so unruhig, wie die Schwalben im Spätsommer, namentlich die sonst so gemütlichen und lustigen Sachsen. Alle hofften auf Heimaturlaub. Und wie ließen die so betrübt den Hops hängen, denen der beantragte Urlaub aus irgend einem Grunde nicht bewilligt werden konnte. Man sah, wie all' die Liebe, die ihnen hier so reich­lich entgegengebracht wurde, die Heimat nicht er­setzen konnte.

Und nun erst Ihr, die Ihr Weihnachten feiern müßt in fremdem Lande, unter fremdem Himmel, und viele von Euch so zum zweiten Mal! Doch ich will Euch nicht das Herz schwer machen. Entbehren - das ist nun einmal des Kriegers Los. Das eiserne Muß der Pflicht, das Bewußtsein für Haus und Hof, für den Frieden, für eine bessere Zeit zu kämpfen, verkläre Euch ein wenig das trübe Weihnachtsfest im Feindesland. Feiern werdet Ihr Ihr müßtet ja keine Deutschen sein - wenn auch in dürftigster Weise. Und habt Ihr keinen Christbaum und keine Kerzen - die alten Weihnachtslieder und die hei­matlichen Gaben und Grüße werden Euch am Heilig­abend ein Stückchen Heimat in die Seele zaubern.

„Soweit der Heimat schlägt ein Herz, Ist deutsche Weihnacht alierwärts".

So war es wenigstens im vorigen Jahre. Weih­nachten im Schützengraben, im Unterstand, im Not­quartier, im Viehstall wie weiland in der heiligen Nacht, aber immer doch Weihnachten — so erzähl- ten's die Briefe und Karten, die Ihr aus dem Felde schriebet. Und so wird's wohl in diesem Jahre wieder sein. Wir wagen es nicht mehr zu hoffen,

daß die Weihnachtsglocken mit ihrem „Friede auf Erden" den Völterfrieden einläuten werden. Die Stunde scheint noch in der Ferne zu liegen, wo Gott auf die Frage, die täglich und nächtlich aus taufend und abertausend europäischen Christenherzen aus- steigt: „Hüter ist die Nacht schier hin?" uns die Ant­wort geben kann: „Es ist genug".

Lehnt euch nicht kriegsmüde auf gegen dieses „Friede auf Erden", als wäre jeder Krieg und zu­mal dieser furchtbare Weltkrieg eine gebrochene Eottesverheißung. Der Weihnachtssriede ist etwas Innerliches, etwas, was wir Haben können mitten in allem Unfrieden der Zeit, und bas man hat, wenn man den wirklich hat, den wir unseren Heiland und Erlöser nennen. Wir brauchen in diesem Kriegs- dunkel dieses Weihnachtslicht, und Ihr, die Ihr mitten drin steht in den Schrecknissen des Kriegs, braucht es erst recht. Etwas, was Trost und Mut gibt in den Stunden, wo das Verzagen nahe liegt, Tapferkeit nicht nur im feindlichen Feuer, auch in all' den Versuchungen und Verführungen, die das Kriegerleben so mannigfach mit sich bringt, und denen viele erliegen. Ihr braucht's und Ihr habt's, wenn nicht nur ein wehsüßes Heimgedenken in diesen Tagen Euch durch die Seele zieht, fonbern der in Eueren Herzen lebendig wird, von dem Ihr gelernt habt, daß er ein Kraftheld ist.

Ich las dieser Tage eine kleine Weihnachts- geschichte aus dem Felde, so sinnig und so tief, von einem Dichterauge geschaut, daß ich sie Euch mit­teilen möchte. — ..... Sie hatten sich eine Block­hütte gebaut, fast wetterdicht, einen Herd, der gut wärmte, und nun hielten sie sich alle die Hände, die Krieger am Heiligabend. Einer, der's der Mutter einst von den Fingern abgesehen, kochte Tee; sie tranken ihn aus ihren Näpfen. Und manch einer rückte an's Feuer, las seinen Weihnachtsbrief und las.....

Eine Tanne war auch dabei. Ein Landwehr­mann hatte sie unter Feindes Feuer geholt, eine Rauhreif-geschmückte Tanne. Aber das Geschmeide des Winters zerrann in be: Wärme, und Tropfen an Tropfen hing sich an die Nadeln, blitzte im Feuer und fiel. „Tränen" sagte einer, der's sah. Und sie wurden noch stiller.

Der Landwehrmann ging vor die Tür. Vielleicht war ein Sternlein zu sehen, daran man seine Ge­danken hängen konnte und seine Grüße Aber es hatte zu schneien begonnen, leise, leis .... Da kam das Christkind auf die Hütte zugeschritten. Wie Christophorus beugte sich der Landwehrmann herab: „Herr! wir sind's nicht wert! Unsere Hände kleben von Blut! Wohl haben wir redlich gefochten, aber die Völker " Sprach Jesus: „Zu den Völkern darf ich noch nicht kommen. So laß mich zu den Menschen!" Und er trat ein. — —

Einen solchen Heiligabend am warmem Herd und im Tannenduft, aber auch ein solch Eintreten Jesu in Euere Mitte, wo Ihr auch fein möget, und in Euere Herzen

wünscht Euch Euer

Namholz. E. Freund.