Seite 266 ^^^^^L^^^L2s^^r^> Unsere Heimat ^^^^^^^^c^r^^^ Nr. II
feilt sein könne. Und darum sei dem deutschen Volke das Eiserne Kreuz eine heilige Mahnung in dunkler, eiserner Zeit.
Wie wir zu dieser Auszeichnung tapferer Krieger mit Bewunderung und ehrfürchtiger Scheu emporblicken, so tun wir ein Gleiches einem andern Kreuz gegenüber, besonders in dieser Kriegszeit. Auch seinen Trägern bringen wir tiefste Dankbarkeit entgegen. Es ist das Rote Kreuz.
Im Oktober des Jahres 1863 wurde, hauptsächlich au] Anregung des edlen Schweizerischen Menschenfreundes Heinrich Dumont, in Genf eine Konferenz zusammenberufen, deren Teilnehmer den Beschluß, faßten, auf die Bildung von Vereinen hinzuwirken, die sich mit der Pflege verwundeter und erkrankter Krieger befassen sollten. Auf dieser „Genfer Konferenz" wurde damit die „Genfer Konvention" begründet, ein internationaler Vertrag, der den Schutz und die Unverletzlichkeit Verwundeter und ihrer Pfleger für alle Zeiten festlegte. Als Kennzeichen für diese Unverletzlichkeit vereinbarte man ein rotes Kreuz in weißem Felde. Es wird als Armbinde getragen, aber auch als Fahne geführt.
Auch feine Farben darf man zu deuten versuchen. Lauter und rein sind die Beweggründe, die zur Bildung der Vereine vom Roten Kreuz führten. Ihre Mitglieder stellen sich selbstlos in den Dienst der Liebe. Deren edelste Blüte ist die Nächstenliebe, die in ihrer vollendetsten Gestalt am Kreuze starb. Weiß die Farbe der Unschuld und Reinheit, Rot die Farbe der Liebe, deren höchste Versinnbildung das Kreuz, darum Rotes Kreuz auf weißem Grund.
In welcher Weise die Feinde Deutschlands dieses heilige Zeichen mißachten, ja, es in nichtswürdigster, allem Völkerrecht Hohn sprechender Weise für ihre kriegerischen Zwecke sich nutzbar machen, das wird mit glühendem Stift in die erzenen Tafeln der Geschichte 'dieses Weltkrieges eingetragen werden.
Wie aber die deutschen Träger und Trägerinnen des Roten Kreuzes unter Anspannung aller körperlichen und seelischen Kräfte sich in den Dienst der verwundeten Helden stellen, das ist allbekannt.
Sogar im feindlichen Feuer erfüllen sie ihre schwere
Pflicht, ohne Rücksicht aufs eigne Leben, eingedenk des Zeichens, das sie tragen. Und da fei auch der Sanitätshunde gedacht in Dankbarkeit, jener treuen Helfer auf dem Schlachtfeld, die schon so viele retteten, die ohne ihre Hilfe dem qualvollsten Tode verfallen gewesen wären. Auch diese unermüdlichen und zuverlässigen Kriegshelfer tragen das verehr- ungswürdige Abzeichen des Roten Kreuzes.
Fern auf Flanderns verwüsteten Fluren steht ein Christuskreuz. Schlachtgetümmel hat es heiß umtobt. Von Geschossen ist das Holzkreuz zerschmettert, so daß auch nicht e t n Teil seines Balkenwerks unversehrt geblieben ist. Nur die Christusgestalt selbst ist unverletzt. Frei, wie schwebend, steht der Heiland auf dem Sockel, mit ausgebreiteten Armen, gleichsam, als rede er sie beschwörend, Einhalt gebietend, über das Morden des Schlachtfeldes. Ein schauerlicher und doch zugleich ein ergreifender Anblick! - Auch in zerschossenen Kirchen in Feindesland hat sich das fast Wunderbare ereignet, daß das Christusbild darin unberührt geblieben ist. Wer vom endlichen Sieg der Liebe über Haß, Rachsucht und Niedertracht überzeugt ist, der ist geneigt, auch diesen „Wundern" eine Bedeutung beizulegen.
Tief religiöse Menschen leiden aufs schwerste unter dem Widerspruch zwischen dem jetzigen Weltgeschehen und dem Christentum. Aber Christus, der Friede- fürst, hat dennoch auch gesagt: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf Erden. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert". Und wer da weiß, oaß kein Sperling vom 'Dache fällt ohne den Willen des Vaters im Himmel, der wird auch nicht daran zweifeln, daß das unnennbare Leid, das jetzt die Welt in Trauertücher hüllt, nicht ohne einen höheren Willen über die Erde schreitet. Ueber allem blutroten Geschehen, über allem Erausenvollen und Schmerzbringenden thront das schlichte Holzkreuz von Golgatha. Von ihm aus ging einst der Siegeszug der weltüberwindenden Liebe. Und diesen Siegeszug wird nichts aufzuhalten, das Licht, das vom Christuskreuz ausstrahlt, wird nichts auszulöschen vermögen in Zeit und Ewigkeit.
Der alte Schlüchterner friedhof
gegend erstreckte, sein häusliches Glück völlig zerschlagen worden. Die Räuber, Spanier und Kroa-
ist ein Kirchhof. Die Alten liebten es, das, was von ihren Lieben sterblich war, im Schatten der Gotteshäuser einzubetten und schmückten die Stätte der Todesherrschaft mit dem Namen „Gottesacker", darin ihren Glauben an die Wahrheit des Apostel- worls von der Saat, die einst unverweslich wieder aufblühen werde, bekennend. Den Namen „Gottesacker" führte bei uns früher im besonderen das Grundstück, auf dem heute das zweite Pfarrhaus steht. Doch befand sich darauf meines Wissens nur ein Grab, das zwei umschloß, den Hintersteinauer Pfarrer Eberhard Geyder und seinen Bruder, den Schlüchterner Stadtschultheißen Valentin Geyder, die im Jahre 1636 „auf dem Hospitalsacker für dem Oberthor" ihre Ruhestätte gefunden hatten. Ersterem war am 14. September 1634 gelegentlich! einer furchtbaren Plünderung, die sich über die ganze Um
ten, hatten seine Tochter als Beute mitgenommen, wodurch! der Pfarrer seelisch so hart getroffen wurde, daß er 'sich, den Tod herbeisehnend, zu seinem Bruder flüchtete. Zu einem Eemeindefriedhos aber ist jener Platz nie geworden, obschon er wohl dafür bestimmt war. Auf dem ältesten Friedhof Schlüchterns, dem Klosterkirchhof, spielt unsere Schuljugend. Kein Kreuz, kein Gedenkstein steht mehr an seinem Platz, vergessen, zerfallen... Ueber die Gräber schreitet eine ganz andere Welt. Oder ist sie am Ende gar nicht so sehr „anders"? — Auf dem Wege des Verfalls ist auch schon der Friedhof um die Kirche. Sobald die Liebe nicht mehr gedenkt, kommt das Vergessen. Da helfen schließlich auch keine Stiftungen zum Pflegen der Gräber mehr, wenn der Rost das