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Nr. 11 ß^ß^ß^ß^ßsßsß^ß^^ß^ß^ Unsere Heimat ß^ß^ß^ß^ß^ßSß^^ß^r^ß^ Seite 265

und Butternol kann überhaupt nicht die Rede sein, sondern nur von Fettknappheit, seitdem die Behörden allerorts sich dieser Frage annehmen und Höchstpreise für den Groß- und Kleinhandel festzusetzen beginnen. Seit einigen Tagen sind die Metzger unsres Kreises wieder in der angenehmen Lage, größere Fleischvorräte einzukaufen und oie- selben ihren Kunden zu etwas herabgesetzten Preisen abzugeben. Daß sich die Gastfreundlichkeit der Be­wohner unsres Kreises gegenüber den in der Heimat einkehrenden Urlaubern in ganz besonders reichem Maße zeigt, und daß denselben überall ein warmer freudiger Empfang bereitet wird, ist ja selbstver­ständlich. Doch darf über militärische Vorgänge in der Heimat wie Urlauberbesuche oder Einquartierun­

gen ohne Genehmigung des Generalkommandos nichts erzählt werden, und die lieben Leser draußen müssen sich mit dem diesmal Berichteten begnügen, bis sie bei einer etwaigen Heimkehr sich selbst über­zeugen und die Erfahrung bei sich selbst bestätigt finden, daß derjenige die Heimat recht zu lieben und zu schätzen weiß, der längere Zeit in der Fremde gewesen ist.

Scheidet uns auch Berg und Hügel Laß es sein, was liegt daran?

Heimatliebe hat ja Flügel, Die kein Mensch entreißen kann."

Pfarrer Seyd

Elm

Drei Kreuze,

Von Helene B re h m.

oldener Sonnenschein und wohltuende Stille liegen auf deutschem Wald, ein Friede, so tief, daß man auf Augenblicke vergessen kann, daß draußen der Weltkampf tobt. Da klingts von fern her wie Musik und Gesang. Wem ist's jetzt so wohlig ums Herz, daß er singen mag? Die erst nur zerslatternden Töne kommen näher und fügen sich aneinander zu der in dieser Zeit so häufig gehörten Weise:

/,Die Vöglein im Walde, Die singen all' so wunder-wunderschön.

In der Heimat, in der Heimat,

Da gibt's ein Wiedersehn".

Und da treten die Singenden aus den schüttenden Bäumen auf den von Sonnenlicht überfluteten Waldpfad. Ein Trupp Feldgrauer ist's, der da im Marschschritt und geschlossen ankommt. Einige meistern die Mundharmonika, andre blasen aus Baumblättern, verschiedene singen, undwer das Lied nicht weiter kann, der sängt es an zu pfeifen". Wie große, vergnügte Jungen marschieren sie daher, mit fröhlichen Gesichtern. Und doch sind barunter solche, die den Arm in der Binde tragen, und solche, dre sich dem flotten Schritt der Kameraden nicht ein- fügen können, weil sie mühsam am Stocke nachhum­peln müssen. Aber auch sie haben frohe Mienen.

Diese Männer und Jünglinge sind augenblicklich! Insassen eines Lazaretts. Sie haben den Sonnen­tag zu einem Ausflug in den Wald benutzt, um dessen Schönheit und Stille auf sich wirken zu lassen. Mit welchen Gefühlen mögen sie ihn durchwandern, wenn sie gedenken des nervenzerreißenden Getöses der Schlachten, gedenken der Gefahren, von denen sie in Feindesland umgeben waren, darunter sie benn sie alle sind krank oder verwundet - gelitten haben und noch leiden!

Hub nicht wenige sind unter der Schar, die tragen das schwarz-weiße Ehrenbändchen im Knopfloch oder das Eiserne Kreuz selbst. Helden sind alle unsre Krieger, seien sie es leidend oder kämpfend, die die Grenzen des Vaterlandes schützen. Das wissen dre Daheimgebliebenen, auch wenn nicht jeder der Feld­grauen mit dem Kreuz geschmückt heimkehrt. Die Ehrentafel" deutscher Zeitschriften gibt davon Kunde. Die Anfangsworte des Nibelungenliedes

dürfen auf Deutschlands Kämpfer Anwendung finden:

Uns ist in alten maeren wunders viel gefeit Von Helden lobebaeren, von grozer kuonheit, Von froüden Hochgeziten, von weinen und von klagen,

Von küener recken striten muget ir nu wunder "hoeren sagen".

Mit Verehrung und heißer Dankbarkeit blickt der Deutsche zu seinen Feldgrauen auf, und mit Bewun­derung mxtji obendrein zu den Trägern des Eisernen Kreuzes.

Eisern ist es, wie die Zeit vor hundert Jahren, in der es von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen an jenem denkwürdigen 10. März 1813, dem Geburtstag seiner -Gemahlin, der Königin Luise, in Breslau gestiftet wurde. In seiner Schlichtheit und in seinem geringen stofflichen Wert sollte es ein Sinnbild sein jener schweren, dunklen Zeit, in der äußerer Besitz wertlos erschien, den jeder gern dem Vaterland zum Opfer brächte, um es befreien zu helfen von fremdherrlicher Bedrückung.

Erneut wurde der Orden vom Eisernen Kreuz für militärische Verdienste von König Wilhelm I. von Preußen am Tage der Kriegserklärung Frankreichs, am 19. Juli 1870, welcher Tag zugleich der Sterbe­tag feiner Mutter, der Königin Luise, ist. Und nun wurde die Verleihung des Eisernen Kreuzes für tapferes Verhalten vor dem Feind abermals ver­fügt durch Kaiser Wilhelm II. beim Ausbruch des Weltkrieges 1914.

Eiserner denn je ist die Zeit, in der das deutsche Volk jetzt steht, in der es um sein Dasein kämpft, nicht nur die im Felde Ringenden, sondern auch die in der Heimat Schaffenden, Hütenden, Bewahren­den. Wieder ist auch für jene wie diese in der Gegen­wart das Eisenkreuz ein Sinnbild. Eisern, unbeug­sam, widerstandsfähig sei das deutsche Volk in seinem Kampfe, in seiner Opferbereitschaft und in seinem Willen zum Siege. Wohl trägt das Kreuz die Farbe der Trauer, die trotz aller Freude am Erfolg die deutschen Herzen überschattet. Aber das Schwarz des Kreuzes ist and} umrandet von einem leuchten­den Streifen, gleichsam, als wolle es sagen, daß da, wo sich! Schatten breiten, auch das Licht nicht fehle, daß auch schwerstem Leid ein Freudenschimmer zuge-