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Nr. 10 ß^ß^ß^ßßß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ Unsere Heimat ß^ß^ß^ß<2ßi>ß2ß^ß2ß^ß^ß^ß^ Seite 255

erstaunt, was deutsche Hände und deutscher Sinn für Ordnung und Behaglichkeit aus einem verlump­ten Polenhause gemacht hatten.

Da dachte ich an all die vielen andern Bilder, die,i$i gesehen hatte und die zeigten, wie unsere Feldgrauen da draußen in Feindesland sich ein Pkätz- lein behaglich machen.

Oft sind sie geradezu Künstler im Bau der Woh­nungen an der Front und dahinter. Wie traulich ist oft solch ein Unterstand, wie freundlich solch ein selbstgezimmertes Häusel im Walde. Und ein Stück Schönheit ist auch drinnen und um das Häuschen herum. Etwas Heimatliches ist da. „Beinahe wie zu Hause, beinahe wie bei Muttern". Und wie be­scheiden ist doch alles, was unsere Tapfern dort um­gibt. In den Soldatenhäuschen leben deutscher Sinn, Kameradschaft, ein goldener Humor, ist ein Hauch von Frieden mitten im Kriegsgetöse, und da webt die Sehnsucht helle, zarte Träume, und darinnen klingt ein Ton wie von einer fernen, sil­bernen Glocke: Heimat! So Traum um Traum und immerwährendes Gedenken, wenn die Pflicht einmal ein Stündlein Ruhe gibt. Da sehen sie denn wie wirklich die Stube daheim mit Weib und Kin­dern oder das Stüblein, drin Vater und Mutter oder des Herzens Liebste wohnen. Und merkwür­dig: alle Gegenstände sind so deutlich und haben einen neuen Wert. An Gegenstände daheim denken sie, an denen sie früher fast achtlos vorübergingen. Es liegt wie Sonntäglichkeit nun über ihnen. Sie meinen, den trauten, altgewohnten Schlag der Uhr zu hören. Sie trinken den Klang in ihre Seele. Früher war er etwas Alltägliches, Selbstverständ­liches, und heute? Das ist Heimat, ist altes, liebes Glück!

O du mein deutsches Haus, Gott segne dich! Wie oft wird dieser Wunsch wie ein Gebet aus einem Kriegerherzen sich ringen.

Das deutsche Haus! Das deutsche Heim! Sei's Elternhaus oder eigner Herd!

Wir alle haben gelernt, es neu anzuschauen und

neuen, tiefern Wert hineinzulegen. Ihr da draußen und wir daheim. Ihr Beschirmer unserer heiligen Heimat, die Ferne, die gefahrvolle, not- und tod- erfüllte Ferne, das fremde Land mit seinen oft menschenunwürdigen Zuständen haben eine neue, tiefere Liebe zum deutschen Heim und Herd in euch erweckt! Und wir, wenn wir an Euch in Sturm und Kamps dachten, an Euch, unsere Tapferen, Opfer­freudigen, dann glühte unser Herz im Dank, daß Ihr die Heiligkeit des deutschen Hauses schütztet vor Feindeswut und -haß; dann war unser Herz ein heißer Wunsch, daß ihr heimkehren mögt, wieder mit uns das friedegesegnete Glück des deutschen Hauses zu genießen. Dann war wohl Vorsatz um Vorsatz in uns, nach, der gottgewollten Siegerheimkehr Euch ein wahrhaft glückliches, schlicht-schönes, wahrhaft deutsches Heim zu geben. Sonne sollte in ihm sein, Schönheit, Friede, ach ja, Friede, Behaglichkeit, reine, edle Freude mehr denn früher. Und Ihr da draußen, Ihr hattet die gleichen Vorsätze! Ihr habt es uns selbst so oft geschrieben.

Der Krieg ist Tat, große, den ganzen Menschen erfüllende Tat! Aber auch der Frieden soll Tat sein in andrer, stillerer Art.

Der Krieg zeigt uns, daß nichts ein Vorsatz blei­ben darf. Alles muß zur Tat reifen, Tat werden. Laßt auch Die edlen, schönen Vorsätze für das deut­sche Heim und Haus Tat werden!

Mit vielem können wir jetzt schon beginnen. Vom deutschen Hause, seinem Frieden, seiner schlichten Schönheit, seinem Geiste strömt wir wissen's mehr denn je ein Segen ohnegleichen aus.

Auch das armseligste, doch friede- und glück- atmende Haus ist ein Quell, daraus stiller Segen strömt. In der Zukunft des deutschen Hauses, seiner glückvollen Innerlichkeit und seiner äußeren echten Deutschheit liegt ein großer Teil der Zukunft des ganzen herrlichen Vaterlandes. Laßt uns an unserm Glücke bauen!

Reinhold Braun.

wie ich meinen

Wie ich meinen Braunen verlor?

Ihr solltet lieber danach nicht fragen!

Da fteigt’s mir gleich heiß in der Kehle empor, Denn ohne Tränen kann ich's nicht sagen! —

In Rußland war's bei den gräßlichen Sümpfen, Nur Dreck und Wasser, der Schnee im Tauen. Ich hauste in einem Stall mit Fünfen. — Da kam der Befehl zum Brückenbauen.

Im Nu bespannten wir unsere Wagen.

Nicht ferne ein Hof; dort wollten wir Bohlen Und feste Balken zum Brückenschlägen, Und sonst noch alles, was brauchbar, holen. —

Im Kriege spricht man nicht viel vom Sterben! Doch unsere Fahrt ging hier ums Leben. Ein Schritt vom Wege führt' ins Verderben, Ein einziger, kleiner Schritt daneben!

Wir kehrten zurück nach wenigen Stunden;

Die Wagen hatten wir hoch beladen.

Die armen Gäule wurden geschunden Auf diesen elenden, grundlosen Pfaden.

Braunen verlor,

Da mußte den Braunen der Teufel reiten! Er wollte sich nicht mehr vom Platze bewegen. Ich nehme die Peitsche! Da kommt er ins Gleiten, Der Wagen will sich zur Seite legen.

Ich wie der BM^vom Gefährt herunter Und schirre den Schimmel von seinen Strängen. Den Braunen zieht aber der Sumpf hinunter, Von oben beginnt der Wagen zu drängen.

Habt ihr ein Pferd einmal schreien hören? Mein Brauner schrie, ich sag' euch, er schrie! Wir glaubten, daß wir den Verstand verlören! Und würd' ich steinalt, das vergesse ich nie!

Wir taten alles, das Tier zu retten.

Wie seine Augen mich flehend suchten! Doch hielten's die Stränge und Wagenketten.

Ich habe gebetet, die anderen fluchten. —

Ich nahm das Gewehr in die zitternden Hände. „Mein Brauner" rief ich; noch spitzt' er die Ohren. Dann machte die Kugel dem Jammer ein Ende. — Nun wißt ihr, wie ich meinen Braunen verloren!

fAus: „Welt der Frau" 1915)

Helene Brehm.