Seite 254 r^^^^^^^^^^^ß^ Unsere Lseimat ^c^c^^^c^^^^c^i^c^ Nr. 10
Kupfer-, Bley- und Eysen-Vergwerke, Gruben, Schmeltzen, Hütten, Hämmer, Mühlen, Ströhme, Flüsse, Bäche und dergleichen; auch was bey ein- und anderem Ort merck- und denkwürdiges zu sehen pp." enthält und auch unsere Heimat berücksichtigt, z. B. steht in dem Abschnitte, der sich über die Erzeugnisse der Wetterau verbreitet, S. 6 folgende bemerkenswerte Auslassung:
„ . . . Auch sind die vor Menschen und Vieh so fürtrefflich nutzbahre Carton ffelen nicht zu vergessen. Dieses, von dem gütigen Gott mit sonder- bahrem Segen begabte Erd-Gewächse ist nicht nur nutzbahrer als das Korn und andere Früchte in Ansehung des Pflantzens, da auf einem Morgen guten Acker-Feldes durch ordentliche Pflegung und guter Witterung wohl 40 bist 60 Malter können einge- erndet werden; Sondern es dienen solche dem gemeinen Manne sonderheitlichen zur Speiste; Und gleichwie von dem in der Wüste gefallenen Manna gesagt wird, daß es die Kinder Israel nach dem Geschmack, der ihnen beliebet, zubereiten können; auf gleiche Weihe auch unsere Land-Leute die Cartouf- feln sich> zu bedienen und allerhand schmackhaffte Speisten daraus zu bereiten wissen. Eine kleine Probe dem günstigen Leser hiervon zu geben, dienet zur Nachricht, daß solche auf nachstehende mir nur bekannte Weihe genossen worden: Als bloß in Wasser abgesotten und nach abgezogener Schelfe oder Haut, warm oder kalt, mit oder ohne Saltz gegessen, oder in allerhand Gattungen Fleisch-, Wurst- oder anderen Brühen sauer oder süsse zube- reitet, oder in süsser Milch gekocht, auch verschiedener- ley Gattung Brey davon bereitet, etliche braten sie auf Kohlen oder in der gluenden Asche, andere in Fett, auch machen sie verschiedenlich gesottenes oder gebratenes davon, als Klösse pp., Pfannen- Kuchen und dergleichen, sie richten auch einen apetit- lichen Salat davon zu, ja sie dienen In und An dem Vogelsberge wohnenden statt der Castanien, ihre um Martini eben auch! damit gemästete Gänse zu füllen. Sie werden geschehlet, in Scheiblein geschnitten, aufgedörret und zum Küchen-Gebrauch aufbe- Halten. Es wissen auch die betrieglichen Bauern solche geschickt unter die Käh-Matten zu mischen, schöne unb ziemlich schmackhafte Kühe daraus zu machen, solche hernachmahlen dem Stadt-Mann als ächte Waare zu verkauffen, müssen aber jedoch sich auch gefallen lassen, dah solche ihnen bey Entdeckung des Betrugs als unächte Waare weggenommen werden, wie sich solches zum öfftern sonderheitlich in Hanau zu Tage geleget hat. — E s werden a u ch s o I ch e
theils gedörret und zu Mehl gemahlen, oder abgesotten, geschehlet, zerquetsch et und unter das Korn-Mehl geknet - tst, daraus ein schönes und schmackhaff- tes Brod gebacken wird, nicht weniger wird davon die schönste Stärcke und das feinste Pondre gemacht. Nicht zu gedenken des gar grossen Nutzens, so sie bey dem Rind-, Schweinen- und auch so gar Feder-Vieh, so wohl zur Mästung, als auch ordentlicher Fütterung darreichen. Man hat Exempel, dah gantze Haußhaltungen sich bloß damit ohne einiges Brod das gantze Jahr durch das Leben wohl erhalten und gesund dabei befunden haben."
Man sieht hieraus, daß unsere Vorfahren die Kartoffel, obwohl sich diese bei ihnen noch gar nicht lange eingebürgert hatte *), bereits sehr zu schätzen wußten; ja, man muh sich über die mannigfaltige Verwendung wundern, die sie ihr zu geben verstanden. Selbst zur Brotbereitung wurde sie benutzt, gerade wie in unseren Tagen, und das Jdjiöne und schmackhafte Brod", das der „Geographus" rühmt und das man mit ihrer Hülfe herstellte, ist nichts anderes gewesen als unser heutiges K-Brot. Mithin ist dieses gar keine neue Erfindung einer übelwollenden Behörde, wie manche anfangs meinten und darüber unmutig wurden. sondern wie in unserer Heimat, wie jeder Eingeborene weiß, etwas altes und allgemein Gebräuchliches.
Danken wir darum Gott, dah er uns in der Kartoffel ein Mittel in die Hand gegeben hat, unsere Vorräte an Brotgetreide zu strecken und zu verlängern und den Aushungerungsplänen unserer Feinde jetzt und hoffentlich für immerdar ein Schnippchen zu schlagen, und schenken wir ferner auch jedem „Erdapfel" oder jeder „Erundbirne", wie ja der gute deutsche, aber leider nicht mehr für „vornehm" gehaltene und darum fast auher Gebrauch gekommene Name unserer (Erbfru^t heißt 2), die Beachtung und die Ehre, die ihr als einem unserer treuesten Verbündeten in diesem Krieg gebührt!
E. Maldfeld, R.
‘) In Frankfurt a. M. wurde sie z. B. 1588 noch als botanische Seltenheit angepflanzt. 1648 zog man sie in Bieberau (Hessen-Darmstadt) in Gärten. 1716 wurde sie bei Bamberg, Bayreuth und in Baden auf Aeckern angebaut; aber erst der siebenjährige Krieg verschaffte ihr weitere Verbreitung, sonst wäre die Not, die er im Gefolge hatte, noch viel größer gewesen. —
0 Der Name „Kartoffel" ist nicht deutsch. Er hat sich aus „Tartuffel" herausgebildet, wie diese Erdfrucht noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts hieß. Dieses „Tartuffel" aber ist der italienische Name „Tartufoli", mit dem die Italiener die Kartoffeln ihrer Aehnlichkeit mit den Trüffeln wegen belegt hatten.
Das deutsche Heim und ^aud,
ei unserm Beobachtungsposten liegt eine alte verlumpte polnische Bauernwirtschaft," so erzählt mir im Laufe unserer Eisenbahnfahrt ein wackerer Kriegsurlauber. „Na, ich kann Ihnen sagen, war das ein Schmutz. Wie die Tiere Hausen die Leute! Da sind wir dann Herzugekom- men und haben erst mal gründlich reingemacht. Wetter ja, war das ein Stück Arbeit! Aber unser Major, für den wir alle durchs Feuer gehen, sollte doch eine ordentliche Stube haben. Wir haben den
Fußboden, der ganz gewöhnlicher Sand war, gedielt, die Wände gekalkt, die Fenster dürftig geflickt und die Stube so gemütlich hergerichtet, wie’s eben im Kriege sein kann. Und gefreut hat sich unser Major. „Beinahe wie bei Muttern", sagte er. Das war unser bestes Lob. Den andern Teil des Hauses haben wir dann auch ausgeflickt und für uns instand gebracht. Hier, bitte sehen Sie, sind die Photographien von unserm polnischen Schlößchen!"
Ich schaute die Bildchen an und war nicht wenig