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Seite 252 ^i^g^g^g^g^w^g^g^g^g^ Unsere Heimat ^^^^^c^^g^^^^g^ Nr. 10

die frohe Antwort: „Das vierte!" Von den Kar­toffeln braucht man eigentlich gar nichts zu er­zählen. Unser Bildchen, auf oem unser im ganzen Hessenlande bekannter Schuldiener Rausch! ein durch­aus nicht seltenes Eremplar dem staunrnd-neidischen Europa zur gefälligen Ansicht entgegenhält, sagt genug. Und doch — das heurige Kartoffelaus­machen müßte von Euch draußen gesehen werden. Welche Ersparnis an Arbeitskraft durch das sonnige Wetter und den trockenen Boden, wenn der Erd­segen so groß und blank sich vor dem Karst auf die Oberfläche hebt „wie Kohl!" sagt die eine „wie die Eier!" die andere. Daß es da noch solche wunderlichen Menschen geben sollte, die nun dar­über klagen, sie hätten zu wenig „kleine" zum Sie­den und für die Schweine, mag ich nicht glauben. Dem „Brebeler" wird zu leicht was nachgeredet.

Und der O b st s e g e n ! Ich kann die vollen Obst­bäume nicht anschauen ohne Freude, aber auch nicht ohne Bedauern, daß Ihr draußen, die Ihr sie ge­pflanzt und gepflegt habt, das eigne Prachtobst nicht sehen, pflücken und einbringen dürft. Unmengen der herrlichsten Aepfel lagern in Kellern und Kam­mern, durchduften alle Räume und warten auf Ausfuhr. Selbst die Weintrauben an den Häuser- wänden nicken uns lachend zu, und einige zum Froh- mut gestimmte Seelen haben sie sagen hören: „Wie wär's mit einem Fäßchen selbstgekelterten Schlüch- terner Gewächs, das Ihr trinken und Euch schmecken lassen dürft im Zeichen der Erntefreude und des Erntedankes?!"

Nun färbt sich das Laub und der Herbstwald auf den Höhen der Heimat entfaltet noch einmal sein Herbstkleid in seiner wunderbaren Pracht, ehe er's zu Boden legt. Schon fällt leise Blatt um Blatt in Hof und Garten. Das große Sterben und Vergehen steht uns in jeder Stunde vor Augen. Und unsere Gedanken und Gefühle erfassen das große Sterben der Männer und Jünglinge um die höchsten Güter, erfassen den ungeheuren Schmerz, der hin­ter dem Zuge des Todes hergeht und jedem unter uns daheim drohend in die Augen blickt. Und doch schon eh' die ersten gelben Blätter lautlos zu Boden flatterten, waren Menschmsinn und Menschen­kraft am Schaffen und Bauen für das Neue, das Kommende. Wie im schönsten Frieden zog die Pflugschar ihre Linien durch das lockere Hoffnungs- land, und schon steht die grüne Wintersaat dicht geschlossen, verheißungsvoll: „Gottes Segen und Hülfe ist bei den Deutschen! Es kommt ein neues Leben, ein Auferstehen! Kein Leben, das verloren schien, geht zu gründe."

Bei all dem Schaffen, das so still und selbstver­ständlich verlief, als wäre gar nichts Besonderes dabei, war Do4 ein Neues zu fühlen. Anordnenb und übersehend meist die Hausfrau; ihr zur Seite emsig helfend, die Kinder bis zum kleinen Knirps herunter. Für achtjährige Jungen wurde „Urlaub" geholt nicht nur von solchen, die keinen Schub­karren voll Gras holen können, ohne daß die Kin­der dabei stehen und die Schule deswegen versäumen müssen -- sondern weil das kleine Kerlchen wirk- Mch nötig, aber auch anstellig und fleißig ist und, wie ein Großvater sagte, ihm so viel wert sei als ein schwacher oder unzuverlässiger „Mannskerle". Wir hoffen, daß diese Kinderhilfe viel zu bedeuten hat. Nicht nur ,daß diese Jungen und Mädchen

zeitig in die Arbeit hineinwachsen und sie lieb­gewinnen, sondern vornehmlich das, daß sie nach 50 Jahren noch als Großeltern dem jungen Nach­wuchs ernst und eindringlich erzählen können, wie sie an der Erhaltung des elterlichen Erbteils und des bedrohten Vaterlandes haben helfen dürfen mit ihren kleinen Händen und wie sich ihr kindlicher Sinn hat richten können auf die ernstesten und schwer­sten Aufgaben der schwergeprüften Daheimgeblie- benen zur Rettung des bedrohten Vaterlandes von zahllosen erbitterten Feinden. Damit und mit vielem anderen, was unser junges Geschlecht jetzt erlebt, duldend und handelnd, kann es ein starkes und ernst- gestimmtes Heer von Erziehern werden, die das Werk der Erziehung zu den höchsten Aufgaben nicht ausschließlich, wie so häufig bisher, den von Staat und Kirche berufenen und verantwortlichen Erziehern überlassen, sondern sie zurückverlegen ins Elternhaus, das die ersteundberufenste Quelle der Gesundheit und Kraft un­seres Volkes ist. Des mögen sich auch die Väter im Felde, die nur durch kurze Briefe mit ihren Kindern in Verbindung stehen in ihren Sorgen um deren innere Gesundheit getrosten, daß die For­derungen der schweren Zeit an unsere Jugend manches väterliche Wort ersetzen können!

Die Arbeiten und Sorgen der Daheimgebliebenen haben sich nicht nur auf die Tagesförderungen ge­richtet; sie haben auch die höchsten Aufgaben, die uns gestellt worden sind, erfaßt und gelöst. Die Heimat hat bei der Hergabe der Ersparnisse zur Verteidigung des Vaterlandes Großes geleistet.

Es wurden gezeichnet

bei der Kreissparkasse

1. Anleihe von 87 Zeichnern 117 100 M.

2. „ „ 170 „ 327 200 „

3. „ „ 334 „ 550 300 „ 994 600 M.

bei der städtischen Sparkasse

1. Anleihe von 28 Zeichnern 53 000 M.

2. „ „ 103 „ 230 000 „

3. „ „ 215 „ 354 000 „ 637 000 M.

bei der Landeskreditkasse

1. Anleihe von 42 Zeichnern 56 400 M.

2. „ „ 68 „ 101000 „

3. „ „ 135 „ 180 200 „ 337 600 M.

bei dem Bankhause A. Sichel

1. Anleihe von 29 Zeichnern 70 000 M.

2. „ „ 65 „ 120 000 „

3. „ „ 84 „ 250 000 „ 440 000 M. bei der Kreiskasse

1. Anleihe von 5 Zeichnern 9 200 M.

2. „ „ 2 „ 14 000 „

3. „ „ 2 1 200 „ 24 400 M.

Summa 2 433 600 M.

Die Bevölkerung unserer engeren Heimat hat be­griffen, um was es geht, und die Männer, die Zeit und Kraft geopfert haben, um zu belehren und an- zuspornen, verdienen Herzensdank. Es befanden sich dank dieser Aufklärung unter großen und größeren Summen viele Scherflein kleiner Sparer, die, aus heißem Drang gespendet, Großes wirken müssen. Daß wie überall in deutschen Landen auch in un­serem gar nicht so wohlhabenden Kreise so viel Geld vorhanden ist, hat seine besonderen Gründe. Nicht nur Fleiß und Sparsamkeit haben das zuwege gebracht; auch der Umstand, daß wir infolge Der Umklammerung unserer Küsten durch! unseren Feind