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Nr. 9 ^^^^^^^p^s^s^^c^ Unsere Heimat ^^^^r^^^^^c^^t^ Seite 247

Die Ankunft des Kurfürsten beschäftigt und beunruhigt Deinen Vater sehr. Alles wird von Seiten der Untertanen aufgeboten, den neuen Landesvater für sich zu gewinnen. Die Regierung hat Deinen Vater beauftragt, auf der Grenze am Ende des langen Berges, eine Ehrenpforte bauen zu lassen und den Landesherrn daselbst mit der Geistlichkeit des ganzen Amtes und dem Pfarrer Pauli aus Elm, den sämtlichen Schulthei­ßen, Vorstehern, Schullehrern und Schulkindern, mit Musik und Bürgerschaft zu empfangen, und eine passende Anrede zu halten, vor welcher Deinem Vater als Sohn eines Pfarrers am wenigsten bange ist, wenns nur sonst keine Feh­ler giebt. Zwanzig weißgekleidete Mädchen, die schönsten, welche zu finden, streuen Blumen, und Minna Schlemmer überreicht ein Körbchen mit Blumen, welches ich gefertigt und mit des Stickerei von Madame Thielmanns Geburtstagsgeschenk schön verziert habe. Die Ehrenpforte ist wohl geraten, kostet aber auch über 100 Gulden. Ich habe die Besorgung eines Frühstücks für Se. Kgl. Hoheit übernommen. Zu seinem Empfang im Schloß werden noch Maien vom Pumpen bis an die Schloßbrücke gepflanzt und mit Festons be­hängen. Zur Annahme des Frühstücks hat Se. Exzellenz, Oberforstmeister v. Lützow, Hoffnung gemacht. Ob er den Kurfürsten begleitet, weiß ich nicht. Wenn alles vorbei ist, sollst Du mehr erfahren.

Ueber Deine Briefe habe ich mich gefreut, lieber Louis, mehr aber noch über die Zufrieden­heit des Onkels mit Dir. Ich tann. Dir nicht sagen, wie wohl es mir tut, wenn ich was Gutes von Dir höre. Wenn Du so fortsährst, wird Dirs zumeist gut gehen in der Welt."

Wie der Empfang des neuen Landesvaters aus­gefallen, kann ich leider nicht verraten; vielleicht weiß ein anderer davon zu berichten. Das Frühstück wird feine Abnehmer schon gefunden haben, falls es nicht nachher zeitig abbestellt wurde, was noch heute zu bedauern wäre.

DasRitterchesspielen", wozu der Schloßhof zu Steinau die Jugend des Städtchens einlud, konnte nun freilich in Völkershausen nicht fortgesetzt werden,

Jn treuer Pflichterfüllung fielen

aus Schwarzen fels:

7. Johannes R ö l l, 6. Dragonerreg. gestorben am 14. August im Feldlazarett Pugatschow-bei Lublin an Lungenent­zündung. (Rittmeister von Schleinitz schrieb der trauern­den Mutter von Brest-Litowsk:Bis zum letzten Augen­blick hat er stets feine Pflicht zu aller Zufriedenheit getan. Wir betrauern mit Ihnen einen wahrhaft tüchtigen Menschen".)

aus Oberzell:

8. Ersatzreservist Merx, starb am 27. 7. 15. bei Wopslawize infolge Bauchschuß.

9. Landsturmmann Ruppert, am 26. 7. 15. (11 tihr vorm.) durch Kopfschuß bei Woyslawize.

aus Reinhards:

3. Landsturmmann Heinrich Börner, geb. 23. Dkt. 1885, am 10. August 1915 beim Angriff auf die russische Stellung bei Wytyka-Wolka. Ruht mit 8 Kameraden in einem gemeinsamen Grab im nahen Wäldchen.

aus Vollmerz:

4. Füsilier Kaspar Kirchner, am 12. August im Gefecht bei Plevg in Rußland.

aber der kleine Steinauer fühlte sich doch bald zu Hause. Er schreibt in seiner Selbstbiographie über seinen Einzug:

Wir halten die letzten sechs Stunden (b. h. wohl vom Johannisberg an) zu Fuß zurückgelegt, und ich war sehr ermüdet, aber doch begierig, die mir vom Vater mit den lebhaftesten Farben ausgemal- ten Haus und Garten zu sehen, als daß ich mich hätte entschließen können, unterwegs bei nahen Ver­wandten zu übernachten. Es mutete mich heimatlich an, als ich beim Austritt aus dem Wald auf der Höhe des Berges es ist der Sattel zwischen Oechsen- und Dietrichsberg bei Vacha zum ersten Mal wenn auch nur ein Fenster des Pfarrhauses und hinter ihm im Garten den Birnbaum sah, von dem ich aus den Erzählungen des Vaters so oft zu­gehört hatte."

Ja, lieber Leser vonUnsrer Heimat", solche gott- geschenkte Heimatblicke vererben sich von Geschlecht zu Geschlecht. Vor sechs Jahren habe ich diesen Blick meine drei ältesten Jungen tun lassen, als ich mit ihnen eine hessische Fußtour in die alte Heimat der Familie machte. Auch wir schauten damals oben von derKratzehube" in das alte, von der Abend­sonne beschienene Dorf hinein. Und damit die Stimme von oben nicht fehlte, erklang gerade die Abendglocke.

Ich will diesen Teil der Steinauer Raritäten mit dem kurzen Brief des Steinauer Großvaters an seinen Pfarrer und Bruder vom 17. Mai 1821 schließen:

Runmohr, lieber Bruder, wird sich Louis wohl entschlossen haben, bei Dir zu bleiben, da die 14 Tage herum sind, auf die er kapituliert hatte, und er sich mit Dir und seiner Tante Ulrike nunmehr bekannt gemacht hat. Mir tut es sehr leid, und ist gewiß das sicherste Mittel, welches Du gewählt hast, um mich bald nach Völkershausen zu bringen. Ich kann mir seit Deiner Abreise recht lebhaft Haus und Garten mit allen Umgebungen wieder vorstellen, so viel auch verändert sein mag. Ich freue mich darauf, wie Louis das Kammerfenster von der Kratzehube wiederzusehen."

ferner für das Vaterland;

aus Ramholz:

starb der Privatfekretär der Frau Baronin v. Stumm, Oberleutnant W. Seyd, in Bad Nauheim an einer Herz­erkrankung, die er sich im Felde zugezogen.

aus Steinau:

. der Kriegsfreiwillige Wilhelm Traudt, Unteroffizier und Offiziers-Aspirant. Er war bei dem Reg. 88 eingetreten, kämpfte zuerst im Westen und wurde durch einen Granat­splitter verwundet. Nach seiner Genesung nahm er an einem Offizierskursus teil und kam dann mit einem an­dern Reg. nach dem Osten. Am 7. August wurde er in Polen durch einen Beckenschuß schwer verwundet und starb schon am 8. August im Feldlazarett 7. Er ruht in Cholm.

. der Landsturmmann Peter Rüffer, am 1. August infolge schwerer Erkrankung im Feldlazarett 1 in Bursztyn (Galt ien). Er wurde mit militärischen Ehren auf dem Friedhof neben dem Kloster in Bursztin beerdigt.

aus Elm:

5. Füsilier Johannes Seelig am 31. Juli vor Warschau, aus Neuengronau:

5. Johannes Maienschein, am Denta-Fluß bei Zyle in Rußland am 15. Juli 1915 (Bauchschuß).