Seite 238 ^^^^t^^^e^^^^ Unsere Heimat ^^t^M^^^c^c^^^ Nr. 9
pilen lieben feldgrauen in femdesland Ijer^L freimatgruf!
^^^enn die diesjährige Septembernummer J L / unsres lieben Heimatboten Euch brauten
im Felde begrüßt, liegt der Sedanstag, der große Volksfeiertag der Deutschen, bereits hinter uns. Ihr habt ihn früher in der Heimat alle schon mitgefeiert. In diesem Jahre trug er ein besonders feierliches und ernstes Gepräge. Den ersten September feierten alle Heimatgemeinden Diesmal mit einem Dankgottesdienst zu Ehren des treuen Gottes, der unsrem Volk vor 45 Jahren so sichtbar in Kampf und Not geholfen hat. In Gebet und Fürbitte hat man auch Eurer gedacht und Gottes Segen für Euch und Eure Waffentaten erfleht. Fast möchte es scheinen, als ob die Bedeutung von Sedan verblaßte vor der Wucht der Ereignisse, die in diesem furchtbarsten und schwersten Kriege auf unser Gemüt einwirken. Und doch dürfen wir nicht vergessen, daß die Vergangenheit mit der Gegenwart unzertrennlich verbunden ist und uns Vergleiche mit der Jetztzeit nahe legt.
Wenn auch dieser Krieg noch nicht beendet ist, so haben wir doch alle Ursache, dem Herrn auch diesmal für eine Reihe herrlicher Siege zu danken. Wie rasch folgte Siegeskunde auf Siegeskunde aus dem Osten ähnlich wie im August des vorigen Jahres aus dem Westen ! Warschau, Jwangorod, Lomsha, Kowno, Nowo-Eeorgiewsk, Brest-Litowsk! Herrliche Marksteine in der Geschichte deutscher Waffenerfolge! Bis hierher hat der Herr geholfen. Ihm sei die Ehre!
Ihr da draußen, die Ihr so Großes erlebt und ein so großes Stück Welt seht, - welche Gedanken bewegen Euer Herz, wenn Ihr an das friedliche Kriegsspiel denkt, das der September vor 2 Jahren unsrem Kreis Schlüchtern brächte? Die gebirgige Lage des Kreises Schlüchtern bringt es mit sich, daß man hier selten ein Manöver größeren Stils erlebt. Deshalb war die allgemeine Teilnahme groß, als sich das letzte friedliche Kriegsspiel in unsrer Heimat abspielte. Wer könnte es vergessen, wie 1913 die Kanonen auf den Höhen zwischen Ulmbach und Wall- roth aufblitzten! Wie malerisch leuchteten die Biwack- feuer in der romantischen Schlucht zwischen Eund- Helm und Veitsteinbach! Am letzten verregneten Manövermittwoch bedauerte man allgemein, daß die Truppen so durchnäßt ihre Quartiere bezogen, ohne zu ahnen, daß dieselben im darauffolgenden Jahre mit noch schlimmeren Unbilden der Witterung vom feuchten Land am Pserkanal bis zu den schneereichen Karpathen würden zu kämpfen haben. Damals fiel uns die Menge der Maschinengewehre auf. Wie bald sollten sie ihre vernichtende Wirkung betätigen! Kamen die Marschkolonnen mit wuchtigem, immer gleichem Schritt und Tritt die Landstraße entlang gezogen, dachte vielleicht mancher mit Bangen: „Wie wärs, wenn der Kampf jetzt im Ernst entbrennte oder der Feind durch unsere friedliche Heimat marschierte!" Und im nächsten Jahr schon sollte das Kinzigtal bei der Mobilmachung noch gewaltigere deutsche Truppenmassen sehen, damals, als der Eisenbahnverkehr, ein Muster deutscher Pünktlichkeit und Ordnung, so glatt vonstatten ging und der jetzt vereinsamte Elmer Bahnhof noch einmal treu seine Schuldigkeit tat! Das geplante Kaisermanöver hat
sich draußen aus feindlichem Boden abgespielt, und die Einkreisungspolitik der feindlichen Mächte, deren Vertreter wir oft bei unsren deutschen Manövern im Vaterland sahen, ist zu Schanden geworden. Die Septembermanöver im gastlichen Deutschland hatten für die Ausländer besonderen Reiz. „Sie kommen, daß sie schauen, und meinen es doch nicht von Herzen, sondern suchen etwas, daß sie lästern mögen, gehen hin und tragen es aus." So steht im 41. Psalm. Wenn es uns auch ferne liegt, einzelne Psalmworte als Weissagung auf die Gegenwart zu deuten oder gar bei den „Heiligen in Israel" an unser Volk zu denken, so kann doch niemand jene Worte lesen, ohne Vergleiche mit der Gegenwart zu ziehen. „Auch mein Freund, dem ich mich vertraute, der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen" erinnert uns an den Judas Jscharioth Italien. Die Feinde haben bei unsren Manövern manches gelernt. Wir denken an das letzte Septembermanöver als eine Zeit des Friedens gern zurück. Um etwas daraus zu lernen, dürfen wir aber autch nicht vergessen, daß es Die Zeit gewesen ist, wo man an allen Ecken und Enden „das Puppchen" pfeifen hörte, daß es kaum noch anzu- hören war. Der gewaltige Kriegssturm, der sich erhob, hat den Geist der Verflachung gründlich hinweggeblasen. Die furchtbar ernste Frage „Sein oder Nichtsein" hat unsrem Volk vielfach zum Bewußtsein gebracht, daß das Leben kein Puppenspiel, sondern blutiger Ernst ist. Unsre Soldaten, geschult durch eiserne Disziplin, sind zwar gehorsam den Befehlen ihrer Führer wie Puppen am Draht, aber es sind lebendige, denkende Persönlichkeiten. Führer wie Unterführer und Mannschaften wissen sich geistig verbunden und arbeiten Hand in Hand. Der russische Soldat, der weder lesen noch schreiben kann, der nicht weiß, wofür er kämpft und oft mit der Knute in den Kampf getrieben wird, bietet dagegen ein klägliches Bild. „In Deutschland ist jeder Mann ein Soldat und jeder Soldat ein Mann."
Ihr lieben deutschen Kämpfer draußen! Ihr wißt, wofür Ihr kämpft. Die meisten von Euch sind einmal wieder auf Urlaub in der Heimat gewesen. Vielen kam das Heimatländchen- oder Dörfchen eng und klein vor, nachdem sie ein großes Stück Welt gesehen hatten. Aber wie lieb habt Jhrs von neuem gewonnen! Eure Heimat liegt friedlich im Golde der Septembersonne, während draußen der Kampf tobt. Ihr schützt sie mit Euren Waffen. Diesmal ists ein ernstes Manöver. Aber über Euch wohnt der treue Gott, der heute noch im Regimente sitzt und alles wohl führt.
O Heimat! „Wie könnte ich dein vergessen im fremden Lande!" Im Glauben an den treuen Gott bleibt Ihr mit der Heimat verbunden auch in weiter Ferne. „Dort ist derselbe Himmel und dieselben Sterne — derselbe Gott wird dort auch mit Euch sein." Darum haltet aus und streitet mutig weiter in dem Bewußtsein, für welch' hohe Güter Ihr Euer Leben einsetzt. Wer ausharrt bis ans Ende dem winkt die Siegespalme. „Fortgerungen, durchgedrungen bis zum Kleinod hin!"
Elm. Pfarrer Seyb.