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Nr. 8 ^^^t^^^^^^^^^ unsere kseimat ^^^^^^^ß^^t^ß^i^ Seite 233

Ein seltsamer Besuch.

(Eine wahre Geschichte.)

s war an einem Augustabend des Jahres 1900. Die Sonne war bereits hinter dem Bergrücken der Steinfirst verschwunden, nach­dem sie ihre Strahlen tagsüber in verschwenderischer Fülle und spürbar auf die Erde herabgesandt halte, und eine wohltuende Kühle verbreitete sich nunmehr durch das Tal der Sinn. Wie allabendlich in Der schönen Jahreszeit sahen wir nach dem Abendessen noch in unserem Garten unter der Linde in traulichem Geplauder zusammen, als plötzlich unsere Unterhal­tung durch auffallendes Rufen und Laufen auf der Strahe unterbrochen wurde. Wir standen auf, um nach der Veranlassung des Lärmes zu sehen und ge­wahrten nun zu unserem nicht geringen Erstaunen, wie ein Trupp berittener Soldaten die Dorfstrahe Heraufkam, gefolgt von der lieben Dorfjugend, die sich im Nu versammelt hatte.Soldaten" in unserem abgelegenen Gebirgsdörschen das war allerdings ein Ereignis auhergewöhnlicher Art; das sah man nicht alle Tage hierzuland, noch dazu so ganz unerwartet! Wuhten wir doch auch, oah nirgends in der ganzen weiten Umgebung Manöver oder dergleichen stattfand. Wie kommen also diese Soldaten hierher? Während wir noch darüber nach- sannen und uns die Köpfe zerbrachen, was das wohl zu bedeuten habe, kamen die seltenen Gäste näher auf uns zu, und bald erkannten wir auch, dah einige derselben die Uniform unsrer blauen Husaren trugen, die Mehrzahl jedoch in einer uns gänzlich fremden Uniform steckte, ja eigentlich ein ganz fremdartiges Aussehen hatte. Und wir täuschten uns nicht; denn als wir noch voller Verwunderung die seltsamen Gestalten betrachteten, kam eine derselben auf uns zugeritten, redete mich auf französisch an und er­kundigte sich nach einem Gasthaus (Hotel), in wel­chem sie eventuell übernachten könnten. Ich muh gestehen, dah mir bei dem Französisch-Parlieren nicht so ganz wohl zu Mute war, denn seit meiner Schulzeit waren viele Jahre hingegangen und war manches vergessen worden, und darum wollte die Unterhaltung mangels der erforderlichen copia ver- borum nicht so recht in den Fluh kommen, sondern geriet manchesmal ins Stocken. Ich war daher sehr froh, als einer der blauen Husaren hinzukam, dem ich alsdann bald die gewünschte Auskunft geben konnte. Einer Bitte der Herrn entsprechend, besuchte ich sie hernach nochmals einige Zeit in der Gastwirt­schaft, um ihnen noch mancherlei Aufschluh zu geben, und erfuhr bei dieser Gelegenheit denn auch Näheres über Herkunft der seltsamen Ankömmlinge, sowie Zweck und Ziel ihrer Reise. - Es war eine italieni­sche Abordnung, bestehend aus einem Offizier (seinen Namen habe ich leider vergessen), zwei oder drei Unteroffizieren und einigen Soldaten, und hatte

den Auftrag, ein eigenhändiges Schreiben des Königs Humbert persönlich an Kaiser Wilhelm zu über­bringen, welcher sich zu jener Zeit gerade in Wil­helmshöhe befand. Warum nun dieses Schreiben gerade auf solche gewih etwas kostspielige Weise übermittelt werden sollte, darüber habe ich nichts erfahren.

Was aber der ganzen Sendung besonderen Wert und Bedeutung verleiht, ist der Umstand, dah das fragliche Schreiben sicherlich mit zu den allerletzten gehört, welche König Humbert versäht hat. Denn einige Tage, nachdem er es dem genannten Führer der Abordnung überreicht hatte, starb er, von Mörderhand getroffen. Ich erinnere mich noch genau, wie mir der italienische Offizier mit Tränen im Auge berichtete, sie hätten gerade die Schweizer Grenze überschritten, als sie die Kunde vom Tode ihres geliebten Herrschers erhielten.

Die Truppe war von Florenz aus durch ganz Oberitalien geritten bis zur Schweizer Grenze; von dort ab hatte sie die Eisenbahn benutzt bis nach Bayern; war alsdann wieder, unter Begleitung einer bayerischen Eskorde, bis nach Iossa - zur preuhi- schen Grenze geritten und hier von einer Abordnung des HusarenregimentesKönig Humbert" in Em­pfang genommen worden. So trabten nun die deut­schen und italienischen Reiter friedlich abends gegen 9 Uhr in unser Dorf herein und übernachteten in oer Eünther'schen Gastwirtschaft hierselbst. Früh am nächsten Morgen ritten sie weiter, über Weichers- bach, Oberzell, Fulda bis Hünfeld, wo sie die fol­gende Nacht verblieben. Einige Tage später las ich auch in einer Casseler Zeitung, dah eine Abordnung König Humberts von Italien von S. Majestät Kaiser Wilhelm im Schlosse zu Wilhelmshöhe emp­fangen worden sei; sie hatte also ihren Auftrag wohl zur Zufriedenheit erledigt. Ueber die Rückreise der Herrn nach Italien habe ich nichts weiter ge­hört, sie geschah vermutlich mit der Eisenbahn.

Wir Mottgerser aber hatten auf diese Weise die seltene Gelegenheit gehabt, einmal richtige italienische Soldaten hier zu sehen und eine Nacht bei uns zu beherbergen ein Ereignis, das sicher nicht viele Dörfer in Deutschland in ihrer Chronik aufzuweisen haben.

ObItaliener" heutigen Tages bei uns auch wieder so freundliche und gastliche Aufnahme finden würden, ist mir allerdings fraglich; inzwischen hat sich eben mancherlei geändert durch Italiens Treulosig­keit. Und Gott gebe, dah sowohl deutsche, als be­sonders auch österreichisch-ungarische Orte in diesem Jahre vor dem Besuch italienischer Soldaten be­wahrt bleiben!

Mottgers. Ehringhaus, Pfarrer.

Stolz nennet Deutschland heute viele Namen Bon deutschen Männern aus vergangner Zeit, Die mutig Großes wirkten, streuten Samen, Der Früchte trägt in alle Ewigkeit.

Stolz spricht ein deutscher Mann von ihren Werken, Doch stolzer rühmt die Heimat ihren Sohn,

rruttenlieb.

Und freudig läßt sie allerorten merken, Wird' ihm Erfolg und seiner Arbeit Lohn.

Kind unsrer Heimat, Hütten, laß dich grüßen, Der du gekämpft für Freiheit, Wahrheit, Recht. Wie bitter mußtest du dein Ringen büßen, Du Sproß aus altem heimischen Geschlecht!