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(Seite 220 £^£^£s^c^£^£\2£^£^c^£^Cs^£\s2 Unsere fjetaat ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß2gpß^>ßi>ßi>ßi> Nr. 8 flUen lieben feldgrauen im Osten und Westen herzlichen freimatgruf!

war in der letzten Juliwoche vergangenen Jahres. Dumpf dröhnte damals der eiserne Schritt der Weltgeschichte durch die Lande. Immer drohender zog sich das schwere Gewölk über Europa zusammen. Wie ein Alpdruck lag es auf allen Gemütern: was werden die nächsten Stunden uns bringen? Unvergeßlich werden jene Tage allen, die sie erlebt, zeitlebens in der Erinnerung bleiben. Unvergeßlich vor allem auch jener Sonntag, der 2. August, an welchem die Glocken so besonders ernst zu den Gottesdiensten riefen, und wie der Ruf damals von so manchem gehört und befolgt wurde, der es sonst nicht für der Mühe wert gehalten, daraus zu achten. — Die Kirchen waren viel zu klein, um die Menge aufzunehmen, die es mit unwider­stehlicher Gewalt dorthin zog. Welch' ein Ernst lag über der zahlreich versammelten Gemeinde in jener Stunde! Welch' eine Bewegung ging ourch die Reihen, als aus allem: Orgelspiel, Gemeinoe- gesang, Gebet und Wortverkündigung dieser Ernst herauszuvernehmen war! Ich sehe sie heute noch vor mir, diese entschlossenen Gesichter so mancher jungen, lebensfrohen Burschen, so manches reifen Familienvaters, die sich der Bedeutung dieser Stunde wohl bewußt waren, als sie zum Altar traten, um vor ihrem Ausmarsch noch einmal das heilige Abend­mahl in der Heimatkirche zu empfangen; für manchen war es das letzlemal! Dann gabs ein großes und schweres Abschiednehmen in vielen, sehr vielen Häu­sern. Noch am selbigen Nachmittage mußten einige fort; andere folgten während der nächsten Tage nach, und an den Bahnhöfen flossen die Tränen reichlich in jener Zeit. „Bis Weihnachten sind wir wieder daheim" — damit suchte man sich gegenseitig zu trösten. Und die Zurückbleibenden? Zu rechter Arbeit hatte niemand große Neigung, trotzdem es wahrlich nicht daran fehlte und die reifen Halme auf den Feldern schier brechen wollten. Aber über Langeweile konnte sich keiner beklagen, dafür sorgten schon die vielen abenteuerlichen Gerüchte über die zahlreichen Spione, welche angeblich überall im Lande umher reisten und Unheil anstellen wollten; oder über die mit Gold gefüllten Autos, die aus Frankreich nach Rußland sollten und denen man nun auflauerte; oder über die Meldungen von feindlichen Fliegern, die unser Land auszukundschaften und die Eisenbahnen zu zerstören vorhatten. Wehe den Un­glücklichen, die damals, als die Wogen der Erregung so hoch schlugen, in die Hände der empörten Volks­menge gerieten! Zum Glück verirrte sich keiner hier­her, er hätte sicher nichts zu lachen gehabt; es war eben nur blinder Lärm.

Ein ganzes Jahr ist nunmehr seit jenen auf- regungsvollen und unvergessenen Tagen dahin- gegangen. Wer hätte damals geahnt, daß der Krieg so lange dauern würde, ja daß wir heute, nach Jahresfrist, über das mutmaßliche Ende desselben kaum mehr wüßten als an jenen Tagen! Zu unsrer großen Freude sind ja inzwischen allerdings viele - vielleicht sogar die meisten derer, die damals hinaus­gezogen waren, einmal daheim gewesen, konnten sich von dem Wohlbefinden der Ihrigen überzeugen und Freunden und Bekannten die Hand drücken. Manch'

einen Familienvater, der mit glattem Gesicht hin­ausgezogen war, nun aber mit langem Bart zurück- kehrte, wollten die Kleinen wohl anfangs gar nicht wieder erkennen, so groß war die Veränderung. Aber herzlich gefreut hat es uns, wahrzunehmen, wie alle so gut aussahenünd auf diese Weise besser, als es mit Worten geschehen könnte, zu erfahren, daß Ihr draußen keinen Mangel zu leiden hattet, und das war für viele ängstliche Mütter und Frauen eine große Beruhigung. Andererseits konntet auch Ihr Euch davon überzeugen, daß wir trotz der Aushunge- rungspolitik unserer Feinde noch nicht am Ver­hungern sind wenn auch! die „Brotkarten" nicht gerade jedermanns Wohlgefallen erzeugt haben und manch' einer seinen Fleischbedarf etwas einschränken muß, weil die Preise hierfür unangenehm hoch ge­worden sind. Aber das hat au^ wieder sein Gutes, sonst würden manche Leute im lieben Vaterlande von der schweren Kriegszeit kaum etwas merken. - Ferner: wie häufig ist bod} geseufzt und geklagt worden: was soll's nur in diesem Jahr mit bet Heuernte werden? Wer soll mähen und rechen, wenn fast keine Mannsleut 'mehr daheim sind? Nun, das Heu ist audj, gemacht und noch dazu so gut und schön heimgebracht worden, wie nur in irgend einem Jahr; denn der liebe Herrgott hat selber geholfen und hat ein „Heuwetter" gegeben so prachtvoll, wie es schöner und besser nicht auszudenken gewesen. Dadurch ist mancher mit seiner Klage und Sorge verstumml und beschämt worden. Dann kam der ersehnte Regen und brächte „Setzwetter" und wenn es demnächst Zeit ist, das Grumt zu mähen, so haben wir oas Zutrauen zu dem lieben Gott: Er wird uns auch dann nicht vergessen, sondern helfen, so daß weder Ihr draußen, noch wir daheim uns darüber zu sorgen brauchen. — Und noch etwas: Unsere liebe Schul­jugend, die ohnehin in diesem Sommer wenig Schule und viel freie Zeit hat, ist während der letzten Wochen mehr im Wald als zu Hause gewesen und hat große Mengen Heidelbeeren die heuer beson­ders reichlich trugen nach Hause gebracht, in die­sem Jahre für viele Familien eine besonders will­kommene und billige Kost. Dabei hatten sich! oie Kinder hiesigen Kirchspiels verabredet - um auch etwas „für das Vaterland zu tun" - einmal Heidel­beeren für die verwundeten Krieger zu suchen, und lieferten eine stattliche Menge dieser geschätzten Früchte an das Kreiskrankenhaus in Schlüchtern ab!

Daß es bei dem Beerensuchen wie auch beim Vieh­hüten nicht ohne Gesang abgeht, ist ganz natürlich. Und so kann man in dieser Zeit täglich aus vielen Kehlen und in mancherlei Tonarten immer wieoer das mit Recht so beliebte Lieo singen hören: „O Deutschland, hoch in Ehren". Wenn dann die meist mit großer Begeisterung gesungenen Worte kom­men: „haltet aus, haltet aus!", denn sage ich mir immer: „Das ist's, was in unsrer Zeit nottut; aus­halten" ja darauf kommt es jetzt an. Was Ihr alles draußen auszuhalten und durchzumachen habt an Strapazen, Entbehrungen, Gefahren; welch außerordentlich große Anforderungen an Euch ge­stellt werden, wir haben es genugsam gelesen und gehört und können Euch nicht genug danken für den