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Seite 216 r^^^^^m^^^^t^ß^ Unsere Heimat r^^^^^^^^m^c^z^ Nr. 7

thr lieben freunde und Kameraden!

Unsere Hoffnung, Euch bald in der Heimat be­grüßen zu können, wie wir so gerne getan hätten, ist nun durch den Verrat unseres seit­herigen Verbündeten Italien leider wieder zunichte geworden. „Ein Treubruch, dessen gleichen die Ge­schichte nicht kennt, ist vom Königreich Italien an seinen beiden Verbündeten begangen worden. Nach einem Bündnis von mehr als dreißigjähriger Dauer, während dessen es seinen territorialen Besitz mehren und sich zu ungeahnter Blüte entfalten konnte, hat uns Italien in der Stunde der Gefahr verlassen und ist mit fliegenden Fahnen in das Lager unserer Feinde übergegangen." „Sollten wir vielleicht doch den a nderen Völkern irgendwie Veranlassung zum Hasse gegeben haben?" So fragte mich beim Ausbruch des italienischen Kriegskaumels ein Be­kannter. Wie oft schon ist auch mir angesichts der Feindschaft der ganzen Welt dieser Gedanke gekom­men; ich finde aber keine andere Antwort als: Man fürchtet unser Emporblühen, beneidet unsere Tüch­tigkeit und leidet unter unserer Ueberlegenheit auf allen Gebieten. Und da sie uns im ehrlichen Wett- kampse unterliegen, versuchen sie mit jedem erlaub­ten und unerlaubten Mittel, uns zu vernichten.

Aber gibt es denn keinen Gott im Himmel, der solches Tun hindert? Mir ist gesagt worden, daß manche von Euch beim Anblick der schrecklichen Opfer, die auf den Schlachtfeldern lagen, geäußert hätten: „Wenn es einen Gott gäbe, könne er ein solches Gemetzel, diese Greuel nicht zulassen." Zu ver­stehen ist es wohl, daß solche Gedanken wach wer­den, und doch „lebt ein Gott, zu strafen und zu rächen!" Auch eine jede Schuld rächt sich auf Erden. Vor einiger Zeit sah ich in den Münchener „Fliegen­den Blättern" ein Bild, das den Teufel darstellte, wie er beim Anblick dieser Kriegsgreuel ausrief: „Da muß ich doch den Herrgott um Verlängerung der Ewigkeit bitten, sonst reicht sie zur Bestrafung der Anstifter dieses Krieges nicht aus." Wenn Gottes Absichten an uns und unseren Feinden er­füllt sein werden, dann wird er ein Ende des Krie­ges machen. Warum aber die vielen und schweren Opfer unseres Volkes, das doch den Krieg nicht ge­wollt hat, sondern dazu gezwungen wurde? Trotz aller Tüchtigkeit, trotz allem Guten, das im deut­schen Volke steckt, litt es doch auch an mancherlei Untugenden. Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Eine strenge Erziehung unseres Volkes durch den Krieg tat darum not. Wieviel religiöse und politische Zerrissenheit herrschte bei uns, wie­viel Feindschaft, Neid, Mißgunst auf der einen und Ueberhebung und Hochmut auf der anderen Seite: trotz allem Wohlstände und Wohlergehen so große Unzufriedenheit! Sollen alle diese Schäden dauernd beseitigt werden, so bedarf es eben einer gründlichen „'Operation" unseres Gottes an unserm Volkskör­per. Möge sie von bleibendem Erfolge sein! Des­halb wollen wir nicht murren, nicht klagen, sondern weiter den Weg der Pflicht gehen in der festen Zu­versicht: „Gott, der uns ihm hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt."

Mit der Hitze des herannahenden Sommers wird ja' nun auch durch Italiens unerhörte Schandtat der Kampf für Euch heißer werden. Ja, wir möchten fast zweifeln, ob es Euch gelingen wird, dieser Ueber-

macht stand zu halten, wenn wir aus Eueren seit­herigen Erfolgen nicht Euere Unüberwindlichkeit er­kannt und gesehen hätten: „Das sind die alten Schwerter noch, das ist das deutsche Herz, die schlagen sie nimmermehr ins Joch, die halten aus wie Erz!" Jemand, den ich kürzlich von der besorgniserregenden Menge unserer Feinde sprach, erwiderte mir: „Und wenn die Welt voll Teufel wär' und wollt' uns gar verschlingen, so fürchten wir tuins nicht so sehr, es muß uns doch gelingen!" Daß diese Zuversicht in unserem ganzen Volke lebt, erkennen wir an dessen unerschütterlichen Ruhe trotz des Kriegsgeheuls der alten und des neuen Feindes. Das ist die Ruhe des guten Gewissens. Gehen wir auch freundelos durch die Welt, wir zagen und jam­mern nicht, unsere Seele bleibt ruhig, weil wir uns unschuldig fühlen.

Wie die Schnitter jetzt bald das blühende Gras und das reifende Getreide mähen, so wird ja auch noch mancher von Euch in der Blüte seines Lebens dahingerafft werden Kriegerlos. - Für das deutsche Volk aber wird es eine Ehrenpflicht sein, die Wunden heilen zu helfen, die der Krieg den, Familien unserer gefallenen oder invalide gewor­denen Helden geschlagen hat. Und unvergessen sollt Ihr alle sein, die Ihr Euer Alles eingesetzt habt, dem Vaterland zu gute. Kann auch nicht der Name eines jeden Einzelnen in der großen Kriegsgeschichte genannt werden, in Euren Heimatorten sollen sie ausgezeichnet, in erzene Tafeln gegossen in unseren Kirchen prangen und in Pfarrei- und Schulchroniken niedergeschrieben werden, um späteren Geschlechtern von Euren Taten zu erzählen und sie zum ewigen Danke gegen Euch zu verpflichten. Darum mutig weiter:

„Mit Gott für König und Vaterland!

Mit Gott für Kaiser und Reich! "

Schwarzenfels C. Freund

Gesang des deutschen Heeres,

So schwören wir getreuen Muts,

In Kampf und Todeswehen

Bis auf den letzten Tropfen Bluts

Für einen Mann zu stehen;

Aus West und Oft, aus- Süd und Nord:

Teutschland heißt das Losungswort,

Hie Deutsches Reich für immer!

Wir fragen nichts nach Ruhm und G lanz,

Die sind gar bald verdorben;

Uns hat die Not des Vaterlands,

_ Die harte Not geworben.

Für Weib und Kind, für Haus und Herd

Zückten wir das scharfe Schwert,

Zu siegen oder zu sterben.

Komm an denn, Feind, wenn deutsches Mark

Zu spüren dich gelüstet!

Hie steht ein Volk in Eintracht stark,

In Gottes Kraft gerüstet.

Schmettre, Kriegsposaunenklang!

Brause, brause Schlachtgesang:

Hie Deutsches Reich für immer!

Emanuel Geibel (1869).