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Seite 206 i^^^^^^^^s^^^ß^ Unsere Heimat W. 6

die neu schaffende Kraft wirksam werden zu lassen. Aber hinter ihr steht das Gesetz des Ewigen, drum ging sie doch ans Werk, Saat und Ernte zu bereiten. Und wenn die Ernte wird wie die Saal, gibk's ein fröhlich' Lachen in allem Weh. Nutzer der Bitte für unsere Feldgrauen geht wohl am Sonntagmorgen kein Gemeindegebet dringender zu Gott als Das: Behüte und segne die Früchte des Feldes!" Wie mir scheint, haben die Eisheiligen diesmal nirgends die Obsternte in bereifter Kapuze davongetragen, was unsern Obstzüchtern und - Obstessern zu gönnen ist. W i e intensiv gegenwärtig in allen leitenden Organisationen unseres Vaterlandes gearbeitet wird, damit nichts umkomme in der teuern Zeit, dafür könnte man allerlei Beispiele anführen. Am meisten gepackt aber hat mich fast das Rundschreiben der Deutschen Landwirtschasts-Geselischast", das neulich in der Schule ankam. Die hat eine feine Zusammen­stellung von allerleiNot- oder Kriegsgemüse" ge­macht, nach dem man greifen soll, wenn's mangelt. Da körninen nun all' die alten guten Gemüse- und Salatkräuter, die im grotzen deutschen Gottesgarten wild wachsen, zu Ehren. Da werden Trippmadam und Brennessel, Sauerampfer und Melden, Schaf­garbe und Bibernell, Vogelmiere und Brunnenkresse, Löwenzahn und Rapunzel aber stolz sein, datz sie wieder gewürdigt werden, auch auf dem Tisch des Herrn der Schöpfung" zu erscheinen! Ja, wer hat denn noch gewutzt, datz so viel Gesundes, Brauch­bares, ja Köstliches auf deutschem Boden wild wächst? Man weitz nicht, ob man sich darüber mehr freuen soll oder über die Fürsorge und Umsicht, die aus den treuen Bemühungen der Führenden spricht. Ja, der Krieg! Man mutz das auch anmerken, wie gut sich das komplizierte Staatsganze dieser schweren Zeit anpatzt und wodurch dies möglich ist. Man wird's brauchen in der Zeit nachher! Auf den Bauplätzen für's neue Schul- und Gemeindehaus in Schlüchtern wachsen Kartoffeln. Die sind einstweilen nötiger als Neubauten. Die Schule leidet nicht dar­unter. Ja, man hat den Eindruck, als ob manches, was dieNeuschule" getrieben und über das noch mancher hie und da im Land als übernäue Werke, die nir daache" die Achsel gezuckt, im Werte stiege. In einem Wirtshaus hat der Lehrer drei Kriegs­karten aufgehängt, und die Alten wissen in Polen, Belgien und in der Dardanellengegend so gut Bescheid, datz man einfach starr ist. Gar manches Mütterchen ist froh, datz es die Notwege seines Sohnes wenigstens so mitgshen kann. Aus einem Spessartdörflein kommt sogar die Kunde, datz einer von denen aus der ganz alten Schule" auf dem Schnittmusterbogen im Pfarrhause das Land gesucht hat, wo diever­maledeiten Engländer" wohnen. Freilich marschieren heute derWehr- und Nährstand" ganz vorn. Und datz man einigen Zweigen der Viehzucht bei uns etwas mehrBewegungsfreiheit" gönnt, ist kein Schade. Wie gut ist's heute, datz unsere Schaf- und Ziegenzucht noch am Leben ist! Einem hungrigen Handwerksburschen macht schließlich die schönste Gegend keinen Spatz. Also? Datz hie und da ein Acker brach liegen soll, bestätigt sich nicht. Dafür würden schon unsere Gemeindebehörden sor­gen, datz dem, der's diesmal nicht schaffen kann, bei­gesprungen wird. Es darf eben kein Stücklein nutzbaren Heimatbodens ungenutzt liegen bleiben.

Manche Feldgraue, die von Anfang an drautzen

sind, wollen's nun einmal nicht glauben, datz daheim noch keine Not sei, ein Mangel an den notwendig­sten Lebensmitteln nicht fühlbar werde. Es ist aber doch so. Eine Bürgersfrau auf dem Lande hat neu­lich sogar gemeint:Wenn wir in Friedenszeiten so kochen wollten, wie's mancheKriegskochbücher" aus der Großstadt gestatten, wär'n wir längst machulle!" Woraus zu ersehen ist, datz unsere an's Sparen gewöhnten Hausfrauen so leicht nicht in die Klemme geraten. Die verstehen's, sich ein- zurichten. Eine rechte Herzensfreude ist's für alle daheim, wenn die Urlauber, die in der Heimat vor­sprechen, gut aussehen. Man glaubts ihnen aber trotzdem, datz sie alle mit dem Kopf geschüttelt haben, als neulich auf dem Marktplatz zu Racionz die Musik anstimmte:Wem Gott will rechte Gunst er­weisen, den schickt er in die weite Welt". Viel lieber singen sie:Nach der Heimat möcht' ich wieder..."

Doch nun Schluß für heute! Die Heimat grützt ihr lieben Heimatfernen und gedenkt ihrer vor dem, der die Fremde und Heimat in Seinen Händen hält. Selbst ein Blinder sieht es, wieviel heuer trotz unseres Volkes Fleiß und Tüchtigkeit von Seiner Barmherzigkeit abhängt. Drum schämen sich heute auch viel weniger Leute, sich an Ihn zu wenden. Wir haben ihn alle so nötig wie das tägliche Brot. Es ist ein Glück, datz Die Götzen Gold, Ge- nutz undwissenschaftlicher Beweis" Den Weg zu Ihm noch nicht völlig verschüttet hatten. Wenn auch noch keimfähige Reste alter Glaubenslosigkeit sich wie Rainstrecken mit dürrem Gras vom alten Jahr in die neue Saat hineinziehen wie viel irden' Geschirr falscher Ziele und nichtiger Fundamente liegt zerbrochen am Boden! Unö zwischen den Scher­ben keimt das Hoffen, datz viele von denen, die drautzen Not und Tod ins Angesicht schauen, als furchtlose Zeugen Gottes heimkehren. Davon hängt für unseres Volkes Zukunft sehr viel ab!

Flg.

Sie kommen!

Sie kommen auf blutgeröteter Bahn

Aus Dunkeln, gefahrvollen Nächten, Aus brennenden Dörfern, aus sinkendem Kahn, Aus heißen und wilden Gefechten.

Sie kommen aus dröhnendem Schwerterkampf Und nächtlichen Wächterstunden!

Sie kommen aus Rauch und aus Pulverdampf, Sie kommen mit triefenden Wunden.

Sie kommen aus schauriger Kerkernacht

Und Heimatvertrieben, im Jammer;

Sie kommen von einsamer Totenwacht, Vom Abschied aus bräutlicher Kammer.

Sie kommen aus weinendem Vaterhaus Und schluchzend aus Sohnesarmen.

Sie kommen erschüttert vom Schlachtgebraus, Sie kommen um Trost und Erbarmen.

Sie bringen dir Herzen voll lastender Not Um Heimat und Güter und Leben.

Und Herzen voll Angst um der Seele Tod, Der Seele, die du einst gegeben.

Sie haben, getrieben von Jammer und Graus, Zu dir ihre Straße genommen.

Oeffne dein Herz mach weit dein Haus: Sie kommen, Vater, sie kommen!

Anna Oehler.