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Nr. 6 c^^^^c^^^i^^i^^ Unsere Heimat ^^^^^^^^^^^>^s Seite 205

wenn wir wiederkommen ,

Von F. Schrönghamer-Heimdal.

Wenn wir wiederkommen, branden wir her Wie eine gewaltige Woge, ein Männermeer.

Bart umwallt die Gesichter: die Augen stehen groß und geisternd darin.

Die Augen sollt ihr sehn,

Lest in den Augen: Wir sind nicht Helden, wir sind mehr — Leidgeläuterte Märtyrer.

Unser Feind war kein Feind wie sonst in den Kriegen: Satanas wollte dem Herrgott obsiegen.

Herr Gott rief germanische Mannen zum Streite.

Wir standen für ihn, er stand uns zur Seite.

Unsere Leiber sind seine Brustwehr geworden, Wir lagen im Feld wider Hunnen und H idenhorden.

Gott hat uns geprüft, ob wir mächtig noch wären Und Kindhaft, wir Deutsche, sein Reich zu mehren.

Drum hat er die Hunnen, die Horden, die Heiden, Alle Teufel, die hämisch hassen und neiden, und alle Leiden,

Die Satanas sinnt, wider uns gehetzt:

Ihr seit die Meinen — wehrt und bewähr: euch jetzt.

Gott hat uns geprüft und für voll befunden Zu Land, in Lüften, in und unter dem Meere.

Und Kaiser, Könige, Kriegsmannen bekunden: Ihm sei die Ehre !

Ehrt nicht uns! Wir sind nicht Helden, wir sind mehr:

Gottes Heerbann sind wir, leidgeläuterte Märtyrer.

Rauscht uns nicht entgegen in Samt und Seiden, Frauen, wir kommen von heiligen Gottesheiden, Wir kommen von einem Weltgericht. —

Hört, was der Wissende spricht:

Nicht in Samt sollt ihr sein und nicht in Seide:

Harrt unser im schlichtesten deutschen Kleide, Denn wir kommen wie Seher und Säer her, Haben wir auch keine leiblichen Augen mehr.

Viel leiblicher Augen sehende Kraft ist zerronnen Aber die Seelen säen der Zukunft Wunder und Wonnen.

Heilige Pilgrime wallfahren wir her,

Haben wir auch keine tragenden Füße mehr,

Füße liegen im Feld, von Granaten zerrissen;

Aber uns trägt das lautere Gottesgewissen.

Heilige Helfer der Zukunft pilgern wir her, Haben wir auch keine Finger und Hände mehr.

Wissende sind wir und weise in Herz und Hirn, Hat auch Eisen und Stahl gespult’ die Stirn, Seht her, seht her:

In Augen sollt ihr lesen

Die alte, die neue Heldenmär, Was alles gewesen.

Diese Augen haben die tiefsten Dinge gesehn, Diese Herzen standen im wildesten Weltgeschehn.

Diese Leiber lagen schon alle begraben — Wunder und Wonne, daß wir sie wieder haben!

Daß wir in fremden, feindlichen Landen Erst dem wahren Leben in Gott erstanden!

Und jetzt kommen wir wieder her, Eine gewaltige Woge, ein Männermeer.

Wollt uns nicht quälen,

Daß wir von Taten und und Leid erzählen;

Sollt wissen: stumm ist das Leid der Männer: Augen sind tiefe Herzensbekenner, Herr Bürgermeister und Festjungfrauen, Wollt uns keine Triumphbögen bauen, Fort mit Phrasen, gelerntem Wort, Und die Eichenkränze dort Tragt zu den Brüdern, die mögen sie brauchen, Die Ewigstillen, die nimmer hauchen.

Uns gebt, wofür wir gekämpft und gelitten, Was wir uns an Gottes Seite erstritten: Eine Bank vorm Haufe, zu rasten im Abendschein, Ueber der Donau, über der Elbe, über dem Schein, Daß wir mit heißen, leuchtenden Augen umfassen Deutschland, Gottes Land und die heimischen Gassen.

Laßt den Wein in den Kellern, Wein ist nicht not, Ein Krug voll Wasser, ein Stücklein Brot.

Greis und Kind, Frau und Mann, Gebt uns die Hand und schaut uns an.

Gebt uns die Hand, die ihr wandelt auf deutschem Boden, Von Königen bis zu den Armleuten, die in den Wäldern roden,

Gebt uns die Hand und seht — kein Hurraschrei — Daß Deutschland in dieser Stunde ein einziger Herzschlag sei. Daß dieser einzige Herzschlag sei wie ein einziger Schwur, Wie keiner noch heißer von Erden zu Himmeln fuhr: Schwur der neuen, werdenden, wissenden, deutschen Zeit, Schwur für jetzt, Schwur in die Ewigkeit: Gutsein, Starksein, Treusein des Wollens, des Tuns; Brudersein, Schwestersein, Deutschsein! — Gott mit uns!

„Die Bergstadt", April 1915. Verl. W. G. Korn, Breslau.

was gidts Neues daheim?

Zunächst etwas, das zwar schon der Vergangenheit angehört, aber weiterlebt in werdenden Früch­ten: das Blühen im Mai! Ein solches Blühen wie in diesem Jahre habe ich noch nie geschaut, und gar mancher Graukopf, den ich gefragt, meinte das­selbe. Einer sagte, man müßte schon bis 1858 zurück­greifen, um dasselbe Lenzbild wiederzufinden. Es war, als habe unsere Heimatflur in diesem Kriegs- jahr alles aufgeboten, um uns in ihrer Sprache zu sagen, daß der alte Gott noch lebt und seine Barm­herzigkeit so groß ist wie seine Macht. Die BauM- zweige waren sämtlich« zu Blütenbüschen geworden, jedes Feldeckchen hatte sein Baumwunder für sich, das mit den breiten gelben, weißen und blauen Streifen im Wiesengrün wetteiferte. Blüten, Blüten überall ! Und dazu bis na^> Himmelfahrt jeder Maitag einen Sonnentag, in Licht getaucht und von linder Lenzluft durchhaucht. Es war, als ob „Mutter Natur" dem bedrückten Menschenherzen in all' sein Sorgen und Bangen um Heimatferne und Volksnot einmal ein paar „freie Tage" schenken wollte. Mutter Natur ist sonst gar nicht so. In der Regel pfeift sie empfindsamen Herzen etwas! Sie geht ihre Wege, und von Mitfühlen ist keine Rede! Sie

bleibt unbekümmert dadurch, daß atmendes, denken­des Leben dem Zeitwagen unter die Räder gerät. Sie vernichtet, wenn's ihr gerade so beliebt, Millionen von Fruchtkeimen in einer frostigen Mai­nacht und vernichtet durch Feuer und Hagelschlag, was sie selber gezeugt und geschaffen. Nein, nein! Wenn sich hinter allem Erdgeschehen kein mitleidi­geres Herz fände, als „Mutter Natur" es hat, dann wären wir nicht viel besser daran als der Singvogel in den Krallen des Habichts. Wenn kein Vater­herz im Mittelpunkt des Weltgetriebes für uns schlüge, dem unsere Qual eigenes „Leid" ist, weils Liebe, bewußte, wollende Liebe füllt, dann wäre es besser, nie geboren zu sein. So aber ist's, trotz, Wetter und Wolken, Hagel und Sturm möglich, des Tages geduldig zu harren, an dem der Heimat Tore für Friedesucher sich auftun. Nicht, als ob Mutter Natur Uns nichts Gutes gönnte; der zwölf Monde bunter Reigen bringt Freude die Fülle — in Friedenszeit. Aber sie ist trotzdem herzlos, und wer auf sie allein sein Leben baut, gerät in die Nesseln. Mich hätte es kaum gewundert, wenn sie bei dem Riesenunwetter, das gegenwärtig über den Erdball dahin tobt, gezögert haben würde, heuer