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Seite 204 ^^^^^r^^^^^r^ß^ Unsere Heimat Nr. 6

Einen herzlichen Gruß allen Kämpfern fürs Vaterland!

ing idj, da so meines Weges und dachte in Treue und Dankbarkeit all der Teuren, denen seit Monden unser liebendes Gedenken in jeder Stunde gilt, dachte all des Großen, das sie in eiserner Standhaftigkeit schon erreicht und des vielleicht noch Größeren, das ihnen noch bevorsteht, dachte an sie mit Dankbarkeit und Stoff und suchte ein Wort, das sie grüßen sollte unb stärken, das ihnen heimatlichen Segenswunsch und Beweis unseres un- erschütterlichen Vertrauens auf ein glückliches Ende des gewaltigen Ringens sein sollte. Langsam war ich immer weiter und weiter gegangen und von der Höhe sah ich ins Tal, in dem unser schönes Städtchen sich au 5b reitet, wachsend und sich entwickelnd von Jahr zu Jahr, und schaute von allen Seiten die Berge ansteigen und zum schützenden Wall sich bilden rings um den friedlichen Ort. Und siehe, da war mir's, als hörte ich! ein alt, heilig Wort, als sähe ich den königlichen Psalmendichter, wie er, von den Zinnen hinunterblickend, vertrauensvoll sich des Schutzes be­wußt ward, den des Allgütigen Gnade und Liebe ihm und feiner herrlichen Stadt bereitet, und ich sprach ihm nach das Wort von der Stadt, „um die rings Berge sich erheben", die ihm zeigten, wie „Er rings um sein Volk ist von nun an bis in Ewig­keit" — Psalm 125, 2 — Und auch! mir wurde die geschützte Lage unserer Vaterstadt Sinnbild des höch­sten Schutzes und Gew!ähr froher, glücklicher Zukunft.

Ja, auch wir dürfen uns beruhigen in dem Be­wußtsein, daß der Ewige „Seinem Volke" schützend nahe ist; wissen wir doch, daß von all den Völkern keines so gerechte Sache vertritt wie wir, keines seines Schutzes gleich uns würdig ist. Wir — ich denke einen Augenblick jetzt an die Glaubens­gemeinschaft, zu der ich mich stolz bekenne allezeit! haben uns stets als „Sein Volk" begriffen, wir sind oft darum Anfechtungen und Vorwürfen ausgesetzt gewesen, weil wir uns so nannten und so genannt sein wollten; glaubte man doch — oder gab man vor, zu glauben - wir hielten diesen Namen für eine Ehrung, deren man ohne Leistung und Ver­dienst teilhaft sein könnte. Wir wußten es besser, und wieder und wieder ward es uns von den Kun­digen gelehrt, daß nur eine Aufgabe und eine Fülle von Pflichten dieser Name uns bringen soll und daß wir um dieses Namens willen höhere und strengere Anforderungen an uns und unser Streben stellen lassen müßten, wollten wir nicht gerade um dieses Namens willen pflichtvergessen und unwürdig erscheinen. Diese Sonder-Erfahrung, die wir als Juden gemacht, wir machten sie jetzt noch­mals als Deutsche. Die gleichen Vorwürfe sahen wir uns entgegengeschleudert. Wenn wir uns stolz un­seres Deutschtums rühmten, wenn wir deutschen Mut, deutsche Treue, deutsche Disziplin, deutsche Tatkraft, deutsches Wissen priesen, dann so glaubten oder sagten wenigstens unsere Neider dünkten wir uns bessere Menschen als die Glieder anderer Stämme, die mit uns rangen um die Palme des Erfolges auf allen Gebieten menschlichen, bürgerlichen Schaffens. Wir wußten es wiederum besser, daß nicht an sich wir uns für besser hielten denn die anderen, daß vielmehr das Erbe der Vergangenheit uns höhere Pflichten auferlegte, daß wir dem, was

die voraufgegangenen Geschlechter sich und uns ge- schaffen haben, Dank schuldeten, dem wir nur in ge­steigertem Pflichtbewußtsein und in unermüdlicher Hingebung gerecht werden können. Daher unser Recht, uns „Sein Volk" zu nennen; daher der Deut- schen Anspruch, für ihr Tun Seinen helfenden Segen zu erhoffen.

Ja, wir haben stets auch jenes prophetische Mahn- wort - Jeremia 9,22 — verstanden und beherzigt, daß nicht der Weise sich seiner Weisheit, nicht der Starke seiner Stärke und nicht der Reiche seines Reichtums rühmen solle, daß vielmehr eins nur rühmenswert fei, den allmächtigen Schöpfer alles Guten und Wahren, in allem zu erkennen, was uns zuteil wird. Unsere Feinde haben sich gerade gegen dieses große Wort und seine Lehre versündigt; weise dünken sich die einen, so weise, daß sie eines Gottes entraten zu dürfen glauben, der allein die Menschheit zum wahren Glück führen kann; stark erachten sich die anderen durch die Uebermacht ihrer Zahl, und in der tierischen, jeder Beschreibung spot­tenden Aeußerung der Körperkraft wollen sie die Grundlage ihrer Erfolge unerschütterlich fest ver­ankert sehen, und wieder andere von den kleinen Mitläufern nicht zu reden - bauen auf ihr E ei 0 und Gut, dem sich! alles unterwerfen und unter­ordnen müsse, was weniger besitzt, als sie selbst. Aber töricht und schwach ist die Hoffnung auf den Menschengeist, die Menschenkraft und menschlich-irdi­schen Besitz. Auch wir sind weise, denn wir lernen gern von jedem; auch wir sind stark, denn wir stellen freudig unsere Kraft in den Dienst hoher Gemein- schaftsziele; auch wir sind reich, denn wir sind zu­frieden und gelüsten nicht neidisch nach anderer Hab und Gut; aber warum sind wir es? Weil wir aus des Allmächtigen Hand alles empfangen zu haben nicht vergessen, weil unsere Weisheit Seine Weisheit, unsere Kraft Seine Kraft und unser Reichtum Sein Reichtum ist. Darum auch fürchten wir Gott und sonst nichts auf der Welt, darum wissen wir, daß Gott „Sein Volk" schützend umgibt und ihm den Sieg verleihen wird.

Um diesen Sieg kämpfet Ihr, liebe Brüder draußen, um diesen Sieg beten wir hier. Gebe Gott, daß er Euch und uns bald werde und wir bald gemeinsam uns seiner freuen dürfen. Dann wer Den wir gemeinsam die Höhen, die unser liebes Schlüch- tern umgeben, lustwandelnd besteigen und aufs neue in uns festigen den Glauben an Den, der, wie die Berge unsere Stadt, so uns alle schützend umgibt, Dem Preis und Huldigung sei in aller Ewigkeit!

In diesem Sinne sende ich Euch Heimatgruß und treue Wünsche für ein glückliches Wiedersehen.

Schlächtern Schwarzschild

Keiner darf zweifeln, daß Gott dem Red­lichen hilft! E. M. Arndt.