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Nr. 5 ^^^^^^^L^^r^KFL^ Unsere Heimat ^^^^c^^c^c^g^c^c^m Seite 197

an Spazierengehen noch> nicht zu denken war, hat unsere Heimat den Verwundeten im Lazarett eine Beschäftigung gegeben. Es ist ja eine brennende Frage geworden, wie man die Leichtverwundeten in den Lazaretten beschäftigen könne, damit sie nicht vor lauter Langerweile auf unnütze Gedanken unD Streiche kämen. Hier brauchte niemand die Frage zu lösen. Es machte sich das alles von selbst. Die schöne reiche Auswahl an Stickgarnen, die in der Anselmschen Fabrik überdies noch billig zu Groß­handelspreisen zu haben waren, muß einen auf den Gedanken gebracht haben, das Klöppeln anzufan- gen. Es dauerte nicht lange, und auf jedem Zimmer könnte 'man die streitbaren Männer friedlich vor kleinen und großen Rahmen sitzen und mit nie ge­ahnter Geduld die Fäden spannen sehen. So ent­standen massenweise die schönsten Decken und Deck- chen. Die Leute hatten eine Beschäftigung. Das war sehr viel wert. Es war nudy keineswegs eine geistlose Beschäftigung. Es galt ja, neue Muster, neue Farbenzusammenstellungen zu erfinden. Und dann war das Herz bei der Arbeit. Man hatte ja so viele Liebesgaben draußen im Feld empfangen,

die Bande der Liebe waren ja überhaupt im Kriege fester geknüpft worden. Nun konnte man den Lieben daheim auch eine Freude machen, eine Freude mit dem, was man selbst angefertigt hatte. — Und zudem, es war ja das Weihnachtsfest in der Nähe. Da war die beste Gelegenheit für das Freudemachen mit sinnigen Geschenken. — Wie würden die Frauen staunen über diese feine Männerarbeit, wie würden sie sich freuen über die Zeichen aufmerksamer Liebe.

Daheim müssen noch die Arbeiten Anklang ge­funden haben; denn es soll Stickgarn von auswärts bestellt worden sein, von denen, die ihren Heimat­urlaub angetreten hatten. Wir haben immer unsere Freude an dieser stillen Arbeit gehabt und haben sie noch, wenn sie auch naturgemäß bei längerem Aufenthalt weniger geworden ist. Es erfüllt uns aber auch mit stolzer Freude, daß unsere Heimat so viel Gutes unseren Verwundeten, und vor Allem etwas Besonderes zu bieten hat. Es erfüllt uns mit stolzer Freude, daß unsere Verwundeten unsere Heimat in gutem Andenken behalten werden. -

Salmünster ' Pfr. Kurz.

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was gibts Neues daheim?

icht viel Neues äußerlich. Vielmehr das Alte wie seit tausend Jahren, nur ein wenig oder manchmal viel anders als sonst; anders auch die Art, wie wir das Alte und das Neue jetzt grade aufnehmen und in unserem Innern verarbeiten. Schließlich sind unsere Kämpfer draußen nicht mal versessen drauf, viel Neues von daheim zu hören. Wie oft kommt auf die Frage: „Was gibt's Neues?" die Antwort: „Niet vill Eures! Es is gut, bann’s niet vikl Neues gitt!" Und wer lange von zu Hause fort ist und einen Brief von daheim bekommt, der anfängt: „Ich ergreife die Feder und tue Dir zu wissen, daß wir alle noch bei guter Gesundheit sind ", der atmet froh auf, ehe er weiterliest und für die Neuigkeiten die Ohren spitzt. Bleiben wir also heute mal beim „Alten" daheim!

In unserer Heimat ist der König Mai mit seinem ganzen Hofstaat angekommen. Die dicht geschlossene Wintersaat schießt in jeder Nacht gliedlang in die Höhe, um Versäumtes nachzuholen. Das Grün der Wiesen leuchtet im Glanz der Sonne, und die Obst­bäume prangen in ihrer ganzen Pracht. Und wir freuen uns dieser Schönheit mit den Gefühlen der Sicherheit und des Dankes gegen unsere Kämpfer draußen, deren heldenhafter Ansturm wie ihr zähes und geduldiges Warten und Dulden im Schützen­graben unsere in ihrem Brautstaat prangende Hei­mat vor dem Einbruch feindlicher Heere und Mord- banden geschützt hat.

Und jetzt, nach vielen Regentagen, sind wir am „Kartoffelstecken". Was war das für ein unnötiges Sorgen, es gäbe dieses Jahr keine Saatkartoffeln! Das alte Sprichwort von den dicksten Kartoffeln und ihren glücklichen Besitzern war schier vergessen. Schon fing man an, Wucherpreise zu fordern (auch im Kreise Schlüchtern gibt's leider Kriegswucherer!) und zu bieten. Das Sorgen und Klagen dauerte

aber nur, bis die Zeit der Bestellung kam. Das war immer so. Jetzt ist alles tätig, und man hört „für lauter Erwet" kein Wort mehr, sintemalen Kartof­feln genug da sind. Auch die Sorge um die Arbeits­kräfte ist stiller geworden; es scheint so, als schaff- ten's die Alten und die Kinder. Der gestrenge Lehrer macht das freundlichste Gesicht dazu, wenn sechs Jungen auf einmal Urlaub gleich für eine ganze Woche haben wollen. Er wundert sich auch nicht, wenn nach dieser Woche ein Großvater oder eine Mutter sich selbst einstellt: „Ich muß Jhne noch emol plag! Ich bräucht der Jong noch emal zwee Doag. Mir sein niet ferdig wurn mit dem Kardoffel- stecke. E' Kuh hat gekalbt, das hat ons zwee Doag zeröckgebracht. Sie wesse jo, bie's alleweil der Land­wirtschaft geht. Bann der Philipp etz emol Urlaab kriggt hät, könnt mer sich ja ohne die Kenn behelf. Mer well ja doch selwer niet, daß se in der Schull zerökkomme. Nur noch emol heut on murn! Gelt, Sie donn mer noch emol de Gefalle? Ich werf Jhne aach emol wieder en Stään en Eoarte!" - Dann fühlt sich der Lehrer, der daheim Hat bleiben müssen, während die arbeitsfrohen Landwirte, Knechte und Taglohner draußen die Wacht halten, daß er auch ein ganz klein wenig Kriegsarbeit zu leisten hat, in­dem er freudig hilft, Nahrung schaffen für den Winter 1915/16, falls wir bis dahin noch nicht alle Feinde in die Kniee niedergerungen haben sollten.

Auch sonst geht alles daheim seinen alten Gang. Wegemüde Alte, die ihr Teil für Kinder und Enkel, vielleicht auch noch für die Allgemeinheit geschafft und gesorgt haben, sind auf einmal nicht mehr neu­gierig drauf, ob wir wirklich den Sieg gewinnen werden und ob die Polen deutsch werden oder einen eigenen König bekommen sollen. Wenn nun einmal die Zeit da ist, drehen sie sich zum Sterben um, ohne noch ein oder zwei Tage zu warten, bis der