Nr. 5 ^^^^^^^^^^r^c^> Unsere fjeimat r^^^^^^s^^^^^^ Seite 195
Ich glaube ganz bestimmt an eine Wendung. Die Russen werden doch hoffentlich bald genug haben. Die russischen Soldaten haben schon 1/4 Jahr keine Löhnung erhalten und sind sehr unzufrieden. Seid alle Gott befohlen und herzlich! gegrüßt Euer
Von einem Steinauer.
Im Schützengraben bei V. les R., den 26. November 1914.
Liebe Eltern!
Unser Tun und Treiben gestaltet sich seit einigen Wochen ziemlich gleichförmig. Nach 3 — 4 Ruhetagen in dem 6 Klm. von hier entfernten Städtchen R. geht's immer wieber in unsere Schützengräben, die wir nun mit der Zeit zu kleinen Festungen ausgearbeitet haben. Hinter der eigentlichen Schießfront haben sich unsere Landsen so nennt man die Infanteristen etwa zwei Meter tiefe Gruben ausgehoben, um darin zu wohnen, zu schlafen und zu kochen. Ueberall sind kleine Oefen eingesetzt und wenn beim Morgengrauen Rauchwölk- dyen aus den Ofenröhren steigen, glaubt man in einem kleinen Dobfe zu sein. In dem etwa 10 Min. von hier entfernten V. ist fast nichts mehr ganz. Was nicht durch Artilleriefeuer zerstört oder ein Raub der Flammen wurde, das haben unsere Landsen in ihre Erdlöcher geschleppt. Ich selbst habe sogar eine ziemlich komfortable Wohnung unter der Erde, ausgestattet mit Ofen, Tisch!, Bank, Strohlager und Nachttöpfchen. Was uns fehlt, ist das Wässer. Wir können uns deshalb nur alle 8 Tage einmal waschen. Etwa eine Viertelstunde von hier fließt zwar der A-Bach. Aber jenseits liegen die Rothosen in ihren Gräben. Unsere 9. Komp. bildet den äußersten linken Flügel des . . Armeekorps. Links neben uns schließt das . . Armeekorps
an mit dem Regiment 9h. . . aus Sch. Die Franzosen verhalten sich an unserem Abschnitt ziemlich still. Nur vor einigen Wochen haben sie versucht, bei uns durchzubrechen. Drei frische französische Regimenter waren nachts mit der Bahn angekommen und gingen gegen 11 Uhr mit Hörnerklang und Trommelwirbel gegen uns vor. Mir ließen sie bis auf etwa 150 Meter herankommen; dann aber gings los: ein Geknatter, als wenn die Hölle geöffnet wäre. Unsere Maschinengewehre rasten förmlich. Am anderen Morgen zählten wir allein vor unserer Kompagniefront 268 tote Franzosen. Seit der Zeit ist Ruhe im Haus. Sie sehen, daß sie nicht an uns ran können. Jetzt tauschen sie mit unseren Vorposten Briefe aus. Wie Ihr aus dem beiliegenden Schreiben (Original!) sehen könnt, laden sie uns ein, in Massen zu ihnen zu kommen, weil es so bequemer für sie wäre. Vater mag den Zettel aufheben; er ist für später noch von Interesse. Sonst geht mirs noch gut.
Herzliche Grütze!
Euer Heinrich!.
Die erwähnte Aufforderung der Franzosen lautet folgendermaßen:
Kameraden!
Die deutschen Zeitungen verhehlen Ihnen Die Wahrheit. In Nord-Frankreich haben die preußischen Truppen in einer einzigen Schlacht ungefähr hunderttausend Mann verloren. Laßt Euch, nicht niedermetzeln, kommt zu uns! Wir mißhandeln die deutschen Soldaten nicht. Kommt, Brüder, zögert nicht! Kommt ohne Waffen, unsere Posten werden nicht auf Euch schießen! Ihr könnt auf uns vertrauen; denn wir haben die lieb erlauf er stets menschlich behandelt. Kommt also massenhaft! Frisch auf, Kameraden!
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Es Zeddelje für onns Läut'.
Aus de Schmidsgasse.
De Mai is wärrlich eigedroffe Mit Budderblumme, Büchelaab, Mer käfft schon Strohhüt, Sommerstoffe — Onn off de Schossee fliegt de Staab. Die Dichter leiche off de Lauer Noach Blüdedoag mit Sonnefdjei' Doch kühl onn naß will enn de Bauer, Onn bröächt e aach en Schnobbe ei. Onns Noachber „jauchzt" onn Regetoage Onn „dicht" omm Puddelfaß erömm, Die Weibsleut' gann, dos is kä Froage, Schon ehnder'm richtige Mai die Stömm' Die Aab onn Linne sieht se bläche — Werft Eure Strömp doch niet all surt! — Die mennste genn mit Schöppe, Reche 'Naus off die Beeter hie onn durt. Boas ihwest kann, is daus im Krieg Mit Schißgewehr — onn Plug onn Hacke, Ereizebrenge Brot onn Sieg, E' friedlich Schaffe, fröhlich Backe! Drömm muß des Aellerje ebei Mecht noach de Stoadt sich off die Sohle Onn tregt die Feldpost selwer nei Für die zwaa Ionge denn in Pole Onn frägt die Stoadtleut' hosfend-bang: „Boas määnt’r, dauerds dah noch lang?
Bis Weihnächte doch off kann Fall — Sein dah die Russe niet ball all?" Es käfft e Gutsje für die Goth Onn krüezt — dann Lieb brengt allweil Not Unn doch woarsch oawends hoffnungsfroh, Mer sieht bei Noacht die Berg niet so. — Etz honn im Kreis mer aach Franzose, Niet bloß die, bu de Tieroarzt fennt, Naa, richtige mit rode Hose, So bie mersche in Frankreich kennt; Sie schaffe dowe in dem Ohl, Onn fühle sich, scheint's, durt ganz wohl. — Murdsdäuer fein Euch alleweil Die ahle onn die fange Gaul;
Boas ähner aach nur furder' moag, Los bist' enn onn hürscht niet de Schloag. Dem Fritz sein Max, der war ganz stolz, Geht, stoatt's ins Katzedaal ins Holz, Etz in de Frömd mit de Kolonne — Daus scheint so hell die Frühlingssonne, Die Hoffnung wöäst — oha! vedappel, Mer soll noch niet von Friede babbel — Also, bann uns niet alles trügt Onn Frankreich aach noch weiderlügt: Deutschland blei't 0 we! Onn der Lenz Brengt Laab für deutsche Siegerkrä z!