Seite 194 ^^/^^^^^^^^ß^^ Unsere fjeimat ^i^s^c^^^c^i^c^^ Nr. 5
Manchmal war aber gar kein Platz mehr da, überall waren schon Soldaten und Pferde. Da waren wir die Nacht über im freien Felde. Immer 20 Mann machten sich ein großes Feuer. Dieses bräunte die ganze Nacht hindurch. Wir sahen um das Feuer herum und wärmten uns. Da haben wir oft an unsere Eltern, an Vater, Mutter und Geschwister gedacht und gesungen: Nach der Heimat möcht ich wieder und: Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Tod. Am Morgen haben wir uns an einem Bach gewaschen, unsern Kaffee getrunken und sind dann weiter marschiert. Viele gefangene russische Soldaten sind an uns vorbei marschiert. Sie hatten freilich kein Gewchr und keinen Säbel mehr; sie gingen vier und vier hintereinander. Neben ihnen gingen deutsche Soldaten her. Sie hatten ihren Säbel am Gewehr fest gemacht und gaben auf die Russen acht; ich glaube, das wäre gar nicht nötig gewesen; Denn die Russen sind froh, daß sie nach Deutschland kommen. Da werden sie doch nicht tot geschossen und bekommen immer zu essen. So haben wir die ersten 3 Wochen verbracht. Dann kamen wir endlich dahin, wo unsere Soldaten auf die Russen schießen, an die Schlachtlinie. Da solltet Ihr einmal sehen, was unsere Soldaten schießen können. Und die Kanonen erst! Wenn diese donnern, dann zittern die Fensterscheiben. Unsere Soldaten haben schon viele Russen totgeschossen und auch viele gefangen genommen. Die Russen können aber auch ganz gut schießen, und es sind immer so viel Russen da, daß ein deutscher Soldat gegen 4 oder 5 Russen zu schießen hat. Aber wir fürchten uns nicht vor ihnen und wenn noch so viele vor uns stehen. Unsere Soldaten hauen so fest drauf, daß die Russen immer davon laufen. Aber auch viele deutsche Soldaten werden von oen Kugeln getroffen, schon manchen braven Burschen haben die Russen totgeschossen; sie werden dann von ihren Kameraden begraben. Ihren Helm legen wir auf das Grab, und ihren Säbel stecken wir dazu in die Erde. Auch ein einfaches Holzkreuz wird oar- auf gesetzt. Darauf steht geschrieben: Hier schläft ein tapferer deutscher Soldat. So ruht schon mancher hier in Polen; er kommt nicht mehr heim zu seinen Eltern und seiner Schwester und seinem Bruder. Dafür haben wir aber auch die Russen schon weit gejagt. Bald sind wir nun in Warschau.
Ich bin nun nicht bei den Soldaten, welche auf die Russen schießen, sondern ich helfe die Verwunden ten verbinden. Wir holen sie nach der Schlacht aus dem Felde und bringen sie in ein Dorf zurück. Dort werden sie in Häuser gelegt, verbunden und verpflegt. Von unserem Dorfe fahren wir die Soldaten bis zur Eisenbahn, die bringt sie dann wieder heim in unser liebes Vaterland.
Liebe Jungen und Mädchen! Mas macht Ihr denn alles jetzt? Denkt Jht auch manchmal an uns Soldaten in Rußland? Ihr Mädchen werdet wohl fleißig Strümpfe für sie stricken. Wenn ich- wieder heim nach Breitenbach komme, dann will ich mit Euch Jungen wieder tüchtig Soldat spielen im Kohl und am wilden Stein. Ich hoffe doch, daß Ihr alle recht brav und fleißig seid und es auch ferner bleibt. Wer von Euch will mir denn einmal eine Feldpostiarte schreiben? Ich werde Euch dann wieoer allerlei vom Kriege schreiben.
Es grüßt Euch alle, auch Eure Eltern Euer Lehrer Schwind.
Von einem Neuengronauer.
Herincse, den 27. 1. 1915.
Meine Lieben! Gestern schrieb ich Euch einen Brief und eine Karte, die hoffentlich angekommen sind. Wir liegen seit Sonntag d. 24. ds. Mts. hier in Herincse (Ober-Ungarn). Es wohnen Juden und bessere Zigeuner hier, die fast gar kein deutsch können. Es wird Euch jedenfalls interessieren, wenn ich Euch die Verhältnisse schildere: Die Wohnungen sind kleine Häuser, aus Lehm und Holz gebaut, mit Stroh- oder Holzdächern. . .
Von dem „schönen" Polen haben wir recht viel Bienen mitgebracht; an allen Ecken und Enden hat man zu jucken, und den ganzen Tag könnte man Bienen fangen. Obwohl wir erst vergangenen Samstag frische Hemden angezogen und uns einigermaßen gewaschen haben, sind doch noch viele im Quartier geblieben ich meine Läuse.
Nun muß ich Euch unser Quartier beschreiben. Es ist ein kleines Haus, bewohnt von einem Mann, 2 Frauen und 2 Kindern, von denen das älteste 3 Jahre und das jüngste 3 Tage alt ist. Die Stube ist etwa 20 qm. groß. Da liegen wir nun noch, 8 Mann. In diesem kleinen Raume ist eine Kachel zum Kochen und gleichzeitig für Brotbacken eingerichtet; sie nimmt fast ein Viertel der Stube ein. Dann fallen uns noch ein Tisch und 2 Betten auf, die wie folgt eingerichtet sind: Auf 4 Holzstollen liegen Bretter, darauf dünne Decken. Darauf ist die Wöchnerin mit ihrem Kleinen gebettet. Diese Frau trinkt schon Kaffee, Schnaps und Bier und kann alles essen, Kartoffeln und Brot, aus Maismehl gebacken. Sämtliche Weiber rauchen Zigarren und Pfeifen. Die Leute sind ja sonst sehr zuvorkommend. Morgens bekommen wir Maisbrot und Schafkäse hingestellt, schmeckt ganz gut. Bei den Juden können wir mancherlei Sachen taufen: Eier, Bier, Wein, Heringe, Fleisch und Aepfel; das Pfund Fleisch kostet 80 Pfg. Dagegen sind die übrigen Sachen teuer, i/2 Bier kostet z. B. 50 Pfg.
Wir konnten es uns in den drei Tagen schön gemütlich machen; wir haben uns Eier gebacken, Fleisch gebraten und Bier und Wein getrunken. Natürlich läßt unser Nachtlager viel zu wünschen übrig. Wir liegen auf dem Fußboden (Lehmboden) auf Haferstroh, dann die „gute" Luft, den ganzen Tag Feuer im Zimmer, Fenster kann man wegen der Wöchnerin auch nicht gut ausmachen, die Nacht muß man fleißig jucken.
Heute ist Kaisers Geburtstag. Wir haben ein dreifaches Hurra ausgerufen, sonst nichts; wegen des Ernstes der Zeiten sollten keine größeren Feiern stattfinden. Unser Feldwebel hat uns natürlich! durch einen dreimaligen Appell für Arbeit gesorgt. Arbeit haben wir ja immer, auch- wenn wir Ruhetag haben, sonst würden wir ohne Bewegung steif werden.
Auf der Bahnfahrt von Rußland hierher haben wir Weihnachtspakele vom Roten Kreuz aus Ber Tin erhalten und jeder ein Paket aus Mesch!ede (Wests.). Es waren 1 Unterhose, Taschentücher, 1 Hemd, Kaffee, Schokolade und Zucker. Ich bin nun wieder neu eingekleidet, und wenn ich noch Eure Pakete erhalte, habe ich wieder Untersachen genug; der Tornister ist eben schon schwer.
Mit der Postverbindung wird es jedenfalls noch schlechter als in Rußland; seid deshalb nicht ängstlich, wenn mal eine Zeitlang keine Nachricht kommt.