Nr. 5 r^ß^ß^ß^ß^r^ß^ß^ß^ß^ßsßs Unsere fjeimat ß^ß^ß^ß^o^r^^^^^ß^ß^ Seite 193
Der deutsche tnidjel.
Er hat in heiligem Frieden Die heimische Scholle bebaut, Den Streit gehaßt und gemieden Und seinen Nachbarn getraut.
Die aber schlichen dem Michel, Der ihnen zu arglos und dumm Mit Zipfelmütze und Sichel, Voll Tücken am Zaune herum.
Doch unter dem Friedenskleide Trug Michel das stahlharte Schwert Mit zwiefach geschliffener Schneide, Er war wie die Väter bewehrt.
Der Michel reckte sich grade, Ließ in der Furche den Pflug, Sprach: „Um den Acker ift’s schade, Doch, Nachbarn, jetzt ist es genug!
Ich hielt euch immer in Ehren Und ballt’ in der Tasche die Faust, Nun will ich euch alle lehren, Daß kraftvoll mein Balmung noch saust!"
Dann hat er sein Schwert erhoben
Mit Fäusten ehrlich und fest, Die Arglinge sind gestoben In Schrecken nach Ost und West.
Da wollten die Nachbarn, die frechen, Zertreten des Friedlichen Saat Und seinen Hag ihm durchbrechen, Sind ihm in Waffen genaht.
Sie lauern gierend auf Rache, Sie lechzen nach Michels Blut. Der aber hält deutsche Wache Und schirmt sein heiliges Gut. Helene Brehm.
Nach Phot. von Zinnall.
Das Salz-Tal bei Nomsthal-Rerbersdors.
flus Feldpostbriefen unserer feldgrauen,
Feldpo st brief eines Breitenbacher Lehrers an seine Schüler.
Russisch-Polen, den 31. Januar 1915.
Liebe Jungen und Mädchen!
Ich will Euch auch einmal etwas vom Kriege erzählen. Als ich von Euch fortging, war ich lange Zeit in Offenbach und dann in Darmstadt. Von da aus sind wir mit der Eisenbahn fortgefahren, immer nach Osten zu. Auch an Schlüchtern sind wir vorbei gekommen. Als wir 2 Tage und 2 Nächte mit der Eisenbahn immerzu gefahren waren, kamen
wir dahin, wo unser liebes Vaterland aufhört. Wir waren da, wo Rußland anfangs, an der deutschen Grenze. Da konnten wir nicht mehr weiterfahren. Nun mußten wir viele Tage von morgens bis abends marschieren. Da besamen wir immer tüchtig Hunger. Mittags um 12 Uhr kochten uns zwei Kameraden einen großen Kessel mit Essen. Der Kessel ist so groß, daß sich 300 Mann, das ist unsere ganze Kompagnie, daraus satt essen können. Abends waren wir immer sehr müde. Da suchten wir uns ein Plätzchen, wo wir schlafen konnten. Wir haben in Häusern, auf Heuböden, in Ställen und in Scheunen geschlafen.