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Nr. 4 Unsere Heimat c^^^i^m^c^i^^m^rs Seite 183

Der Grabstein des flbts Petrus Lotichius in Schlüchtern.

Von M.-R. Dr. Sauer, Schlüchtern.

ie näheren Nachrichten über den Tod und das Begräbnis des Abts Petrus Lotichius zu Schlüchtern verdanken wir seinem Neffen und Coadjutor Christian Lotichius ').

Demnach weilte der schon alte uno schwache Abt Petrus Lotichius im Sommer 1567 in Hanau, wohin ihn Gräfin Helene, die Witwe seines ehemaligen Freundes und Gönners, des Grafen Philipp III. von Hanau, aus Sorge vor nahendem Kriegs­volk hatte kommen lassen.

Tort verschied er sanft am 23. Juni gegen Sonnenaufgang im Alter von 65 Jahren.

Seine Leiche wurde Tags darauf auf einem Wagen nach Schlüchtern gebracht und über Nacht in der Klosterkirche verwahrt. Am nächsten Tag, dem 25. Juni, wurde sie unter großer Teilnahme oes aus Stadt uno Land herbei geströmten Volkes in der Klosterkirche zu Schlüchtern beerdigt, wobei sein Verwandter, Pfarrer Nikolaus Lotichius aus Steinau, die Leichenrede hielt.

Noch am selben Tage wurde in der Person des

Stadtpfarrers Siegfried Hettenus zu Schlüchtern ein neuer Abt erwählt.

Tiefer bestellte schon bald nach dem Begräbnis bei einem Steinbildhauer in Fulda ein Grabdenk­mal für seinen großen Vorgänger, das im Jahre 1571 in der Klosterkirche über dem Grabe des ver­storbenen Abts aufgestellt wurde.

Tiefes Grabdenkmal stellte sich nach den Mittei­lungen des Professors Joh. Petrus Lotichius 2) als eine „effigies marmorea "), sive statue ad viventis imaginem expressa Petri Lotichii abbatis cum inscriptione et insignibus praesulibus et abbatibus consuetis dar, was zu deutsch etwa heißt: als ein steinernes Bildnis, d. h. ein nach dem Leben ausgehauenes Standbild des Abts Lotichius mit einer Inschrift und dem von ihm geführten Amts- und Abts- wappen I

Tie auf dem Sockel des Denkmals angebrachten Inschriften lauteten:

An der Vorderseite:

Imaginem Lotichii Notat hic lapis clarissimi, Qui reddidit purissima Hac aede primus dogmata Tandem pie clausit suum Vitae peractae terminum.

(Das Bild des berühmten Loti­chius zeigt dieser Stein, der zuerst die reine Lehre in dieser Kirche einführte. Fromm hat er be­schlossen sein am Ziele angelangtes Leben.)

An der Hinterseite:

Reverendo Domino Petro Lotichio, Abbati huius ecclesiae, viro pietate et benignitate erga omnes praestanti mortuo in Chr. anno Salutis M. D. L. X. V II. I X. Kai. Julii aetatis suae XXXIII et menses III.

H. M. P. S.

(Dem verehrungswürdigen Herrn Petrus Lotichius, dem Abt dieser Kirche, der sich durch seine Fröm­

migkeit und Güte gegen alle aus­gezeichnet hat und in Christo ge­storben ist im Jahre des Heils 1567 am 23. Juli, im Alter von 65 Jahren, nachdem er dem Kloster 33 Jahre und 3 Monate vorgestanden hatte.

Die Buchstaben H. M. P. S. be­deuten : Hoc monumentum posuit Sigfridus, zu deutsch: DiesDenk- mal setzte Siegfried.)

Auf den Seiten:

Cenotaphium Petri Lotichii Abbatis Solitariensis

(Grabmal des Petrus Lotichius, Abts zu Schlüchtern)

und

Positum Solitariis Anno M. D. L. X. X. I. In Basilica Coenobii Solitariensis.

(Gesetzt in Schlüchtern 1571 in der Klosterkirche).

Grabmal des flbts Petrus Lotichius.

Nach Phot. von Zinnall.

1) Rullmann: Urkundliche Geschichte des Klosters Schlüch­tern in der Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. Neue Folge 7 1877. Seite 194.

2) In „Christian! Lotichii Solitariensis Poemata. Editione secunda recognita etemaculata Quibus accessit vita ejusdem. Marpurgi Hassorum. Typis Nicolai Hampelii, Academ. Typogr.

Sumptibus Lotichianis M. D. C. X L I.“ Seite 17.

3) „Marmoreus“ ist wohl einfach mit „steinern“ zu über­setzen, denn es scheint wenig glaublich, daß in jener frühen Zeit (1571) in Fulda Marmor zu einer solchen Steinhauer­

arbeit verwendet worden sei. Auch der verhältnismäßig ge­ringe Preis, der für das Denkmal bezahlt worden ist, spricht für diese Annahme.

4) Im lateinisch - deutschen Wörterbuch von Scheller, Leipzig 1788 wird „insignia“ direkt mit „Wappen" übersetzt. Weiterhin schreibt mir Herr Geheimrat Segler in Berlin, eine Autorität auf dem Gebiete der Heraldik, hierzu: Insignia, ein Pluraletantum (die Singularform insigne kommt nicht doO ist die gewöhnliche Uebersetzung von dem Deutschen „diu wapen.“ Die Singularform „das Wappen" ist eine Errungenschaft der neueren Zeit.