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Seite 182 ^^^^^^^r^^e^w^ Unsere Heimat ^^^^^^^t^^^^c^ Nr 4

Und wieviel Liebe und Fürsorge geht Tag für Tag nun schon über 8 Monate hinaus mit der Feldpost! Und die 9 Milliarden Kriegsanleihe, welche die Be­hauptung des alten Ben Miba zu schänden machen, es sei alles schon dagewesen! Und all' dies ein­mütige Zusammenarbeiten und beispiellose Fürein- andersorgen, Ort für Ort im ganzen Reich, sovah nach 8 Monaten schwerster Kriegszeit die daheim schier wie im Frieden lebten, wenn die Herznot um geliebte Leben nicht wäre! Aus all' dem Großen und Schönen, das orauhen und daheim geschieht, wächst ein Bild unseres Volkes vor uns auf, oas uns beim Betrachten der Einzelzüge wie beim Blick aufs Ganze in tiefster Seele erschüttert und hoff- nungsfroh für seine Zukunft macht. All 'die Not, die jetzt zu tragen ist, wird ja getragen um der lieben, trauten, deutschen Heimat willen; hat doch nächst Gott nichts mehr Recht an unser Sein als sie. Aus der Gegend von Ppern schrieb neulich der älteste Sohn unseres früheren Amtsgerichtsrates Zimmermann auf einer von treuer Liebe zu unserem Heimattale diktierten Feldpostkarte: und ich hab's schon immer gesagt, daß es keine schönere Gegend in der Welt gibt als die um Schlüchtern". Als die Karte vorgelesen wurde, spürten alle Hörer, welch' tiefer Trust in den Scherz eingehüllt war und daß aus der Liebe zur Heimat Kraft wächst zum Tragen und Tun. Deutsch sein und bleiben sollst du, Büchlein im Grund, Eiche am Berg, Städt- lein im Tal! Dah denen, die nach uns kommen, ein sonnig', friedlich Rest vergönnt sei zwischen den waldigen Höhen und grünen Wiesenhängen, an den Quellen der Heimat; dafür kämpft, duldet und entbehrt das gegenwärtig atmende Geschlecht. Und so ist's Frühling geworden daheim trotz Krieg und Brotkarten. Die beiden Cornelkirschbäume vor der Luthrischul" grünen schon seit vielen Wochen. Das ist, seit ich denken kann, mein Zeichen, daß der Früh­ling unterwegs ist. Wenn aber Heuer der Lenz ein- zieht und die Schlüsselblumen am Hohenzeller und auf der Au ihre seinen Glieder in der linden Luft und im labenden Sonnenschein baden, froh ob über- standener Not, dann spürt das Menschenherz etwas wie Neid, weil's durch Leidreifen eingeengt ist. Aber nur getrost! Einmal kommt die Stunde voch, wo sie wieder abfallen! Und wenn sich unsere Heimat wieder schmückt mit den schönsten Kleinodien aus unseres Herrgotts Schatzkammer, wenn die Kastanien ihre bunten Kerzen aufstecken, Acisbrunnen und Ohl ihre Maipracht anlegen, dann soll sich freuen aus Herzensgrund, wer es irgend vermag, und jeder fest darauf vertrauen, dah der Gott, der uns durch den

Unser täglich

Unser täglich Brot gibt uns auch heute," Wie gedankenlos ward's oft gesprochen! Was das Wort in seinem Ernst bedeute, Lernten wir in wenig schweren Wochen.

Danklos nahmen wir das Brot entgegen Wie ein Kind, als ob's sich so gebühre, Ohne Acht auf diesen Gottessegen, So, als ob ein Recht uns widerführe.

Unser täglich Brot gieb uns auch heute," Müssen wir in heißen Sorgen bitten,

Winter geholfen, auch weiterhilft! Wir wissen's alle, dah nach übermächtiger Menschen Wille es anders kommen sollte, als es gekommen ist. Aber Er wollte es so. Daheim regte sich vor Ostern mit den ersten rechten Frühlingstagen stark die Sehnsucht nach Frieden. Die einen erzählten unter Bezugnahme auf eine Kasseler Tageszeitung von einer Hamburger Waschfrau, die Kriegsbeginn und -ende bestimmt vorausgesagt haben soll, andere reichten die Ab­schrift einer angeblich anno 1701 in einem Kloster niedergeschriebenenWeissagung" weiter, die die Zeit der Kirschenblüte das Jahr war nicht näher bezeichnet - als Termin für den Friedensschluß festsetzte, wieder andere behaupteten, einen seltenen Vogel, der in vorigem Jahr den Krieg angekündigt habe, am 24. März, gerade wie 1871 einige Zeit vor Friedensschluh gesehen oder gehört zu haben. So sucht das bedrückte Menschenherz dem sich regen­den Hoffen Schwingen zu verleihen, und das schadet ja schliesslich auch nichts, vorausgesetzt, dah man oie mögliche Enttäuschung als wahrscheinlich von vorn­herein mit in Rechnung setzt. Aber fein war's, daß mitten in das Hoffen und Erwägen die Meinung eines Schlüchterner Landwehrmannes Hineinklang, der am 9. März von Racionz schrieb:Gut muh es enden, sonst kann's eben kein Ende geben. Wir sind nun dran gewöhnt, und es liegt einem weniger dran, ob die Sache einige Monate früher oder später zu Ende geht. Die Hauptsache ist, dah wir Herr über unsere Feinde werden. Wenn das ge­lingt, haben unsre Kinder ein ruhiges Leben vor sich, und das ist es doch wahrhaftig wert, dah wir die Zeit s o durchmachen". Wenn dies Blatt in die Hände unserer lieben Feldgrauen kommt, steht der Mai vor der Tür, und daheim sind Pflug und Egge in voller Tätigkeit: die Waffen der Heimat neben den Brotkarten gegen den teuflischen Plan Englands, Frauen und Kinder eines Siebzig- millionenvolks dem Hunger auszuliefern. Schon am 20. März erfuhr unsere Presse von denen, die oie Sachlage überschauen können, daß mit absoluter Sicherheit darauf gerechnet werden kann, dah die vorhandenen Brotvorräte für einen Brotverbrauch wie den jetzigen unbedingt bis zur nächsten Ernte, das ist also bis in den August hinein, reichen. Die Kriegsgetreidegesellschaft hat sogar am 1. April den Mehlpreis herabgesetzt. So Gott will, werden oie anderen Pläne der Feinde zunichte wie dieser, und es kommt ein Friede, für den unser liebes Volk, wenn auch blutenden Herzens angesichts der Opfer, doch auf den Knien danken darf.

Flg.

3rot

Seit, wie Tiger gierig ihre Beute, Uns bedrohn in Loderhaß die Briten.

Schöpfer du des Himmels und der Erden, Laß die funge Saat uns wieder reifen, Laß den deutschen Acker fruchtbar werden, Lasse nicht des Frostes Hauch ihn streifen.

Laß Dom Wetter nicht die Flur zerschlagen, Schütze uns vor unsrer Feinde Meute! Höre es, wie wir in Demut sagen: Unser täglich Brot gib uns auch heute!"

Helene Brehm.