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Seite 172 ^ß^ß^ß^ß^ß^^ß^ß^^ß^? Unsere Heimat ß2ß2ßsß3ß2ß5ß3ßi>ßi>ß5ßi>ß2 Nr. A

von der am 3. Dezember Herr Stadtleutnant Baist 1 Kommandeur, Herr Eberhard 1 Kapitän, Herr Göbel im Mehhof 1 Kapitän und 1 Leutnant, Herr Philipp Müller 1 Offizier, Frau Baist 1 Offi­zier, Frau Hufnagel im Ochsen 1 Offizier; von der am 7. Dezember der Kronenwirt Baist 1 Major, Herr Eberhard 1 Adjutant, Herr Rentmeister Weitzel 1 Kapitän, Zeichförster Harz 1 Kapitän, der Hof­pächter Amend auf dem Hundsrück 2 Offiziere, Die Ochsenwirtin 2 Offiziere. Manche Leute waren sehr in Anspruch genommen. In der Zeit vom 1. No- vember bis Mitte Dezember hatte z. B. die Ochsen­wirtin Hufnagel 37, der Kronenwirt Baist 34, oer Pachter Goebel 33, der Wirt Erauel 26, Joh. Peter Bus 28, Witwe Bus 20, Dr. Wagner 18, Pfarrer Schlemmer 18, Pfarrer Drendt 12 Offiziere im Quartier.

Die französischen Truppen scheinen sich aber durch­aus zufriedenstellend verhalten zu haben; es ist nir­gends eine Klage über Gewalttätigkeiten oder andere Ungebühr zu lesen. Abgesehen davon, daß die da­maligen Franzosen nicht mit dem fanatischen Hasse gegen Deutschland und alles Deutsche erfüllt waren wie ihre Urenkel von Jahre 1914, wurde auch strenge Manneszucht im französischen Heere gehalten. Zeugnis hiervon legt folgendeOrdre" ab:Große Armee. Hauptquartier, In dem Hauptquartier zu Berlin den 12ten Novbr. 1806. Ordre: Allen Sol­daten sowohl von der Infanterie als Cavallerie, welche auf dem Marsche zur großen Armee sich be­finden, ist hierdurch verboten, sich von den in ihrer Marsch-Route vorgeschriebenen Richtungen zu ent­fernen. Es ist ihnen nicht erlaubt, Lebensmittel oder andere Bedürfnisse zu fordern als nur in Den Orten, welche zu den Etappen (zum Haltmachen) bestimmt sind, und dabei müssen sie sich in der ordnungs­mäßigen Form legitimieren können.

Den Platz-Commandanten vom Rhein an bis zur Armee wird anbefohlen, allen durchziehenden De- taschements Kenntnis von diesem Befehl zu geben. Sie werden die kommandierenden Offiziers und Unter-Offiziers benachrichtigen, daß sie für das Be­tragen ihrer Untergebenen verantwortlich sind. Sie werden ihnen in Erinnerung bringen, daß in Gemäßheit des Tag-Befehls vom 23ten Octb. Die Mannschaft, welche zurückbleibt, nicht anders als in Detaschements marschieren dürfen, und daß ein jeder Soldat, der allein marschiert, arretiert werden soll.

Da dieses das einzige Mittel ist, die kleine Zahl derjenigen Soldaten kennen zu lernen, welche immer der Armee folgen, ohne sich jemals mit ihr zu vereinigen, und die sich des Namens der französischen Soldaten durch die gehässigsten und strafbarsten Aus­schweifungen unwürdig machen. Die Commandanten sollen sie arretieren und sich zu dem Ende sowohl der französischen Truppen als der Bürgermiliz des Landes, welche zu ihrer Disposition ist, bedienen.

Der Fürst v. Neufchatel, Kriegs-Minister.

General-Major M. Alex Berthier."

Nur diePolnische Legion", d. i. die 1797 aus polnischen Flüchtlingen gebildete Freischar im Dienste Frankreichs, scheint aus rohen Gesellen be­standen zu haben; den selbst der Commandantur- Sekretär Eoerner zu Schlüchtern schreibt am 4.

Dezember an den Magistrat zu Steinau u. a. folgen­des:Da diese Truppen sehr ungezogen sind, so hat die Municipalität den Gendarmen beihanden zu halten, der Die Excesse zu beseitigen hat".

Dagegen muß der Genuß geistiger Getränke unter den französischen Truppen sehr verbreitet gewesen sein. Es ist geradezu unglaublich, welche Mengen Branntwein die gemeinen Soldaten vertilgten. So tränten z. B. bei der Ochsenwirtin Hufnagel am 15. November 28 Mann 8 Matz Branntwein und 26 Maß Bier im Werte von 19 fl 26 Krz. allein zum Frühstück. An demselben Tage genossen 15 Mann beim Roßwirt 12 Schoppen Branntwein und .2 Maß Apfelwein im Werte von 5 fl 6 Krz. Der Wirt Nikolaus Loeser lieferte an drei Tagen (28. und 30. Oktober und 4. November) für 33 fl 12 Krz. Branntwein und Bier an französische Soldaten, und in Den Rechnungen der übrigen Wirte macht Der von den französischen Soldaten vertilgte Brannt­wein ebenfalls große Summen aus.

Auch die französischen Offiziere verstanden das Trinken aus dem FF. Sie verlangten meistens Cognak und Wein, verschmähten aber auch Den Nord- Häuser und den Franzbranntwein nicht. Wenn Wein getrunken wurde, so mußte es immer vom besten sein. Besonders beliebt waren Burgunder und Rheinwein. Hiervon wurden große Mengen getrunken. Der Kronenwirt Baist z. B. lieferte vom 31. Oktober bis 22. Dezember den bei ihm einquartierten Offi­zieren für 72 fl Wein; der Rentmeister Pauli ven seinigen für 62 fl 28 Krz.; die Ochsenwirtin Hufnagel den ihrigen vom 25. Oktober bis 16. Dezember für 73 fl 30 Krz. Ja selbst der vorerwähnte Oberst­leutnant Lingg trank am 21. November allein 4 Flaschen. Ebenso waren die meisten Offiziere Fein­schmecker. Während für die Mannschaften in oen Wirtsrechnungen selten mehr als Brot, Käse und Wurst aufgeführt wird, ließen sich die Herren Offi­ziere gut auftischen. Der mehrgenannte Platzkom­mandant Herbage in Schlüchtern wohnte vom 25. Oktober bis 30. November bei dem Gastwirte Zink- han und machte in dieser Zeit eine Rechnung von 158 fl. 52 Krz. Welche Ansprüche er an die^Küche stellte, erhellt aus den noch vorhandenen Speise­zetteln, von denen ich folgende mitteile: 28. Ok­tober, morgens: 2 Portionen Kaffee, 4 Brötchen, 3 Glas Branntwein; mittags: 2 Portionen Suppe, Gemüse und Hammelfleisch, Hasenbraten und Salat, Butter und Käse, 3 Flaschen Wein, 4 Brötchen, 1 Glas Branntwein, 2 Portionen Kaffee; abends: Suppe, Ragout, 2 gebratene Hähne, Salat, Eier- Kuchen, 4 Brötchen, 4 Flaschen Wein, 3 Glas Branntwein. 16. November, morgens: 1 Portion Tee, 2 Brötchen; mittags: 3 Portionen Suppe, Gemüse mit Schinken, 2 Pfd. Rindfleisch, Meer - rettig und Senf, 1 Karpfen mit Weinsauce, Wild­braten, Hagebutten, Krebse mit Weinsauce, 1 Apfel­torte, Butter und Käse, 1 Flasche Weins, 3 Portionen Kaffee; abends: Suppe, Kalbsbraten, Salat unD Zwetschen, Butter und Käse, 1 Flasche Wein. An manchen Tagen ist die Anzahl und Menge der Speisen noch viel größer und reichhaltiger.

Wohl ließen sichs ferner die Quartiermacher sein, die ja während dieser Zeit fast täglich auf Dem Rathause zu Steinau erschienen. Sie tranken auf Kosten der Stadt die besten Weine, daneben Cognak