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Seite 166 r^^^^^r^^^^^^^ Unsere fjetmot ^^^^r^«^^^^^^^ Nr. 3

Als unser großer Landsmann Ulrich von Hütten auch ein Heimatferner aus seinem Siechbetre lag, da läßt ihn der Dichter (K. F. Meyer) des Kreuzes Trost und Kraft empfinden uno bekennen: Je länger ich's betrachte, wird die Last Mir abgenommen um die Hälfte fast,

Denn statt des Einen leiden unser Zwei:

Mein dorngekrönter Bruder steht mir bei".

Das gleiche Passionserlebnis wünscht Luch allen Euer

Ramholz, am Petritag 1915.

E. Freund.

flus feldbriefen.

Von einem Sodener Landsturm-Feldwebel.

Nach Czenstochow hatten wir eine bewegte, auf­regende Zeit. Zuerst große Märsche, da wir so schnell wie möglich den Oesterreichern zu Hilfe kommen sollten. Wir kamen auch gerade noch recht zur Ein­nahme von Petrikow. Vor Petrikow hatten die Russen eine sehr starke Stellung inne, 6 Schützengräben hintereinander mit starkem Draht- und Ast-Verhau, aus denen sie na'ch und nach vertrieben werden mußten. Mit Gottes Hilfe gelang es denn auch bald. Die Russen gingen über Petrikow zurück. Es fielen uns große Magazine von russischen Sätteln, Patronen, Gewehren, Mänteln und andere Sachen in die Hände. Aber dieser Anblick auf Dem Schlachtfeld! Die Schützengräben waren schon bei dem Zurückgehen von den Russen fast zugeworfen worden. Da ragten Gewehre, Eliedmaßen, Trümmer hervor; es war ein trauriger Anblick. Sogar Ster­bende, denen nicht mehr zu helfen war, tarnen uns zu Gesicht. Wir mußten immer weiter, und immer neue traurige Bilder kamen uns vor Augen. Ich ging mit meiner Abteilung etwas abseits. Da lagen zwei junge Russen so ganz friedlich nebeneinander. Sie hatten Schutz hinter einem Busch gesucht, wo sie aber doch die tödliche Kugel gefunden hatte. Sie müssen gebetet haben, sie hatten die Hände ge­faltet und ein Marienbilochen vor sich liegen. Wir mußten sie liegen lassen, es ging immer vorwärts ...

Am Sonntag nach Neujahr morgens y^V Uhr ging es unter den größten Schneestürmen weiter. Wir dachten einen Marsch von 34 Klm. und kamen abends in Pozyglow an. Hier war alles bis auf wenige Häuser zusammen- und in Brano geschossen. Der Ort war von dem 1. und 2. Garderegiment, so weit es nicht im Schützengraben lag, belegt. Hier traf ich auch einen Gardisten namens Jöckel aus Salmünster, er kam auf mich zu und freute sich sehr, einen Bekannten zu treffen. Wir wurden da, so nah wir waren, in einer noch gut erhaltenen Kirche einquartiert. Ich lag mit einigen anderen Herrn oben auf der Empore neben der Orgel. Die Leute lagen im Schiff und vor dem Altar. Kurz vorher hatte die Garde hier ihr Weihnachtsfest gefeiert. Als wir uns nun ein bißchen erholt hatten, setzt: sich ein Lehrer an die Orgel und stimmt den Choral: Ach bleib mit Deiner Gnade" an, und wie aus einem Munde stimmten alle Mannschaften begeistert ein. Dann wurden noch die Choräle:Großer Gott wir loben Dich",Was Gott tut das ist wohlgetan" und auf allgemeines Verlangen sämtliche Verse von Eine feste Burg ist unser Gott" gesungen. Es war ein ergreifender herrlicher Abend; jedem wird er gedenken .....

vor und nach der Winterschlacht in Masuren

Von einem Vollmerzer.

Meine lieben, guten Eltern!

9. Febr.

Mein Haupteindruck vom Kriege ist bis jetzt, oaß derselbe hier mehr kalt ist als gefährlich und fröh­lich. Die Russen knallen viel, aber bis jetzt G. s. D. nicht gerade dorthin, wo ich bin. Ich bin als Be- fehlsempfänger gerade 5 Klm. Hinter der Front und warte. Ich habe früher immer geglaubt, daß ein besonderer Mut dazu gehört, Dort zu sein, wo Die Kugeln fliegen, aber dem ist nicht so; man ist um seine Person gar nicht besorgt und verliert ganz Den Eindruck der Gefahr. Allzu energisch scheint der Widerstand Der Russen nicht zu sein. Ich hoffe, daß sie in 8 Tagen über die Grenze zurückgeschlagen sind. Viel Zivil sieht man hier nicht; die Leute sind größtenteils ausgerückt. Die zurückweichenden Feinde verbrennen alles, was brennbar ist.

18. Febr.

Augustowo. Die ganze Zeit war es mir unmög­lich, Euch zu schreiben. Unsere eigene Bagage kam nicht trat, geschweige die Feldpost. In den letzten 14 Tagen haben wir ganz Ostpreußen von Jnster- burg an von den Russen gesäubert, sind in Rußland eingedrungen, haben Suwalti und Augustow ge­nommen 1 Das war eine Leistung ! Tagaus, tag ein und wenn es sein mußte, ohne Nachtruhe vorwärts. 4 Tage lang hatten wir zum Siebenten täglich nur einen Laib Brot. Dann kamen aber auch unsere guten Tage, als wir den Russen 70 Bagagewagen abnahmen. Da gab's alles in Hülle und Fülle: Brot, Schokolade, Delikatessen, Konserven, alles, was Ihr nur wollt. Seitdem wir auf russischem Boven sind, gibt es überhaupt alles, wenn Zeit Da ist; sogar zum Kaffee morgens Gansbraten. Durch meine Kenntnis der russischen Sprache habe ich viel Laufereien, manchmal aber auch einen kleinen Vorteil.

Von einem Neuengronauer.

Roulers, den 30. 1. 1915.

Lieber Sohn! Deinen Brief habe ich erhalten und mich sehr darüber gefreut. Wir haben die ganze Woche schon gutes Wetter. Es hat gefroren und ist schöner Sonnenschein. Der Krieg geht auch gut vor­an, und Das ist Die Hauptsache. Die Kanonen don­nern ununterbrochen bei Tag und Nacht. Die Herren Franzosen und Engländer haben seit Weihnachten 150 000 Mann verloren. Wir sehen fast jeden Tag Gefangene mit ihren roten Hosen. Ihr werdet noch keine gesehen haben. Es ist kein so gesunder Menschen- stamm wie wir Deutsche. Nieuport und Dirmuiden