Nr. 3 ^q^^^^^q^^^^q^w Unsere Heimat ^^^^c^m^^^^c^K^ Seite 165
Vserzlichen ^eimalgruß!
Zum dritten Mal geht unser Heimatblatt hinaus in die Ferne, Euch, Krieger, zu grüßen. Wie gut ist's doch, daß wir unser Heimatblatt haben. Wenn's nicht da wäre, es müßte jetzt geschaffen werden Euretwegen, um Euch ein Stückchen Heimat, wenn auch nur aus dem Papier, nahezubringen. Denn „Heimat" das ist doch der Begriff, der alles umfaßt, was Ihr jetzt entbehren müßt.
Wenn ich es übernommen habe, Euch diesmal den Heimatgruß zu senden, so trete ich in die lange Reihe derer, die in der Heimat Eurer gedenken und an Euch schreiben: Vater, Mutter, Weib, Kind, gute Freunde, getreue Nachbarn. Bei allen diesen steht Ihr im Mittelpunkt der täglichen Gedanken. Wenn's draußen stäubt und der Winter seine Rückzugsgefechte liefert, wir denken an Euch, wie Ihr der Kälte und Nässe trotzen müßt. Und wenn wir Abends unsere weichen Betten aufsuchen — gar manchmal will der Schlaf nicht kommen, weil die Gedanken nach Osten und nach Westen wandern. Daß unser Gedenken auch zum Danken wird und das Danken greifbare Gestalt annimmt, das habt Ihr erfahren und erführt es durch all' die Gaben der Liebe, mit denen Angehörige und Fernerstehende ihr Sorgen für Euch bekunden. Wieviel Päckchen sieht man jetzt Kinder und Alte zur Post tragen, und wie manche ungeübte Hand hat wieder das Schreiben gelernt — alles, um Euch ein klein wenig zu danken für das, was Ihr für Heimat und Vaterland tut und leidet.
Und mit welcher Spannung werden Euere Lebenszeichen aus dem Felde erwartet! Wie wird auf den Postboten gelauert, wie leuchten die Augen Euerer Angehörigen, wenn er so eine schlichte Karte oder gar einen Brief von Tuch bringt! Aber wie betrübt klingt's auch, wenn sie auf die Frage nach Eurem Ergehen antworten müssen: Er hat schon 8 oder gar 14 Tage nicht geschrieben. Ich weiß es, daß es nicht immer an Euch liegt, sondern oft genug an der „bösen Feldpost", wenn die Nachrichten spät und spärlich eintreffen. Aber ob nicht mancher etwas regelmäßiger seinen besorgten Angehörigen schreiben könnte? Wenn er die Freude sähe und das Aufatmen nach tagelanger Bedrückung - er täte es gewiß.
Eine doppelte Bitte hätte ich in Bezug auf Euer Heimschreiben! Schreibt nicht zu wehleidig, macht nicht durch lamentable Schilderung Eurer Entbehrungen denen zu Hause das schwere Herz noch schwerer. Nach dem Krieg, wenn Ihr, will's Gott, wieder gesund daheim seid, dann könnt Ihr ja erzählen, was Ihr alles habt ausstehen müssen. Wir erwarten von Euch, daß Ihr mutig seid und stark. Auch Eure Angehörigen, auf denen seit Eurem Fortgang jetzt oft doppelte Arbeit und Last liegen, müssen's sein. Macht es Ihnen nicht unnötig schwer. Und noch eins. Wenn Ihr schreibt von gefallenen Kameraden, dann schreibt nur solche Kunde, die unbedingt zuverlässig ist, kein Hörensagen. Wieviel Aufregung und Schmerz, wenn die Angehörigen vernehmen : Da hat einer im Nachbardorf einen Brief bekommen, darin steht, daß euer Sohn gefallen. Und nach ein paar gramerfüllten Tagen stellt es
sich heraus, daß der Totgesagte gesund und munter ist. Falsche Kriegsgerüchte verbreiten sich im Nu, auch auf dem Lande, namentlich jetzt, wo unseren Leuten die Winterruhe noch die genügende Zeit läßt, Neuigkeiten zu beschwatzen und zu colportieren.
Was waren das doch in früheren Jahren auf unseren Dörfern für schöne Wochen so um Petri herum , wenn die Tanten und Basen und Ge- vatterinen zu einander „spille" gingen und bei Kaffee mit Kuchen oder Kreppeln den Nachmittag und Abend verbrachten. Der Ernst der Zeit hat in diesem Jahre seinen Schatten auf dieses trauliche Beieinander geworfen. Der große Petroleummangel bereitet dem abendlichen Zusammensitzen oft ein frühzeitiges Ende. Und Kuchen und Kreppei das müssen sich unsere Frauen jetzt versagen. Sie sollten es wenigstens. Es schadet auch nichts, wenn wir nach den langen fetten Jahren das Fasten ein wenig lernen. Freilich die Getreide- und Mehlbeschlagnahme hat ziemlich tief in unser Landleben eingegriffen. Manchem Bauer ist es hart an- gekommen, als ihm vorgeschrieben wurde, wieviel er in seiner Wirtschaft gebrauchen darf. Und dann das liebe Vieh. Wie soll der Gaul mit 21/2 Pfund Hafer täglich die harte Frühjahrsarbeit bewältigen, wie sollen die Schweine fett werden, und die Hühner Eier legen ohne Körnerfutter? — Aber habt nur keine Sorge, daß Ihr uns bei Eurer Heimkehr halbverhungert vorfindet und den „Fuchs" und die „Bläß" als Knochengestell. Es muß gehen, und es wird gehen. Unserer Regierung Organisationskunst und unserer deutschen Bauern wirtschaftliche Kraft wird den teuflischen Aushungerungsplan unserer Feinde zu schänden machen.
Schwerer als die Einschränkung, die uns jetzt auferlegt ist, wird sich bei der Frühjahrsbestellung und im Sommer bei der Ernte auf unseren Dörfern der Mangel an Arbeitskräften fühlbar machen.
Einen nach dem andern ruft das Vaterland. Heute mußte der ungediente Landsturm bis zum 40. Jahre antreten, und fast alle wurden genommen, Große und Kleine, Dicke und Dünne. Körperliche Gebrechen mußten schon schwer sein, wenn sie ziehen sollten. Aber nur wenige ließen den Kopf hängen von den alten Ziehungsburschen. Viele waren so munter wie damals, als sie vor 20 Jahren singend und bändergeschmückt dem heimischen Dorfe zu- steuerten.
Wir durchleben jetzt in der Heimat die stille Zeit der Fasten, und sie ist in diesem Jahr besonders still. Das Kreuz des Herrn sammelt in den Sonntag- gottesdiensten und in den Kriegsbetstunden die Andächtigen um sich. Es ist des Christen Trost im Leben und im Sterben, Heimat für Heimatlose. Hat es nicht auch Euch, Ihr Heimatfernen Krieger, viel zu sagen und manches zu geben, was Ihr braucht für den inneren Menschen, damit der äußere stark bleibt und unverzagt unter all' dem Kriegskreuz? Welch,' ein Kämpfer und Held war doch der, der sein Leben für seine Brüder ließ!