Seite 158 ß^ß3ß^ß^ß2ß2ß2ßi>ß^ß2ß^ß2 Unsere Heimat t^^r^^^^^c^ß^ß^^ Nr. 2
Wie Gras Lsaeseler aus seiner fahrt nach dem Kriegsschauplatz in Saimünster begrüßt wurde.
te Mobilmachung ging ihrem Ende entgegen. J / In endloser Folge waren die Züge mit den
Mannschaften und dem Kriegsmaterial auf unserem Bahnhof eingelaufen. Wir waren Zeuge der hohen Kriegsbegeisterung des deutschen Heeres. Wir waren Zeuge seiner staunenswerten Kriegsbereitschaft. Da war an alles gedacht. Da war für Dinge gesorgt, von denen wir nicht wußten, oaß sie nötig waren. Zuletzt kamen die Stäbe, z. T. mit erlauchten Herrschaften und die Automobilparks. Es war ein wahrer Höllenspektakel, wenn sie zum Abschied bei der Ausfahrt alle ihre Signale in den verschiedensten Tönen durcheinander erschallen ließen. - Wir dachten, daß jetzt Schluß sei. Da setzten in den beiden letzten Tagen noch einmal gewaltige Truppentransporte ein, und noch einmal galt es, alle Kraft zusammenzunehmen, um unseren braven Kriegern auf der Fahrt in Kamps und Entbehrung eine Erfrischung darzureichen.
Es war am letzten Abend, schon ziemlich spät, gegen 11 Uhr, als wieder ein langer, langer Zug in Sicht kam. Wir hatten es übernommen, das Ende des Zuges zu versorgen und waren ein gut Stück auf die Strecke hinausgegangen. Es war umsonst, den Schluß bildeten die Gepäckwagen. Unwillig, daß wir unseren schönen Kaffee und Tee nicht los geworden waren, traten wir den Rückweg an. — Wir hatten eben die Bagagewagen hinter uns, als ein Bahnbeamter vor dem nächsten Wagen, einem Personenwagen mit höherer Wagenklässe, auf uns gutrat mit den Worten: „Bitte, hier still vorübergehen." — Wir sahen uns den Wagen näher an. Die Vorhänge waren überall vor, das Licht war gedämpft. Es war uns klar, daß hier ein höherer Militär nach dem Kriegsschauplatz fuhr. Wir ließen dem Bahnbeamten keine Ruhe, bis er uns Bescheid gab. Nun wußten wir's. Haeseler war drinnen, der, dessen Namen in aller Mund war. Hatten wir doch noch jüngst auf dem Bahnwagen gelesen: „Haeseler, wir kommen!" — Kaum hatten wir uns von der ersten Ueberraschung erholt, als
eine zweite folgte. — Drinnen im Wagenabteil reckt sich eine Gestalt empor, klappt den Schirm von der Gaslampe und zieht den Vorhang vom Fenster. Er war es wirklich, Haeseler, die hagere Erscheinung mit dem langen Haupthaar. Ehrfurchtsvoll nahmen wir unsere Kopfbedeckung ab, die Mädchen winkten mit den Tüchern. Der greise Eeneralfeldmarschall will den Gruß erwidern, aber es will ihm nicht gelingen, das Fenster herunter- zulassen. Dienstfertig springt der Bahnbeamte herbei und öffnet auf seinen Wink den Schlag. — An die Türrahmen angelehnt, richtet der alte, gebrechliche Herr freundliche Worte an uns, fragt nach der Gegend und nach den Truppentransporten, die durch unsere Gegend gekommen sind. Wir fühlen es, daß auch wir etwas sagen sollten, aber keiner hat ein Herz. Da ertönt auch schon das Zeichen zur Abfahrt und schnell faßt sich einer ein Herz und ruft: „Unserem Vertrauen auf Ew. Exzellenz geben wir Ausdruck in dem Ruf: Ew. Exzellenz lebe hoch!" Begeistert und kräftig erscholl das drei- malige^Hoch. — Freundlich dankend drückte Exzellenz dem Sprecher die Hand, noch einmal sagen wir: „Ganz Deutschland vertraut Ihnen, Exzellenz." — Freundlich winkend entschwindet Graf Haeseler unseren Blicken.
Tief ergriffen blieben wir noch einen Augenblick stehen. Das also war der von den Franzosen ge- fürchtete „Teufel von Metz", das war der schneidige Feldherr, der strenge Bildner des deutschen Heeres. Dieser Mann hatte mit uns gesprochen, hatte unseren Gruß erwidert. Auch wir hatten jetzt etwas davon erlebt, daß in der großen Zeit der deutschen Erhebung Führer und Volk zusammenstanden und ein Herz und eine Seele waren. Und weiter. Wie zuversichtlich hatte das Auge dieses erprobten Heerführers gestrahlt. Er mußte Vertrauen zu unserer Sache haben. So faßten auch wir neuen Mut und dachten: Lieb' Vaterland, magst ruhig sein. -
Pfr. Kurz.
Kriegslasten und Kriegslei^en der Stadt Steinau,
Silber aus der Napoleonischen Zeit (1^2-jSJ5).
Von Rektor G. Maldfeld.
er Weltkrieg, dessen Ausbruch so lange gefürchtet wurde, ist entbrannt. Seit länger als fünf Monaten schon steht unser Volk gegen eine Welt von Feinden in Waffen. Aber die Hoffnungen und Wünsche unserer Widersacher haben sich nicht erfüllt. Die Kriegsgreuel sind unserem Vaterlande dank der Tapferkeit unserer Feldgrauen und der Umsicht unserer Heerführer ferngeblieben, und nur in Ostpreußen und an unserer Westmark gelang es den Feinden, vorübergehend unsere schwache Grenzwacht zurückzudrängen und deutsches Gebiet zu betreten.
Dagegen stehen unsere Heere mit breiter Front in Feindesland und schlagen ihre Schlachten auf Frankreichs, Belgiens und Rußlands angeblich
„heiligem" Boden. Fern von unseren heimischen Gauen entladet sich das Kriegsgewitter in seiner ganzen Wucht und hinterläßt seine grausigen Spuren mit einer solchen Furchtbarkeit, daß wir schaudernd die zerstörten Städte und Dörfer, die verwüsteten Fluren, die obdachlosen und hungernden Bewohner, diese Unsumme von Elend und Not betrachten, und daß in der Seele jedes Deutschen die bange Frage auftaucht: „Wie wäre es erst unserem Vaterlanve ergangen, wenn sich der Sieg nicht an unsere Fahnen geknüpft hätte, wenn unsere Feinde über Rhein und Oder vorgestoßen und unser Land und unsere Heimat von ihren haßerfüllten, teilweise von tierischen Instinkten geleiteten ^Scharen überflutet worden wären?"
Nun, eine Antwort auf diese Frage können uns