Seite 144 «^ß^ß^ß^ß^s^ß^ß^ß^ß^ßiw Unsere Heimat ß^ß^ß^ß^ß^ß^r^ß^ß^ß^ß^ß^ Nr. 7
Gott Zum Gruß und unfern Herrn Jesum Christum Zum Trost!
^T^r lieben Kriegsleute in West und Ost, c der Front und im Etappengebiet! Wie will- / kommen Euch der Weihnachtsgruß im Heimot- boten gewesen, haben viele aus Eurer Mitte heimgeschrieben. Drum darf auch dieser Neujahrsgruß auf freundliche Aufnahme rechnen. Er kommt zwar spät, aber Ihr empfangt in ihm die Neujahrsgedanken, die wir am Sylvesterabend, am Neujahrs- tag zu Euch hinausgesandt, die Neujahrswünsche, die wir damals für Euch vor Gott ausgesprochen haben.
Unsere Gedanken sind sehr, sehr oft bei Luch: wenn wir uns niederlegen, und das muß manchmal recht früh sein, weil das Petroleum uns nur knapp zugemessen wird, und wenn wir aufstehen, gedenken wir Eurer. Wenn wir mit irgend wem zusammenkommen, gleich wendet sich die Rede auf die, die eine lebendige Mauer um die Heimat sind, die Leib und Leben daransetzen, uns zu schützen, die Zukunft unseres Volkes zu sichern. Gewiß die neuesten Depeschen aus dem Hauptquartier, am Rathaus werden sie jeden Tag angeschlagen, werden mit heißer Begier verschlungen, und es geht ein frohes Aufatmen durch unsere Herzen, wenn wieder die Glocken unserer Kirchen die Siegeskunde in die Gemeinden hinsin- läuten: Ehre sei Gott in der Höhe! Wir spürens zitternd, wie in diesem Geschehen die Zukunft unseres Vaterlandes begründet wird. Aber mit diesem Großen, Weltgeschichtlichen, dessen Mitgestalter Ihr seid, dessen Zeugen wir sind, verbinden uns Beziehungen der allerpersönlichsten Art. Und diese lassen uns wieder Eurer, der Einzelnen, gedenken, die aus unserer Mitte herausgezogen sind.
Alles das, was wir sorgend und zuversichtlich in Beziehung auf Euch im Herzen tragen, das - ich bin gewiß, daß Ihr dafür Verständnis habt — drängt uns in die Gemeinschaft derer, die mit uns gleichgesinnt sind und mit ihnen in die Gemeinschaft unseres Gottes. Miteinander suchen wir Ihn am Mittwochabend und Sonntag, schließen uns zusammen in Dank, Bitte und Fürbitte, suchen zu verstehen, was uns Gott sagen will durch das, was er uns erleben läßt. Und in solcher Gemeinschaft werden wir getrost in unserer Sorge, wir teilen sie ja mit dem, der für uns sorgen kann und will, zuversichtlich in unserer Hoffnung.
Neuigkeiten aus der Heimat wollte ich Euch nicht schreiben, aber etwas von dem merken lassen, was unter all den Erfahrungen und Berufspflichten, Die der Tag mit sich bringt, daheim in Beziehung auf Euch in dieser Zeit lebendig ist. Ihr sollt die stärkende Gewißheit haben: Wir haben eine Reserve daheim, die, wenn auch nicht felddienstsähig, nicht einmal für den Garnisondienst brauchbar, doch ein Rückhalt für uns ist, auf den Verlaß ist, in der Gemeinde, in die wir hinein getauft sind. Ihr sümpft für uns, wir beten für Euch! Und damit Gott befohlen!
Euer Orth.
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Daheim aus der wacht.
Warum soll ich's nicht sagen? Es sind zuerst Gedanken treuer Sorge um Euch! Täglich sehen wir Euch ja umdroht von Gefahren, täglich angespannt durch Anstrengungen, so manchmal leidend unter dem Entbehren des Allernötigsten. Und doch, es sind nicht nur Gedanken der Sorge, die die Herzen der Eltern, der Frauen, aller derer, die diese große Zeit wirklich mit Euch erleben, beschweren. Nein, es sind zugleich Gedanken voll froher Zuversicht, die uns erheben. Dessen sind wir gewiß, daß all das Schwere keine Schwachmütigkeit und verdrossene Uebermüdung bei Euch auskommen läßt. Nein, gar manchem Edlen, Guten und Schönen in Euch zum Durchbruch, zum Wachstum verhilft das Große, Das mithandelnd zu erleben Zhr gewürdigt seid. Es erhebt, läßt auch die schwersten Anforderungen, Die an Eure Kraft gestellt werden, nicht als zu schwer erscheinen, verleiht immer wieder frischen Mut, der großen Aufgabe wert zu sein, die Euch, den Kämpfern, in erster Linie gegeben ist. Und darum lebt in uns auch die Gewißheit, daß Ihr uns den Sieg erringt und sicheren Frieden heimbringt, wenn uns auch durch die, welche aus unserer Mitte Den Tod fürs Vaterland gestorben sind, die schmerzliche Erfahrung nicht fremd geblieben ist, daß wir nicht alle Sieger im Frieden daheim werden willkommen heißen dürfen ....
Die deutschen Männer zogen in die Schlacht, Mit blankem Schwert zu schützen ihre Erde.
Nun stehn daheim die Frauen auf der Wacht Und hüten treu die Flammen ihrer Herde.
Wer nennt die Opfer, die die deutsche Frau
An ihrem Teile muß dem Ganzen bringen! Auch sie trägt Steine zu dem stolzen Bau, Den unsre Kämpfer nun zusammenzwingen.
Ihr Liebstes schied und ringt in heißem Streit, Und neue Last muß sie mit alter tragen.
Wann aber ist die Frau nicht tatbereit?
Wie ist sie stark im Dulden ohne Klagen!
Blutopfer sind von Helden dargebracht
In tausend Qualen in des Feindes Gauen. Daheim ward manche schwere Nacht durchwacht In heißem Flehn von deutschen Heldenfrauen.
Und zwang den Feind erst deutschen Armes Macht,
Wird falsche Brut besiegt am Boden liegen, So standen deutsche Frauen auf der Wacht, Sie halsen Kämpfen und — sie halfen siegen!
Helene Brehm.