Seite 138 r^^^^^^^^^^^^p Unsere Heimat ^^^^^^^QSKS^SL^>^> Nr. 5/6
Brot erhalten wir ohne Zutaten. In der ersten Zeit gab's ab und zu einmal Speck zum Brot, jetzt nichts mehr. Kaffee erhalten wir auch aus der Feldküche und jedesmal nach dem Essen. In den Ortschaften ist auch nichts mehr aufzutreiben, da haben schon vorher die Franzosen bös gehaust und alles ausgeraubt. Nur den Rotwein konnten sie nicht alle vertilgen, und der tut uns gut. Seit Anfang Oktober liegen wir in und bei dem Städtchen R. Hier nehmen wir eine befestigte Feldstellung ein und haben uns tief eingegraben. Wir sind die reinsten Höhlenbewohner. Jede Kompagnie (der Schreiber steht bei der 9./81) sitzt 2 — 3 Tage in ihrem tatsächlich „komfortabel" eingerichteten Erdloche und hat dann 2 Tage Ruhe im Städtchen. Die Ablösung erfolgt stets bei Morgengrauen zwischen 4 und 5 Uhr. Liegen wir im Schützengraben, dann haben wir tagsüber nur kalte Küche: Kommißbrot aus dem Brotbeutel und Kaffee aus der Feldflasche, dazu eine „Havanna" aus Steinau oder Selbold oder Frankfurt. Die Tafelmusik stellt die französische und deutsche Artillerie. Es ist manchmal ein Gedröhne, daß man sein eigenes Wort nicht versteht. Abends bei Dunkelheit, etwa gegen 8 Uhr, kommen unsere „Eullasch-Kanonen" aus ihrem Versteck und bringen uns die warme Suppe. - Aus Frankfurt haben wir bereits viele Liebesgaben erhalten. Roch ehe das Steinauer Wäschepaket ankam, hatte ich Hon eine dicke gefütterte Unterhose, ein warmes Hemd und ein Paar gute Strümpfe aus Frankfurt bekommen. - Unseren Anmarsch weiß ich nicht mehr so genau. Es ging mit der Eisenbahn von Frankfurt über Mainz nach Münster a. Stein, dann über St. Jngbert, Saarbrücken, Merzig nach Saarburg. Hier begann der Kriegsmarsch durch Luxemburg und das südliche Belgien, wo wir bei Bertrir ins Feuer kamen, weiter durch Frankreich unter ständigen schweren Kämpfen bis südlich von Reims, und von hier in nordwestlicher Richtung an Laon vorbei nach R. Wenn ich wieder zurück
kommen sollte, erzähle ich Euch alles. Seid herzlich gegrüßt von Euerem H.
NB. Jetzt habe ich einen Vollbart.
Vor dem Krieg.
Erinnerung an ein Erlebnis in Schlüchtern.
Wir horchten bang nach drohenden Gewittern, Schwer stiegen Wolken auf im West und Osten. Muß unser Volk der Kriegsnot Schrecken kosten? tlud durch die Glieder rann es uns wie Zittern.
Der Iulitag ging blutigrot zur Küste.
Dumpf sannen wir, und keiner sprach zum andern.
Das war ein zages Furchtgedankenwandern;
Was uns das Morgen bringt, ach, wer es wüßte!
Da Tritte vor der Tür und auf den Stufen;
Wir lauschten in erwartungsvollem Herzen. Ein Flüstern draußen, Klingen von Gitarren, Drauf stille wieder, dann Kommandorufen.
„Frankreich, o Frankreich, wie wird's dir ergehen! " — So voller Kampflust sangen's frische Jungen, Von heiliger Begeisterung durchdrungen, — Wir konnten unsern Kleinmut nicht verstehen!
Von jungen Lippen klangen Landsknechlieder:
Vor Frankreichs Hauptstadt erst wird Rast gehalten, Das deutsche Schwert soll Frankenschädel spalten! Rauscht nicht des Kaiseradlers Prachtgefieder?
Und Wangen glühten, Knabenaugen lohten!
Da mußt' auch unser Hopen sich entzünden: Iungdeutschland will uns Heldensiege künden, Der Gott der Deutschen sandte seine Boten!
Rinteln a. W. Helene Brehm.
Kektor Dr, frick f
nserm Vorstandsmitglied, Herrn Dr. Frick, dem Leiter der hiesigen Lateinschule, dessen früher Tod uns und alle, die ihn gekannt, tief schmerzt, widmet ein schwäbisches Blatt folgenden Nachruf:
„Otto Frick ist in den Vogesen gefallen! So schrieb der Freund. Und vor mir steht das Bild eines lieben, tüchtigen Menschen, eines echten Freundes. Zu den vielen Schmerzen gesellt sich ein neuer. Es ist lang her, daß wir in Tübingen und dann in Berlin zusammen waren. Immer war er derselbe: ernst, gründlich, energisch, fromm. Er war still und bescheiden, hat das Leben nicht leicht genommen, konnte sich nicht leicht mitteilen. Nun ist der begabte Philologe und der tüchtige Soldat dahingegangen. Mir ist, als sähe ich etwas von dem echten, ernsten Feuer seiner
soldatischen Begeisterung, als das Vaterland rief, als fühlte ich einen seiner festen Händedrücke, als sähe ich den äußerlich kleinen Freund mit Dem energischen Kopf und den treuen, ernsten, blauen Augen. . . Lebe wohl!"
Ganz so ist er auch uns erschienen, die wir ihn lieb hatten. Sein früher Heimgang bedeutet für unsere Lateinschule und unsere Stadt einen schweren Verlust. Es war ein herbes Abschiednehmen am Abend jenes sonnigen 1. Augustsonntags, nachdem er am Nachmittag noch sein jüngstes Kindlein hatte taufen lassen. Mir ist immer noch, als müsse er wiederkommen. Wir warten vergebens. Er ist in der Heimat, aus der keiner wieder zurück will. Auf Wiedersehen!
Flg-