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Untugend schuldbewußt um die Schultern hängt? Wie viele Notgroschen würden noch zusammen- gebracht werden können für Darbende, wenn die Vergnügungssucht nicht so groß wäre in deutschen Landen, besonders in der Frauenwelt.
Aber, wie gesagt, es mag sich hier um Ausnahmen handeln. Die deutsche Frau weiß, was sie dem Vaterland, der eignen Würde schuldig ist.
Und noch in einer Hinsicht ist die deutsche Frau stark, — sie kann beten. Sie sucht ihre Zuflucht, Trost und Hilfe im Anlehnen an den, der in den Schwachen mächtig ist, der den Hoffertigen widersteht, der ein Gott der Treue und nicht der Lüge ist. Am Glauben an seine Hilfe richtet sie sich auf. Sie weiß, daß auch das Leid ihr von oben kommt, und sie wird auch das Schwerste im Ausblick zu Gott tapfer tragen.
Wie nun jedes Uebel auch sein Gutes mit sich bringt, so führt auch die jetzige Kriegsnot ihre Segnungen mit sich. Man kann ein oft angeführtes Dichterwort umstellen und sagen: „Wo starker Schatten ist, da ist viel Licht." Welch köstliche Früchte die wenigen und doch so inhaltreichen Kriegsmonate für das deutsche Volk bereits zeitigten, braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden. Es sei nur hingewiesen auf die jetzige Einmütigkeit aller politischen Parteien. Und wenn auch die deutsche Frau in ihrem inneren Wesen geläutert aus dieser Trübsal hervorginge, so wäre das eine weitere Segnung, die der Krieg gebracht hätte, die nicht zu unterschätzen wäre, sondern für die man dankbar sein müßte.
Verwundete im Genesungstjenir m Vamholz.
Ph. & W. Freund.
Jm Schützengraben von K.
Von einem
Lieber Schwager und liebe Schwester!
Für Euere vielen kleinen Paketchen, die Ihr an mich geschickt habt, besten Dank! Die meisten davon haben mich wohl erreicht, wenn auch mit Verspätung. Jetzt kommen die Sachen aus der Heimat, Briefe, Zeitungen und 250 Gramm-Sendungen überhaupt ziemlich rasch an und brauchen nur 4 — 5 Tage. Das letzte Päckchen von Euch hat mir besonders Spaß gemacht. Wurst und Plätzchen! Hei, wie hat das geschmeckt! Wir hatten gerade Ruherag und lagen in einer Schule in R. und zwar wir Unteroffiziere im Herrn Lehrer seiner guten Stube, auswattiert mit Stroh. An den beiden Tagen - ich
Steinaue r.
glaube, es war am 22. und 23. Oktober kamen auch die beiden ersten großen Pakete von Vater an, ' allerdings mit großer Verspätung, war doch das eine am 15. und das andere am 28. September abgeschickt worden. Den Kuchen im ersten Paket haben wir mit großer Eier und bestem Appetit verspeist, obwohl er schon 5 Wochen alt war. Es war eben einmal etwas anderes in dem steten Einerlei. Unsere Kost ist ja ziemlich reichlich, besonders an Brot; aber sonst ohne große Abwechselung. In der Feldküche gibts eben stets nur Reis mit Fleisch, Bohnen mit Fleisch, Erbsen mit Fleisch, Linsen mit Fleisch, und dann fangen wir wieder von vorn an.