Seite 136 ß^ß^ß^ß^c^ßsß^ß^ß^ß^ß^ß^ Unsere fjeimat e^t^^c^m^^s^^^^ Nr. 5/6
seiner Kraft neu bewußt, vertraute seinem blanken Schwerte und — seinem Sott.
Nun sind Deutschlands Männer hinausgezogen nach West, Nord und Ost, um mit der Schärfe ihrer Waffen voll Todesmut die Grenzen des Vaterlandes und dessen „heiligste Güter" zu schützen.
Deutschlands Frauen aber sind mutig und opferfreudig in die daheim entstandenen Lücken getreten. Sie beweisen aufs neue, daß sie mit Unrecht „das schwache Geschlecht" genannt werden, daß sie Kraft genug besitzen, auch andere als nur körperliche Schmerzen zu ertragen. Und das darf gerade als eine der Segnungen bezeichnet werden, die diese furchtbare Kriegsnot doch gezeitigt hat, daß auch unsere Frauenwelt sich auf sich selbst besonnen, sich selbst wieder gefunden hat. Die Gesamtheit der deutschen Frauen ist ihrem innersten Wesen nach eben doch deutsch, trotz ihrer Vorliebe für fremden Tand, trotz des Nachahmens ausländischer Modetollheiten. Nun weht ein reinigender Luftzug, der das, was u n d e u t s ch ist in Tracht, Sitte und Sprache hinaustreibt aus unsern Lenden. Wenn man beginnt, sich auf den Reichtum und die Schönheit der eigne n Sprache zu besinnen, beginnt, sich von der Fremdwörtersucht zu befreien, so ist das nicht zum kleinsten Teil mit das Werk der deutschen F r a u.
Und wie anspruchslos ist die Frauenwelt plötzlich geworden! Die übermodernen, „frechen" Hüte, welsche Unanständigkeiten in der Kleidung l^ben schlichten, ehrbaren Bekleidungsstücken weichen müssen. Die vorjährigen abgelegten Anzüge werden noch einmal herbeigeholt und wieder für einwandfrei befunden. Kinderkleidchen, die bereits „abgedankt" waren, sind neu hergerichtet. Man hat so gar keine eignen Bedürfnisse und Wünsche mehr, - die Not andrer ist zu riesengroß. Wie ist man jetzt genügsam in der Wahl der Speisen, wie spart man an Ueber- flüssigem, um Bedürftigen den Tisch decken zu können! Wie ist das Brot in der Wertschätzung gestiegen, diese Gottesgabe, deren Vergeudung durch Kinderhände so oft gleichmütig zugesehen wurde. Frauen- Hände, die sonst vielleicht lässig im Schoße lagen, oder deren Hauptbeschäftigung darin bestand, den Ballschläger zu führen, den Pinsel oder die Feder, handhaben eifrig die Nadel, um wärmende Hüllen für die Helden im Felde entstehen zu lassen. Das ein wenig belächelte altfrauenhafte Strickzeug, seither durch feine und feinste andere Handarbeiten verdrängt, ist wieder zu Ehren gekommen. Selbst kleine Mädchen opfern ihre Spielzeit und lassen in fleißigen Fingern die Nadeln Hüpfen.
Zu schönster Blüte hat sich die Nächstenliebe entfaltet. Wer früher keine Zeit für andere hatte, geht jetzt im Dienste für die Mitwelt auf, opfert seine Bequemlichkeit und Nachtruhe und sucht mit behutsamen Händen, wie sie eben nur mitfühlende Frauen haben, Schmerzen zu lindern, Wunden zu verbinden. Groß ist der Zudrang zur freiwilligen Pflege oer Verwundeten. Und daß Heldenmut in der deutschen Frauenwelt auch diesmal nicht fehlt, das beweisen diejenigen, die sich im Dienste für die kämpfenden Brüder der Ehre wert erzeigten, das eiserne Kreuz tragen zu dürfen.
Und welche Aufgaben sind der Frau gestellt, die den im Felde stehenden Gatten in Haus und Beruf
ersetzen muß! Von früh bis spät treten Anforderungen an sie heran, die ihr seither fremd waren, in Die sie sich erst hineindenken und hineinleben mußte. Da galt es, Hilfskräfte neu anzustellen, die vorhandenen zu überwachen und anzuleiten, Bücher zu führen, Geschäftsgänge und -Briefe zu erledigen, in Verhandlungen mit Kunden und Warenlieserern zu treten. Und dieses Mehr an Arbeit erwächst Der Frau neben der Fürsorge für Haushalt und Kinder, was beides doch weiter die gleiche Sorgfalt und Zeit beansprucht, wie in den Tagen, da noch die Sonne des Friedens über dem Vaterland leuchtete. Vielleicht ersteht der Mutter jetzt sogar noch mehr Mühe durch die Erziehung der Kinder, die sich ihrer oft allzu milden Hand weniger willig fügen als der kraftvolleren des nun fernen Vaters. Aber das starke Pflichtbewußtsein, das in der deutschen Frau lebt, das Gefühl der Verantwortung gegenüber dem abwesenden Gatten, gegenüber der Familie wie der Gesamtheit, hält die Hausfrau und Mutter aufrecht, strafst ihr die Nerven und gibt ihr den Mut, die vermehrte Arbeitsbürde noch zu der alten, lieben, gewohnten auf die Schultern zu legen. Wie mußten in diesem Jahre besonders auch Frauenhände sich bei der schweren Erntearbeit betätigen! — Die Frauen daheim stehen Den im Felde rümpfenden Männern an Heldenmut und Opferwilligkeit nicht nach. Auch sie haben jetzt „keine Zeit, müde zu sein", auch sie sind Helden in ihrer Art. Neben körperlicher Ausdauer besitzt auch die Frau „Tapferkeit des Geistes."
Freilich, das Gesagte mag leider nicht auf Die gesamte deutsche Frauenwelt anwendbar sein, gibt es doch auch hier, wie überall, Ausnahmen vorn Regelmäßigen. Schon wird Klage darüber geführt, daß die Frauen bereits anfangen, zur alten Leichtfertigkeit in Bezug auf den Anzug zurückzukehren. Es fehle dem weiblichen Geschlecht auf die Dauer an sittlichem Ernst. Das Gesetz der Abstumpfung scheine sich schon bei ihr gegenüber der Kriegsnot geltend zu machen, und die Dankbarkeit gegen Gott, der uns den Kampf auf Leben und Tod im eigenen Lande gnädig ersparte, vergessen zu sein. Wie aber, wenn ein Gleiches bei unsern Helden in Feindesland einträte, wenn s i e kampfmüde und laß werden würden! Wenn in den Großstädten allabendlich Konzertsäle, Theater und dergl. üb erfüllt sind, wobei nicht zum geringsten Teil Frauen die „Mitschuldigen" sind, so beweist das nur, daß sie sich auch in dieser furchtbar ernsten Zeit nicht von zweien ihrer Hauptfehler, der Putz- und Vergnügungssucht, freimachen können oder wollen. Das läßt wieder einen bösen Schluß zu auf mangelndes soziales Empfinden, auf Mangel an Verantwortungsgefühl und sichtlichen Ernst, auf wenig Vaterlandsliebe. Zur Entschuldigung dieser Fehler führt man an, man sähe nur vaterländische Stücke, oder man sagt, daß „d i e" Leute, d. h. Künstler und Besitzer der Schauhäuser, doch auch leben wollten. Gewiß. Aber muß man jeden Abend gerade, „diesen Leuten" Nächstenliebe so reichlich erweisen, damit sich deren Taschen füllen, während Tausende von Frauen und Kindern Not leiden, deren Ernährer im Felde steht, vielleicht nie wiederkehrt? Sollte nicht das zur Schau getragene Mitleid mit jenen Leuten nur ein billiges Mäntelchen sein, das man einer