Seite 132 ^^^^^^^^6^Q26^^> Unsere Heimat -^^^^^^^^«^-^sr^^s Nri 5/6
Stille daheim.
Ein Heimatbild für
un ist's Herbst geworden und der Wind spielt mit den letzten toten Blättern von den Linden am Weitzeldenkmal auf der glitschigen Straße wie in jedem Jahre um diese Zeit. Schwere graue
Nebel ziehen das Kinzigtal herauf und bleiben auf den Höhen hängen, gleichsam festgehalten von kahlen Aesten und entblätterten Ranken. Es ist still geworden draußen. Verlassen liegen Wald und Weide. Gefüllt sind wieder Keller und Böden. Gott sei gedankt dafür! Jedes Stücklein Brot hat heuer doppelten Wert. Nur hie und da noch ein Nachzügler, der einen Stoppelacker stürzt. Daneben keimt frisch und fröhlich junge Saat und zeigt, daß des Menschen Sorge und Hoffen sich auch in diesem Herbste streckt bis mitten ins kommende Jahr. So malt der deutsche Acker mit seinem keimenden, sprießenden Grün angesichts der drohenden Frostriesen ein zum Greifen deutliches Bild zu dem unverwüstlichen: - „und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach." Drinnen im Städtchen ist's auch wie sonst. Das Schulglöcklein läutet wieder, nachdem sein Heim neu überdacht worden, und im alten Kloster summt die Orgel wie alle Tage. Die Kinder spielen, und die Alten gehen ihren Tagespflichten nach wie immer. Und voch ist etwas anders als sonst. Es ist eine Unruhe in der Lust; es liegt wie ein drückender Nebel über diesen Tagen mit ihrem ohne dies karg bemessenen Sonnenschein. Es fehlt etwas. Es mangelt etwas, was wir kaum recht zu bewerten vermochten und das in den letzten Julitagen von uns geflohen ist: der Friede, der Erdengüter größtes. Wir wissen jetzt, was wir vermissen, wenn er verscheucht ist. Wir erleben den Krieg. Immer wieder beschäftigen sich unsere Gedanken vom Morgen bis zum Abend eigentlich nur mit ihm. Wie die Magnetnadel, so schnellen unsere Gedanken immer wieder nach einer Richtung. Wo zwei zusammenstehen, reden sie gewiß vom Krieg. Geht man an einer Gruppe vorüber, so klingt's fremd an unser Ohr: „Suwalki, Jwangorod, Lille, Calais, Voissincourt u. a. m. Und auch an den langen Abenden, wenn die Familienglieder um den trauten Lampenschein zusammen- rüden, wandern doch die Gedanken in weite Ferne. Sie fliegen nach Gegenden, die wir seither kaum dem Namen nach gekannt haben, nach Russisch-Polen, in die Vogesen, nach Ostpreußen und Nordfrankreich, in den Argonnenwald und an die See, nach Reims und Brüssel. Gar manches Auge späht noch nach Mitternacht in die schwarze Winternacht hinaus, und durch die Stille kommt mit jedem Elockenschlag die Frage geflogen: „Wie mag's ihm gehen? Wo mag er sein?" Dort draußen stehen unsere Brüder überall auf
unsre Heimatfernen.
der Wacht und in heißem Kampfe gegen Rachedurst, Mordlust und Beutegier gegen tödliche Feindschaft. Es ist Stille daheim, weil die da draußen einer Hölle standhalten. Für uns! Wir wissen's: Kein Volk der Erde hätte leisten können, was unser: Brüder bis jetzt vollbrachten. Längst ist der furchtbarste Druck gewichen, der in den ersten Tagen der deutschen Not aus vielen lastete, als mitten im Sommerfrieden der Ruf durch die Heimat gellte: „Feinde ringsum!" und nur noch unseres Lebens bester Geleitsmann, der Glaube, zitterno rief: „Der Weg nach oben ist noch frei!" Wir gehen diesen Weg nach oben täglich, und wenn die Glocken rufen, suchen auch am Werktage große Scharen oas Vaterauge, das uns daheim und die draußen gleichzeitig sieht. Seit 100 Jahren hat Deutschland noch nie so viele Beter gehabt wie heute. Für euch! Wie könnte das auch anders sein in einer Zeit, da selbst Vertreter des Islam die Hände heben für u n s e r' s Volkes Sieg! — Still ist's daheim. Kein denkender Deutscher mag heute laute Lust und lärmende Freude, die sich bis an die Schwelle der schweren Zeit über Gebühr breit gemacht. Wir wären ja in Wirklichkeit kein „Volk von Brüdern", wenn's anders wäre. Schützengräben draußen und Tingeltangel daheim das reimt sich nicht. Line Ernstauffassung oes Lebens hat wieder Raum gewonnlen. Unsere Freude ist jeder Schritt vorwärts draußen, unsere Lust ein jedes Wort getroster Zuversicht, das aus den Reihen der Streiter für Heim und Herd in der Heimat widerhallt. — Still ist's daheim. Unsere Herzen sind draußen. Auch dann, wenn die Weihnachts- glocken ihr heilig-hehres: „Friede auf Erden!" über die verstörte Erde rufen und unter dem Christbaum
Lücken sind. Es war ein Irrtum, zu meinen, Die vielgepriesene Kultur verbürge ewigen Frieden. Für diesen Wahn tauschen wir gegenwärtig ein die Gewißheit von der erziehenden Macht der Not. Und die Kraft, diese zu ertragen und zu überwinden, schöpfen wir alle aus der ewig sprudelnden Quelle, die noch nie getäuscht. Und sie wird auch helfen, wenn am heiligen Abend unsere Lieben diesmal heimatfern sind im Kampfe für d ie Heimat. Still' ist's daheim und auch gar oft trüb und falz. Aber mitten in den Winter strahlt Weihnachtslicht. Unser Herrgott hat zwei Boten bestellt, die sollen's diesmal auch hinaustragen zu unseren lieben Heimat- fernen. Sie heißen Heimatlied und Glaubenslied. Die werden sorgen, daß auch in die Herzen draußen ein heller Schimmer fällt. Gott schütze und geleite unsere Heimatfernen!
G. Flemmig.
Kriegsbrot,
Vom alten Arndt.
-^^Vie aus Heimatsinn und Heimatfreude die J L / Vaterlandsliebe erwächst, wie aus Bibel- festigkeit und Gesangbuchsliederklang ein
Christenglaube entsteht, wie ein trotziges Bauernblut zu wahrem Sinn für Freiheit und Königstreue taugt, und wie das alles sich in einer Person zu