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Seite l 26 SSLDS-S-SSSLDSSSG-ScDGSSS-D-S Unsere Zeitnot S<3<3<3<3S<SS<S<33<SSS<3<3<S<S<S<3<S<3 Nr. 4

und stattlicheren Kirchenbauten geltend machte. Wie in Hersfeld, einer der berühmtesten deutschen Abteien jener Zeit, so schritt man auch in Schlüchtern um die Mitte des 11. Jahrhunderts — also zur Zeit der fränkischen Kaiser — zu einem Neubau und zur Erweiterung der alten Anlage. Während die Chorpartie vorläufig be­stehen blieb, also keine weitere Ausdehnung erfuhr, wurde gegen Westen das Langhaus bis zu seinem heutigen westlichen Abschluß verlängert. Als wertvollstes Zeugnis aus jenen Tagen hat sich hier, da, wo der Treppenauf­gang, der in das obere Geschoß des Seminars führt, sich findet, die Katharinen-Kapelle mit ihren rippcn- losen Kreuzgewölben auf kräftigen Halbsäulen erhalten.

Neue Veränderungen krachte die Zeit Barbarossas. Diesmal galt es der Chorpartie, und bei ihrem Umbau mußten die Nebenchöre des alten karolingischen Baues fallen. Erhalten hat sich aus dieser Periode — sie sieht hoffentlich noch einmal einer würdigeren Erhaltung entgegen — die Andreas-Kapelle unter dem Altan des Seminars, deren architektonische Schönheiten leider durch die bisherige Verwendung des Raumes als Kohlenkeller nicht recht zur Geltung kommen. Bestimmte Nachrichten über ihre Erbauung fehlen- man kann sie etwa mit der Kaiserpfalz in Gelnhausen in eine Zeit

setzen. Typisch für den Fortschritt, den die Baukunst ge­nommen hatte, ist das herrliche Quaderwerk dieser Kapelle, wenn man es mit dem Bruchsteinmauerwerk der älteren Teile vergleicht. Wie die Grabungen auf her Südseite des Chores ergaben und sich auch noch an dessen aufgehendem Mauerwerk an Spuren erkennen läßt, muß einst im Süde n ein ähnli ch er Ko­fi e l l e n - A n b a u d er Andreas - Kapelle entsprochen haben.

Wahrscheinlich gleichzeitig mit der Errichtung oer Andreas - Kapelle hat die Verlängerung des Chores nach Osten stattgefunden, die auch eine Erweiterung der Krypta brächte, indem man vor die alte ©ruft einen gleichfalls tonnengewölbten rechteckigen Raum legte und die Trennungswand zwischen beiden durchbrach. Darüber erhob sich dann der eigent­liche Chor der Kirche, von dessen einstiger Außendeko- ration sich noch die Spuren im Innern des anstoßenden Glockenturmes erkennen lassen.

Damit nehmen wir Abschied von der Schlüchterner Klosterkirche in der Hoffnung, daß die noch erhaltenen Reste des karolingischen Baues einem würdigeren Dasein entgegengeführt werden als ihnen bisher zu leben vergönnt war.

Eine fürstliche Hulöigungsfeier Zu Salmünster im Jahre 1738. von P. Zuchs, Kloster Camp bei Sornhofen a. RH.

Das 18. Jahrhundert war eine Zeit, in welcher man äußeren Glanz und große Pracht liebte. Es war das Zeitalter des Rokokostils, der sich nicht allein in her Kunst, sondern auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens geltend machte. Namentlich wurde an den deutschen Fürstenhöfen nach dem Vorbildc Ludwigs XIV. und XV. von Frankreich großer Prunk entfaltet, und die geist­lichen Fürsten, von denen manche in damaliger Zeit zugleich weltliche Herrscher waren, wollten hinter den weltlichen Großen nicht zurückstehen.

Eines der ältesten Gebiete Deutschlands mit einem geistlichen Regenten an der Spitze war das Hochstift Fulda. Dasselbe war zwar nicht sehr ausgedehnt, son­dern umfaßte nur ungefähr 40 Quadratmeilen mit rund 100 000 Einwohnern, aber der Landesherr, der Fürstabt, führte den ehrenvollen Titel: Primas von Deutschland und Erzkanzler der Kaiserin. In welch" glänzender Weise nun ein Fürstabt von Fulda in dem erwähnten Zeitalter bei besonderen Anlässen auszutreten pflegte, möge uns hie Feier einer Huldigung an Amand v o n Buseck (1737—1756) in seinem Amtsstädtchen Sal­münster dartun. *)

Das alte fuldische Lehensgebiet Salmünster war seit dem Jahre 1390 an die Herren von Hütten und darnach an Kurmainz verpfändet gewesen und erst im Jahre 1734 von Fulda wieder eingelöst worden. Deshalb mußte dem neuen Fürstabt Amand viel daran gelegen sein, die Salmünsterer Untertanen sich durch den Hul- digungseid zu verbinden. Im Oktober 1738 sollte die Huldigung stattfinden.

Der fürstliche Geheimrat Ioh. Adam Bach zu Fulda teilte unter dem 26. August dem Amtsvogt und Stadtschultheißen von Salmünster, I o H. Leonard Fleck, das Programm der feierlichen Ver­anstaltung mit und beauftragte ihn, für die not«

*) Das Quellenmaterial dieser Arbeit befindet sich im städtischen Archiv zu Salmünster.

wendigen Vorbereitungen Sorge zu tragen. Mit plan­mäßiger Umsicht und großem Eifer nahm der Vogt die Sache in die Hand. Vor allem bedurfte er Geld, wenn auch das benachbarte Fuldaer Amt Uerzell zu den Kosten mitbeitragen mußte. Daher richtete Fleck die Auffor­derung an alle, welche noch mit ihren Steuern rückständig oder welche herrschaftliche Frucht-, Heu- und Straf­gelder schuldig seien, baldigst ihre Schuldigkeit zu erfüllen.

Fürs erste galt es dann, die Wege von Uerzell Äber Ulmbach, Sarrod, Soden, welche der Fürst mit seinem Gefolge benutzen wollte, in einen fahrbaren Stand zu setzen. Die Arbeiten wurden zwei Kompagnien Land­miliz übertragen, die Zehnt- und Handfröner aber hatten unter Aufsicht der salmünsterischen Ratsherren B e u - scher t und C h r i st o f f e l A u h l den Sodenerweg mit Kummer jSchuttj und kleinen Steinen zu überfahren und zu beiden Seiten mit Wassergräben zu versehen. Ferner mußten sie vor dem Obertor die Palisaden am Stadtgraben wieder aufrichten, den Tränkweiher mit einem Geländer einfriedigen, endlich das Pflaster der Stadt ausbessern und am Tage vor der Ankunft des Landesherrn mit frischem Sand bedecken.

Sodann beauftragte der Amtsvogt den Bürger­meister mit einem Ratsmitglied das Stadthaus herzu richten, wo Äas Festmahl „wie vor zwei Jahren" *) eingenommen werden sollte.**) Die bezüg­liche Verordnung des Vogtes lautete: „Die Ratsstube wohl säubern zu lassen, sonderheitlichen nach denen Spinnen Weben zu sehen: die lange Tafel hinaus, dargegen einen Ovaltisch für wenigstens 18 Personen und 18 Sessel hinstellen zu lassen; einen Schanktisch an«

*) nämlich bei der Huldigung an den Fürstabt Adolf von Dalberg.

**) Später ward jedoch bestimmt, daß die Festtafel in dem von Nassau'schen Hause stattfinden' sollte.