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Nr. 4 <9<3<9<3<3<9<9<9<9 <3®®<9®®®®®®®®® Unsere Heimat <9®®®®®®®®®®®®®®®®®®®® Seite 123

schichtliche Forschung sieht in ihr eines der frühesten Denk­mäler deutscher Baukunst, eines der wenigen erhaltenen Monumente der karolingischen Kunst.

Als zweites Bauwerk aus diesen Zeiten ist der Dom in Aachen auf uns gekommen; Karl der Große hat ihn in seiner neuen Residenz als Pfalzkapelle errichtet, einen prächtigen Kuppelbau, nach dem Vorbild von Bau­ten im hl. Land und in Italien, mit allem Aufwand und aller Pracht, die zu beschaffen waren. Der Dom in Aachen ist das am längsten bekannte und bedeutendste Denkmal karolingischer Baukunst auf deutschem Boden.

Grabstein des Nhaban v. Hütten. Aufgefunden am 1. April 1914 in der Huttenkapelle. Photogr. Freund.

Karolingische Baukunst!? Was haben wir uns darunter vorzustellen? Die Bezeichnung „karolingisch" ist abgeleitet von Karl dem Großen und seinem Hause. Karolingisch nennen wir die Denkmäler, die in der Zeit entstanden sind, da die Karolinger auf dem deutschen Königsthron saßen, also etwa in der Zeit von Pippin (ca. 750) bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts, als das karolingische Haus mit Ludwig dem Kind (f 911) und Konrad 1. von Franken (f 918) ausstarb.

Die Zahl der erhaltenen Denkmäler karolingischer Baukunst, von denen wir wissen, ist noch recht gering.

Verwüstungen, Brände, Umbauten haben natürlich diese frühesten und ältesten Bauten am stärksten mit Zer­störung betroffen. Kleine Kirchlein, die in den An­fängen der christlichen Verkündigung oder eines Klosters gebaut waren, genügten bald dem späteren Raum- oder Prachtbedürfnis nicht mehr. Sie wurden abgerissen und verschwanden so gänzlich vom Erdboden, oder wurden umgebaut, sodaß sich nur noch mit Mühe das Bild der ursprünglichen Anlage aus den späteren Veränderungen herauslesen läßt. Wohl erhalten ist nur weniges auf uns gekommen. An erster Stelle steht der Dom zu Aachen, ferner wäre zu nennen die Michaelskirche zu Fulda. In unserer Gegend stammt wohl noch das Kirch­lein auf dem Petersberg bei Fulda, wohin sich die ältesten Fuldaer Aebte auf einsame Bergeshöh' zurückzuziehen liebten, aus jener Zeit. Auch in Seligenstadt am Main und Steinbach im Odenwald die Bauten Einhards, des vertrauten Freundes Karls des Großen, gehören dieser Periode an.

In karolingische Zeit gehen nun auch die Anfänge Schlüchterns zurück. Wann hier ein Kloster gegründet wurde, wissen wir nicht. Alle Nachrichten, die uns Kunde bringen könnten, sind verschollen. Wir wissen nur, daß 817, also bald nach dem Tode des großen Kaisers, hier schon ein Kloster bestanden haben muß. Mit be­rühmten Abteien, wie Fulda und Hersfeld, konnte es wohl kaum an Pracht und Reichtum feiner Gebäude wetteifern. Aber ein Kirchlein muß es auch schon be­sessen haben, und von diesem sind uns ansehnliche Teile noch erhalten. Günstiger als an vielen anderen Orten hat hier das Schicksal trotz aller Verwüstung und Ver­wahrlosung, die über die Schlüchterner Kirche hereinge­brochen sind, gewaltet.

Es war schon manchem bekannt, daß der Kohlen - keller, der sich unter dem Chor der einstigen Kirche be­findet, Teile einer uralten Krypten-Anlage birgt, ein merkwürdiges Labyrinth niedriger gewölbter Gänge, von denen manche bei der allmählichen Verschandelung des ehrwürdigen Baues vermauert worden waren. Diese unterirdische Gruftkirche der alten Abtei konnte jetzt, soweit als möglich, wieder freigelegt werden. Zugleich wurden beträchtliche Teile der äußeren Mauern der ehe­maligen Klosterkirche durch Grabungen festgestellt. Es trat eine überaus interessante Anlage von beträchtlichem Umfang zutage. Wir kennen jetzt die Schlüchterner Klosterkirche, wie sie um das Jahr 800 den Mönchen und der Landbevölkerung der Umgegend als Gotteshaus diente.

Den Grundriß der Kirche zeigt untenstehender Plan, auf dem die Mauerzüge des karolingischen Baues völlig schwarz eingezeichnet sind. (Räume ABC D). Zu­nächst wurde festgestellt, daß der östliche rechteckige Raum der Krypta (I) erst spätromanischer Zeit (um 1200) angehört. Die ursprüngliche östliche Abschluß­mauer der alten Krypta wurde nach der Hinzufügung dieses östlichen Raumes (I) durchgeschlagen, konnte aber in ihren Fundamenten im Erdboden noch nachgewiesen werden. Ihr einstiges Vorhandensein läßt sich auch noch beim ausgehenden Mauerwerk beobachten. Der öst­liche rechteckige Raum (I) der Krypta kommt somit für den karolingischen Bau nicht in Betracht. Durch eine Grabung außen an der Südmauer des Chores und durch stellenweises Entfernen des Verputzes innen in der Ab- dreas-Kapelle (II) konnten die beiden äußeren Ecken der mittleren Chornische jestgestellt werden. Damit war ein wesentlicher Anhalt zur Rekonstruierung der karo­lingischen Chorpartie gegeben.