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Nr. 4 <Z)cDcScDtZ)L)cDcA(DcDL)L)^iScS(D(SOO(Dcs Unsere Heimat <3<2><3<2‘2><3<3iS<3®‘2<5><2®®®<5>®<5><3><2><2> Seite 1 2 1

stehen sie weder nach Form noch Inhalt vor strenger Kritik. Trotzdem weckt seine uns heute naiv er­scheinende Art, in deutschen Versen über Gott und alles mögliche in der Welt sich lehrend zu verbreiten, sofort unser Interesse und fesselt es dauernd.

Kreß hat auch versucht, Kirchenlieder zu dichten. Einige Strophen aus dem mit dem Refrain: „Der jüngst' Tag ist nit weit", seien hier wiedergegeben. Wir merken gleich, warum die Lieder Paul Gerhards, eines Zeitgenossen des Krcssius, eine längere Lebensdauer auf- weisen und eine Bedeutung für das Glaubensleben der evangelischen Gemeinde auch des 20. Jahrhunderts be­sitzen. Trotzdem interessieren auch sie, weil sie uns zeigen, worüber ein Pfarrherr jener Zeit ein Herzbe- weglich' Klagelied anzustimmen Ursach zu haben glaubte. Da heißts:

1. Hör und merk's doch, liebes Teutschland, Ob nicht alle Sund und Schand, In Gottes Wort beschrieben, Ietzund werden getrieben.

2. All Furcht Gottes ist verschwunden, Selten wird gefunden, Der Gott vertrawe Und auff ihn bawe.

3. Nun hat vberhand genommen

Vnd groß stärck bekommen

Die Abgötterey

Aberglaub und Zauberey.

4. Reine Lehr' wird nichts geachtet,

Sondern gantz verachtet:

Denn der Sabbathtag

Wird jetzt gemacht zum Sündetag.

5. Evangelisch wer sich nennet

Vnd Christum bekennet,

Thut man sehr hassen,

Verfolgen vieler Massen.

6. Störrig den Eltern die Kinder

Vnd wild sind wie Rinder, Wider sie schmähen Belügen vnd verletzen.

7. Sehr schlecht steht's in allen Landen,

Daß nunmehr vorhanden

Pest, theurung, Kriegsgeschrey, Blutvergießen mancherley.

8. Itzt ist Streit zwischen den Freunden:

Denn sich selbst anfeinden

Nah Blutsverwandte, Brüder vnd gut bekandte.

9. Schlemmen vnd Prassen nun wol gselt

Dem größten theil der Welt:

Da Heist's ©feil Sauff auß Oder troll dich zur Thür nauß.

10. Schinderey, Geitz, Wucher, Diebstahl

Gehn im schwang vberal:

Bey dem Verkauffen

Muß der Betrug vornlauffen.

11. Heutiges tags ist breuchlich Ioabs krutz

Und Iudä falscher Kuß:

Der mund grüst freundlich, Aber das Herz meints feindlich.

12. Lästerung, verleumbdung, lügen,

Falsch Zeugnuß vnd trügen

Seynd hoch gepriesen:

Wahrheit ist's landts verwiesen.

Hab' während des Lesens dieser Reime mich wiederholt vergewissern müssen, ob das wirklich schon 1634 gedruckt ist, so gut paßt manche Klage zu einer gewissen andern Zeit, die wir besser kennen. Oder ist's vielleicht so, daß sich eine jede Generation mit den­selben Feinden herumschlagen muß? Jawohl, so wird's

wohl sein. Die einen unterliegen, die andern siegen — heute, wie einst. Und doch ist ein Unterschied in der Führung dieses Kampfes zwischen manchen Zeiten. Da­mals schlug man mit Knütteln auf die Giftschlangen los, heute werden Dolksverderber mit Gleichmut ertragen, mitunter sogar prämiiert.

»Und nun einige von Iohannis Kressti Rätseln:

Welch Thier haben, auch nach ihrem End, In aller Welt das Regiment?

Antwort.

Ein Kalb, ein Gans vnd ein Bien klein

Die gantze Welt beherrschen fein:

Das Kalb geschlacht gibt's Pergament,

Die Gans geropfft reicht Feder behend,

Die Bien bavt die Bienrosen gut,

Daraus der Mensch Wachs schmältzen thut:

Aufs Pergament, wanns auch schon schlecht,

Schreibt man Göttlich und Menschlich recht:

Mit Wachs man solch Mandata gut

Bekräfftigen vnd segeln thut.

Durch die 3 wirb zu jeder zeit

Regiert das Recht vnd Billichkeit,

All Statuten und Satzung gut

Durch die 3 man handhaben thut.

Abr doch führt jetzt an manchen end

Das Kalbfell das stärkste Regiment,

Man hört nunmehr fchir überall

Mit trawrigkeit den Trommelschall,

Dem Kalbfell die Welt folgen thut

Theils mit fremden theils mit vnmuth,

Die Trommel schallt zu Nacht vnd Tag

Vnd preßt gelt auß mit Weh und Klag,

Sie exequiert manch streng Mandat

Van wegen unser Missethat,

Weil Teutschland Gottes Wort veracht

Vnd sein trew Warnung hat verlacht.

Drumb wenn du hörst den Glockenklang,

So dir anzeiget den Kirchgang,

Alsbald gehorch Gott deinem Herrn,

Thu ihn in seinem Hauß recht ehrn.

Hör sein Wort gern an alle Tag,

So hört bald auff der Trommelschlag,

Kaust wider in dem frieden seyn

Vnd dich auch besser nehren fein.

Raht was haben die alten Leut

Durch diß Gemähls uns angedeut:

Gin Weib den Himmel schämet an

Vnd thut aufs einer Schnecken stahn

Mit der rechtn Hand die schlllssej tregt

Vn auff den Mund die link Hand legt?

Antwort.

Sie haben vns gelehret fein

Wie ein Hausmutter gethan soll seyn.

Ein fromm Hausmutter muh all stund

Zu Gott beten von Hertzengrund.

Daß er wöll segnen jederzeit

Ihr Haußhaltung Müh vnd Arbeit.

Ihr Kinder und Gesind regieren.

Vnd sie zu allem guten führen Vnd wie ein Schnecke früh vnd spath In jhrm Hauß jhre Wohnung hat Dasselb nicht leichtlich von sich legt, Sondern an all Ort mit sich tregt, Also soll ein Weib keiner zeit Von ihrem Wohnhauß laufsen weit. Sondern darinnen stettig seyn Vnd jhrem berusf abwarten fein Sie muß die Schlüssel auch allzeit Bey sich bewahren auff der Seit Recht häußlich vnd vorsichtig seyn Vnd alle Ding bewahren sein Sie soll auch jhre Jung vnd Mund Zu zäumen wissen alle stund Auff daß sie langsam sey zur red Weil stillschweigen jhr wol ansteht Dann ein Weib so fein schweigen kan