Einzelbild herunterladen
 
  

Nr, 2/3 S-SS>Ä>-SS>S><>S>->Ä>S-.S>SS>Ä>SS> Unsere Heimat

z. B. sieht man auf ihr den Kaiser Otto II. von Frank­furt (24. Mai) über Fulda (27. Mai) nach Erfurt (6. Juni) ziehen. Auch Heinrich VI. nahm 1190 seinen Weg über Fulda (15. Juli) nach Frankfurt (17. Suli). 1227 zog König Heinrich VII., der jugendliche Sohn Friedrichs II., und 1289 König Rudolf (von Habs- burg) von Gelnhausen über die Kinzigstraße und Fulda nach Erfurt. 1296 reiste umgekehrt Kaiser Adolf über Eisenach (29. Mai) nach Frankfurt (24. Suni). 1506 zog Kaiser Maximilian durch das Kinzigtal nach Geln- Hausen, wobei ihn Landgraf Wilhelm von Hessen mit 100 Pferden begleitete. 1522 sah unsere Heimat aber­mals hessische Truppen. Landgraf Philipp der Groß- mütige zog mit seinem Heere von Gelnhausen heran und eroberte am 24. Oktober das Schloß Frowins von Hütten zu Hausen, die Burg Stolzenberg und die Städte Salmünster und Soden, weil sich Frowin Franz von Sickingen angeschlossen hatte. Dagegen hat Luther auf der Rückreise vom Reichstage zu Worms im Früh­jahre 1521 die Kinzigstraße nicht benutzt und ist somit auch nicht bei dem genannten Frowin von Hütten auf Stolzenberg Gast gewesen.'^) Er reiste vielmehr von Frankfurt über Friedberg, Grünberg, Alsfeld und Hers­feld nach Eisenach. Wohl aber zog im August 1543 und im Dezember 1557 Philipp Melanchthon unsere Straße und übernachtete bei Abt Peter Lotichius im Kloster zu Schlüchtern.^) 1558 kehrte der Kurfürst von Sachsen nach dem Wahltage zu Frankfurt über Hanau, Gelnhausen, Steinau, Schlüchtern und Fulda nach Sachsen zurück. Die sächsischen Fürsten scheinen überhaupt die Kinzigstraße öfters benutzt zu haben. Schon 1552 hatte Graf Ehristoph von Oldenburg 1000 Mann sächsische Truppen über sie nach Ungarn geführt. Auch 1568 zvg ein sächsischer Heerhaufe (800 Reiter) unter Herzog Hans Wilhelm von Sachsen durch Schläch­tern und durch Steinau, wo der Herzog im dortigen Schlosse Quartier nahm (26. Sammt). 1574 reiste der Kurfürst von Mainz das Kinzigtal hinauf und über Fulda nach Eisenach. Um dieselbe Seit benutzte der Herzog Johann von Sachsen-Weimar und 1581 der Herzog Friedrich Wilhelm von Sachsen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern die Straße von Eisenach über Bacha, Fulda und unsere Heimat nach Frankfurt und Heidelberg. Ebenso schlugen die Kinzigstraße 1599 der Erzherzog Maximilian von Oesterreich und im Fahre 1608 Fürst Johann Georg von Anhalt ein, letz­terer auf einer Reise nach Laugenschmalbach. Auch der Kurfürst von Sachsen nahm wieder den Weg über Eise­nach, Bacha, Hünseld, Fulda, Schlächtern, Steinau, Gelnhausen usw., als er mit einem Gefolge von 428 Personen und 363 Reit- und Kutschpferden im April 1612 zur Wahl des Kaisers Matthias nach Frankfurt zog: ebenso sein Nachfolger Kurfürst Johann Georg,

'°H Die Sage stammt aus Landau, Ritterburgen, III, 6. 223. Doch hat sie Landau später richtig gestellt (Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte", 1856, 6. 657). Bergl. auch Rommel, Geschichte von Hessen", Kassel 1827, III, 6. 266 und Fuchs, Geschichte des Kollegiatstifts und der Pfarrei Salmünster", Fulda, 1912, S. 36, Anm. 2.

83) Schiele,Die Reformation des Klosters Schlüchtern", Tübingen 1907, S. 97. Rullmann,Geschichte des Klosters S<t)lücht«n", H. Teil, in derZeitschrift für hessische Geschichte und Landeskunde", R. F., VII, S. 177.

£^^@^@<^@^^L®^^C2>C2>C2>CS><2><2)C2)<2)<2)CS> 0ßitc 115 als er sich im März 1638 mit 800 Pferden zu einem gleichen Zwecke ebendahin begab.

In den folgenden Seiten mit ihren großen Kriegen diente die Frankfurt-Leipziger Straße vielfach als Heer­straße. So fanden auf ihr namentlich im Dreißigjäh­rigen Kriege so zahlreiche Truppendurchmärsche durch unsere Heimat statt, daß deren Aufzählung viel zu weit gehen mürbe.34) Damals ist sie von Eigiften und Unioniften, von Kaiserlichen und Schweden, von Kroaten und Franzosen u. a. m. benutzt tootben. Bon 1621 bis zum Schlüsse des Krieges dauerten diese Truppenbe- wegungen mit ihren Schrecken und Heimsuchungen fast ununterbrochen an. Selbst noch im Juni 1649 zogen schwedische Truppen durch. 1631 reiste auch die Kö­nigin Eleonore von Schweden, die Gemahlin Gustav Adolfs, durch unsere Heimat und übernachtete im Schlosse zu Steinau 36), und am 23. September 1655 wurde der Leichnam Herzog Bernhards von Weimar, von Breisach kommend, wo er seit 1639 ruhte, unter entsprechender Begleitung auf einem schwarz verhängten Wagen, der mit 6 Pferden bespannt war, durch unsere Heimat nach Weimar übergeführt?^)

Im Siebenjährigen Kriege bildete das Kinzigtal eine Hauptanmarschstraße der auf Seite der Feinde Friedrichs des Großen stehenden Franzosen. Besonders im Jahre 1757 sind große Truppenmassen durch unsere Heimat gezogen. Die französischen Durchmärsche dauer­ten bis 1762, in welchem Jahre endlich die Wälschen den Rückzug antraten.

Auch in den Revolutionskriegen hat die Kinzig­straße öfters als Heerstraße gedient. So marschierten z. B. 1792 und 1793 auf ihr preußische Truppen an den Rhein: auch König Friedrich Wilhelm II. ist damals durch unsere Heimat gekommen. 1796 dagegen wieder zog eine französische Armee, die bei Wärzbnrg geschlagen worden war, durch unsere Gegend und wurde von österreichischen Truppen und Bauern aus dem Spessarte hart verfolgt.

Ebenso spielte die Frankfurt-Leipziger Straße in den Napoleonischen Kriegen eine wichtige Rolle. Schon 1805 führte der Marschall Bernadotte die französischen Okkupationstruppen aus Hannover durch das Kinzig­tal Napoleon nach Süddeutschland zur Verstärkung seines gegen die Oesterreicher und Russen marschierenden Heeres zu. Bon 18061813 sind dann wiederholt starke französische Trnppenkörper anf unserer Straße nach Norden gezogen, besonders im Sommer 1812 und im Frühling 1813. Auch Napoleon selbst hat sie mehr­fach während dieses Zeitraumes benutzt. Namentlich aber bewegte sich der Rückzug seines geschlagenen Heeres nach der Schlacht bei Leipzig ganz auf dieser Straße, worüber ja mehrfach in diesem Blatte berichtet worden ist. Sie hat damals sicherlich mehr Tote und Sterbende gesehen, als seit der Seit ihres Bestehens überhaupt, und Tausende von Gräbern säumen ihre Flanken. Auch Teile der verfolgenden russischen, öster-

34) Näheres darüber ist u. a. zu finden in der Abhandlung von RullmannDie Einwirkungen des 30jährigen Krieges auf dir Stadt Schlüchtern und ihre Umgegend" in derZeitschrift füe Hess. Gesch. und Landeskunde", N. F., Bd. VI, S. 201250.

5) Ebenda, S. 238.

°H Jsenburgische Geleitsakten a. a. O.