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Seite 96 ®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®® ilnfßrc Heimat ®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®® Nr. I

denen hatten sich etwa 110 eingesunden. Unter den aus­wärtigen Gästen wurden unter anderen bemerkt: Seine Exzellenz der Herr Oberpräsident Hengstenberg, der Herr Regierungspräsident Graf von Bernstorfs und seine Schwe­ster, Frau Gräfin von Bernstorff Vorsitzende des Be- zirksverbandes der Vaterländischen Frauenvereine, der frühere Landrat des Kreises, Graf zu Solms-Laubach und Gemahlin, Seine Exzellenz der Kaiserliche Gesandte Herr von Müller amb Fräulein von Müller, Schwester des­selben, die Frau Oberin des Kasseler Diakonissenhauses, Pfarrer Blackert-Kassel, Professor Thielemann - Fulda, Landrat von Ferin-Hünfeld, Geheimer Sanitätsrat Dr. Hufnagel-Bad Orb und Dr. Gunkel, der Leiter des Land- Krankenhauses in Fulda.

Die Feier wurde durch den von den Schwestern vor- getragenen Gesang:Lobe den Herrn", und ein Gebet des! Herrn Superintendenten Orth eingeleitet. Sodann begrüßte Herr Landrat Balentiner alle Gäste und sprach Freifrau von Stumm nochmals den tiefempfundenen Dank des Kreises für ihre hochherzige Stiftung aus. Auch allen denen, die bei der Errichtung des Krankenhauses mit« gewirkt, sei es durch Rat oder Tat, galt sein Dank. Dann gab er bekannt, daß der am Morgen zusammenge-, tretene Kreistag einstimmig die Gründung eines Freibet- tenfonds unter dem Namen Kaiser-Wilhelm-Iubiläums- Stiftung beschlossen habe. Aus dessen Zinsen solle solchen pflegebedürftigen geringer bemittelten Kreisangehörigen, für welche die öffentliche Armenpflege nicht in Betracht kommt und die auch durch die soziale Gesetzgebung des Reiches nicht gestützt werden, unentgeltlich oder gegen einen ge­ringen eigenen Beitrag Aufnahme in den drei Kranken­häusern des Kreises ermöglicht werden. Hierzu habe der Kreistag die Summe von 20 000 Mark aus Kreismitteln zur Verfügung gestellt. Zu diesem Fonds seien schon jetzt erhebliche Zuwendungen von privater Seite hinzugekommen: Bom Herrn Botschaftsrat von Kühlmann-London und Frau von Kühlmann, Freifrau von Stumm, je 5000 Mark in bar und des weiteren für die nächsten fünf Jahre je 1000 Mark, die nicht zum Kapital geschlagen werden sollen; von Graf Eberhard von Tattenbach unb seiner Ge­mahlin, geborenen von Stumm, 2000 Mark, von Fräulein Denhard und Herrn und Frau Adam Schlier, geborenen Denhard in Frankfurt am Main (aus Schlächtern stam­mend) 50 Mark, von ungenannter Seite 300 Mark.

Schließlich bat er Freifrau von Stumm, den sicht­baren Ausdruck des Dankes des Kreises in der Aufstel­lung ihrer von Pros. Seeböck gehauenen Marmorbüste in der Eingangshalle des Krankenhauses zu erblicken. Hiernach sprach Seine Exzellenz der Herr Oderpräsident dem Kreise feine Glückwünsche aus und machte Mittei,- lung von der Verleihung folgender Allerhöchster Aus­zeichnungen: des roten Adlerordens 4. Klasse an den Kreis­arzt Medizinalrat Dr. Eauer-Schlüchtern, des Kronen­ordens 4. Klasse an den Kreisrentmeister Pfalzgras- Schlüchtern, des Charakters als Sanitätsrat an Herrn Dr. med. Stern-Schlüchtern. Herr Pfarrer Blackert^ Kassel hielt eine Ansprache an die Schwestern, die ihr neuen Kreiskrankenhause mit der gleichen Hingabe und Opferfreudigkeit ihr Werk verrichten sollten und würden, wie sie es im alten getan. Herr Bürgermeister Albrecht-Schlächtern teilte den von den städt. Körper­schaften einstimmig gefaßten Beschluß mit, die zum Kreis­krankenhaus führende StraßeLudovica von Stumm« Straße" zu benennen, Herr Stadtverordnetenvorsteher, 3u= stizrat Henrichs-Schlüchtern, gab bekannt, daß von der Stadt Schlüchtern eine Summe gut Anschaffung von Korb­sesseln bewilligt morden sei. Herr Architekt Markwort- Darmstadt sprach über die Entstehung und Fortentmicke- lung des Baues, Herr Dr. Stern erläuterte feine In­nenausstattung. Zuletzt gab Freifrau von Stumm ihrem Dank an alle diejenigen Ausdruck, die die Vollendung des Werkes ermöglicht hatten, und brächte auf 6e. Majestät den Kaiser, der sie durch die Verleihung des Luisen­ordens geehrt hat, ein Hoch aus. Ein Rundgang durch den Bau unter der Leitung des Herrn Dr. Stern gab Gelegenheit, sich eingehend über seine Einteilung und Einrichtung zu unterrichten. Sodann wurden die Gäste

an fünf mächtigen Tischen von den Schwestern mit Kaffee und Kuchen auf das liebenswürdigste bewirtet.

So wäre denn das neue Haus in Gebrauch ge­nommen. Das alte Krankenhaus an der Bahnhofstraße steht gegenwärtig verlassen da. Es ist verkäuflich.

Die Stadt Schlüchtern steht auch vor teuren Projekten, die der Verwirklichung harren. Wenn nicht alles trügt, werden die Gemeindenmlagen in nächster Zeit nicht unbe« trachtlich wachsen, und man kann's verstehen, wenn sich die Herren Stadtväter bedenklich hinter den Ohren Kratzen und fragen:Wie sparen wir?" Das ist recht so; denn das Sparen am rechten Platze ist ja eine feine Ein­nahmequelle und immer zu empfehlen. Das Schlacht­haus, dessen Erbauung bedrohlich nahe gekommen war, ist von der Stadtverordneten-Bersammlung in einer hoch­interessanten Sitzung nach einem überaus klaren, das Für und Wider sorgfältig abwägenden Vortrage des Herrn Zustizrats Henrichs abgelehnt worden. Ob's dabei bleibt? Nun spuken auch Kanalisation und Klärbecken wie« her; unb das neue Schulhaus wird wohl erstehen, sobald der neue Uebungsschulvertrag zwischen Stadt und Staat ganz unter Dach gebracht worden ist. Auch er bringt Neuerungen, die wohl allen wirklich Beteiligten nicht leichteingehen". In die Seminarübungsschule gingen seither die Knaben, in die Stadtschule die Mädchen Nun wird dieCoeducation", die man anderwärts ab« schafft, bei uns eingeführt, und beide Schnlen sollen in Zukunft Knaben und Mädchen acht Jahre lang unterrichten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß man später wieder zum Alten, b. h. zur bisherigen Weise, zurückkehrt. Am Seminar ist ein neuer Titel eingekehrt. Herr Seminar- Oberlehrer Nielsen ist Prorektor geworden. Das Semi­narlehrerkollegium setzt sich gegenwärtig aus folgenden Herren zusammen: Kalbe (Direktor), Nielsen (Prorektor), Keller (Oberlehrer), Geisel, Walther, Gremmels, Groß.

Die neue Kirche in Herolz von der alten ist nur der Turm stehen geblieben wurde vor einigen Wochen durch Herrn Dechanten Atzert-Romsthal eingeweiht. Herr Pfarrer Ittcr ist von Sterbfritz nach Langenselbold ver­setzt worden, Herr Lehrer Mai von Steinau nach Sal- münfter. Herr Pfarrer Ehringhaus feierte am 1. Dezember sein 25jühriges Amtsjubiläum als Pfarrer von Mottgers, Weichersbach und Schwarzenfels. Dem treuen Helfer un= seres Bundes herzlichen Glückwunsch!

Wenn ich nicht irre, waren es im Dezember 50 Jahre, daß der bayrische Teil von Ziintersbach preußisch wurde.

Herr Professor Karl Friedrich Wiegand in Zürich (früher Lehrer in Steinau) sendet uns einen Band No­vellen, betitelt:Die Herrlichkeit des Cyriakus Kopp und andere Erzählungen", auf welche wir unsere Heimat- bündler gern aufmerksam machen. Sein prächtiges Dra­ma :Marignano" erlebte am 4. Dezember in Leipzig seine Erstaufführung in Deutschland. Herr Lehrer G Zitzer übermittelte zwei Bündchen derHessischen Lese­stube".Sie enthalten volkstümliche Beiträge zur Unterhal­tung und Belehrung", gesammelt unter dem Titel:Zwi­schen den Bergen". Es sind Dorfgeschichten, die beste Empfehlung verdienen; doch gehören einzelne nicht in die Jugend- Bibliothek.

Bei der diesjährigen Personenstandsaufnahme mur« den in Schlüchtern 3369 Einwohner gezählt. Gelegentlich der am 1. Dezember 1913 stattgefundenen B:eh- und Obst- baumzählung wurde folgendes Ergebnis festgestellt: 122 Pferde, 427 Stück Rindvieh, 190 Schafe, 517 Schweine, 190 Ziegen, 17 120 Obstbäume.

Im Kreise Schlüchtern bestehen jetzt 17 Jugend­heime, unb zwar in Schlüchtern, Niederzell, Steinau, Salmänster (2), Elm, Ramholz, Herolz, Sterbfritz, Breu- nings, Neuengronau, Weichersbach, Schwarzenfels, Gün- tcrsbach, Heubach, Oberkalbach, Gundhelm. In einigen anderen Orten, denen das Heim noch fehlt, finden wir Ingendspielvereine. In einigen Jugendheimen hat man auch Beschäftigungsabende an Wochentagen eingerichtet, die sehr gut besucht sind. Und nun noch eine Berich­tigung : Die ArbeitHeimische Krankenpflege in ver­gangenen Tagen" in voriger Nummer hat Herr Medizi- nalrat Dr. Sauer geschrieben. ' Flg.

Als Manuskript gedruckt: Frankfurter Vereinsdruckerei G. m. b. H., Frankfurt a. M. Schriftleiter: Lehrer Flemmig in Schlüchtern Verlag des Heimatbundes in Schlüchtern.