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Patrizierfamilien, in Hamburg z. B haben diese Tat­sache bestätigt, ehe von Karlsruhe, einer nur mittleren Großstadt, der berühmte Statistiker Dr. Ammonsolgen- des berechnet: Von 100 in Karlsruhe geborenen lebten in der zweiten Generation noch 57, in der dritten noch 30, in der vierten Generation nur noch 15, dann ver­schwand der Stamm allmählich ganz. Dies brauchte solange nicht zu erschrecken, als das Land stets für neuen Zuzug sorgen konnte, damit dürfte es aber nun endgiltig vorbei sein. Denn in den letzten Jahren war die Entwicklung so intensiv, daß heute 2 Drittel der Reichsbevölkerung auf sie entfallen, 1 Drittel nur noch ländlich ist. Es bedarf keines Beweises dafür, daß unter solchen Verhältnissen das Land als Lieferant des verbrauchten Menschenmaterials versagen muß. Es gibt jetzt schon ländliche Bezirke, die in den letzten Jahrzehnten um ein Drittel ihrer ehemaligen Bevöl­kerung zurückgegangen sind. Gegenüber der alten Großstadt Paris, wo jetzt nur noch ein Prozent der Ausgehobenen militärdienstfähig ist, hat Berlin noch 34 Prozent Tauglicher, Berlin ist als Großstadt aber noch sehr jung. Trotz aller Fürsorge ist dort die Kindersterblichkeit 11 mal größer als in dem größten­teils ländlichen Westfalen. Dazu sind bereits 27 Pro­zent aller Ehen kinderlos. Solchen Tatsachen gegen­über gibt es keine Einwände, wir gehen mit Riesen­schritten der Entvölkerung des flachen Landes und gleichzeitig der Entkräftigung immer größerer Stadt­gebiete entgegen. Bereits nach der letzten Volkszählung wurden einige statistische Stimmen laut, die einen vor­erst noch lokalisierten Rückgang der Geburtsziffer fest­stellten, nach dem oben ausgesührten kann es nicht zweifelhaft sein, daß diese Erscheinung bei der nächsten Volkszählung sich wesentlicy deutlicher zeigen wird.

Auf dem Schulhof.

Bei unsern Rosen an der Gartenmauer

Lag ich schon eine Stunde auf der Lauer

Und endlich kani er; doch gleich sonnt’ ich's sehn, Dem Vorschulklepper war ein Leids geschehn.

Er pfiff nicht, hüpfte nicht auf einem Beine, Er ging, als zähle er die Pflastersteine.

Sonst saß der Mützenschirm ihm hinterrücks, Heut, wie es sich gehört, und seine Büx Hing ihm so eigen um die kleinen Schenkel.

Es war da was passiert mit meinem Enkel.

Das Aug' verweint, das Oehrchen rot und lang, Ein Zucken um das Mündchen. Mir ward bang. „Hat's was gesetzt denn?" rief ich ihm entgegen. „Großvater," sprach er, „ja, und deinetwegen Und wie!" — Er hob das Jäckchen in die Höh — „Du haust ja auch, doch dem sein Haun tut weh." „Wie fam denn das?" — Mir war gar nicht zum Lachen. „Du hast mir immer doch gesagt, dem Schwachen Sollt' ich beispringen. Nun, ich dipse da Mit meinem kleinen Freund — du kennst ihn ja — Er ist so klein! Da fingen zwei der Großen Auf einmal an, ihn hin und her zu stoßen.

Er fiel und schrie. Dem Größten sprang im Nu Ich an den Hals, hielt ihm die Kehle zu, Und wie sie mich verhauten, an mir rissen,

Da hab' ich einen in die Hand gebissen.

Der hat geheult. Die Schule lief zusamm!

Der Lehrer kam mit einem Stock, zog stramm

Und hat mich —" Weinend konnt er nicht mehr enden Und hielt das Höschen nur mit beiden Händen.

Verlegen sprach ich: „Ja, das ist nun so;

Doch Schwächer» beistehn muß man, wie und wo Man kann, in allen Lebenslagen ..." „Ach," rief der Knirps, „das würdest du nicht sagen, Hätt'st du mal Haue so wie ich gekriegt. Großvater, nein, du kennst das Leben nicht!"

Adolf Ey.

Heimat.

Heimat! Liebvertrauter Name,

Welch Erinnern weckt dein Klang

Mir an Stunden, wundersame,

Still verträumt am Bergeshang!

Und des Waldes Wipfelrauschen

Wieder schmeichelnd mich umfängt,

Feldrainblumen Grüße tauschen,

Blüte sich zur Blüte drängt.

Tief im Tal, gleich einer Rose,

Blüht mein Städtchen dort am Fluß,

Der, wie arme Heimatlose,

Wandern, immer wandern muß.

Und der Heimat Glocken singen

Einen Gruß zu mir herauf;

Bei dem lieben Klänge springen

Meines Herzens Pforten auf.

Drunten in den Winkelgassen

Spielte ich, ein glücklich Kind.

Nie wird mir ihr Bild verblassen,

Weil sie mir die liebsten sind.

In der roten Dächer Menge

Sucht' mein Blick nur eins sich aus,

Denk' ich dein, wird's Herz mir enge

Mutterliebe! Vaterhaus! — —

Heimat! dieses Wortes Segen

Macht das Herz mir warm und groß.

Möcht' zum letzten Schlaf mich legen

Einst der Heimat in den Schoß.

Helene Brehm.

Mit Bezug auf die Frage nach dem Ursprung des Namens Pallisaden für die bekannten Schlüchterner Wecke teile ich folgende uns s. Zt. im Progymnasium von Herrn Seminarlehrer Leimbach dazu gewordene Erklärung mit: .

Schlächtern war früher durch einen breiten Wasser­graben und einen mit Schanzpfählen besetzten Erd­wall befestigt. Diese Pallisaden mußten von Zeit zu Zeit ausgebessert und erneuert werden, welche Arbeit den Bürgern als Frondienst oblag. Als einziges Ent­gelt dafür wurden ihnen dabei etwas feiner und besser als die gewöhnlichen Wecke gebackene Brötchen verab­folgt, die infolgedessen den Namen „Pallisadenwecke" oder kurzweg „Pallisaden" erhielten.

Wächtersbach. Lehrer Werner.