Einzelbild herunterladen
 

210 -

Hn unsre Jugend.

Ihr wackern deutschen Knaben, ihr lieben deutschen Mädel, unser schönes Vaterland liebt ihr alle von ganzem Herzen. Begeistert stimmt ihr die herrlichen Lieder an: Deutschland, Deutschland über alles . . . In der Heimat ist es schön . . . Nun ade, du mein lieb Heimatland . . . oder ihr singt, wenn ihr durch Wald und Flur so fröhlich dahinzieht, die allbekannten Weisen: Durch Feld und Buchenhallen . . . und Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben!

Unser Land ist so reich an herrlichen Naturschön- Heiten. Berge und steile Felsen steigen empor; im Talgrund rauscht der Gebirgsbach; lichte Buchenwälder schmücken die Hänge; dunkle Fichten thronen auf den Höhen; ernste Kiefern bedecken die sandige Ebene. Langsam zieht der Fluß durch die Au; blumenreiche Wiesen wechseln mit goldenen Feldern; zwischen dem Grün der Obstbäume schauen die roten Dächer der Dörfer hervor, und aus der Ferne grüßen uns die Türme der Städte, deren hastigem, ruhlosem Treiben wir auf einige Stunden entflohen sind.

Was gibt es alles zu sehen, zu hören hier in freier Natur! nicht müde wird man zu lauschen. Die Vögel singen so froh ihre Lieder; die bunten Falter flattern von Blume zu Blume; die Bienen summen im Obst­baum. Am Rande des Baches sonnt sich die harmlose Natter, im Tümpel des Steinbruchs Unken und Molche, goldglänzende Laufkäfer auf dem sandigen Boden.

Ihr Knaben und Mädchen, so jung ihr seid, ihr alle könnt mithelfen, daß uns solch reine Freude an der Natur erhalten bleibe. Die lieblichsten Geschöpfe unsrer Heimat, Blumen, Vögel, Schmetterlinge u. a., haben gar so viele Feinde unter den Menschen, die das zarte Leben dieser Naturkinder nicht achten, sondern ihnen aus Bosheit oder Gedankenlosigkeit ein trauriges Ende bereiten. Viele schöne Pflanzen, manches anmutige Vöglein, schillernde Falter, deren frohes Spiel uns erfreute, manche unschuldige Schlange, buntfleckige Salamander und Molche hat man -in dieser oder jener Gegend unsrer Heimat bereits völlig ausgerottet, oder es sind einzelne der genannten Geschöpfe doch schon so selten geworden, daß man ihnen heute nur noch auS- nahmsweise begegnet. Helft uns, damit unsre Heimat nicht weiter veröde! Erhalten! das sei die Losung, nicht — vernichten!

Auf eitern Spaziergängen und Ausflügen, beim Spiel auf der Wiese oder am Waldrand denkt immer daran, daß ihr kein solch zartes Leben grundlos ver­nichtet, und wenn ihr seht, daß Kameraden an der Natur und ihren Geschöpfen sich vergehen, so legt ein bittendes oder warnendes Wort für eure Lieblinge ein!

Von „wilden Blumen" gibt's nicht so viele, daß jedes einen großen Stranß sich mitnehmen dürfte. Glaubt ihr, die Blume habe keinen höheren Zweck, als im Glas zu verwelken oder — weggeworfen — am Weg zu vertrocknen? Tausend Insekten, darunter Bienen und Schmetterlingen, gibt ihr Kelch süße Nahrung. Und wenn ihr doch meint, wenigstens ein kleines Sträußchen euch pflücken zu müssen, so schont

Wurzeln und Blattwerk! Wer nach euch des Weges zieht, will sich auch noch erfreun.

Den bunten Faltern stellt nicht nach! Es ist so häßlich, ihr frohes Leben vernichten zu wollen. Habt ihr's getan, so reut euch der Frevel; die rohe Hand kann wohl töten; aber das geraubte Leben zurückgeben, liegt nicht in eurer Macht. Der lebende Schmetterling, wie er im Sonnenglanz über der Wiese flattert, sei eure Freude, nicht der auf die Nadel gespießte, der euch nichts weiter sagt, als wie sein Kleid aussieht.

Tötet nie eine Schlange, es sei denn die giftige Kreuzotter, nie Frosch oder Kröte, Eidechse, Salamander und Molch! Gerade diese ver­achteten und verkannten Tiere haben unter Rohheit und Aberglauben der Menschen viel zu leiden. Seid Beschützer der armen Verfolgten! Gönnt ihnen ihr Leben in freier Natur! Daheim im Wasserbehälter oder in der vergitterten Kiste gehen sie elend zugrunde.

Wo ihr ein Vogelnest im Gezweig wißt, in der Hecke, im Garten und Hof, da verschweigt euer Ge­heimnis ! Wo es euch nötig erscheint, tragt Dornen herzu, der Katze zu wehren; vermeidet aber sonst jede Störung! Wer Vogelnester ausnimmt, der frevelt an der Natur. Ehrt im Geschöpfe denSchöpfer!

Und weiter, achtel auf euern Spaziergängen fremden Besitz! Zertretet nicht mutwillig das Getreide, das Gras der Wiese, brecht nicht Zweige von den Bäumen oder die jungen Triebe uom Weidenge- büsch, die Gerten des Haselstrauchs usw. Vor allem aber achtet und ehrt den deutschen Wald! Weicht vom betretenen Wege nur ab, wo es erlaubt ist! Stört den Waldfrieden nicht durch rohes Ge­schrei ! ihr stört sonst die Ruhe des Wildes, des brüten­den Vogels, die Andacht jedes Naturfreundes. Ver­unziert den grünen Teppich nicht durch umhergeworfenes Papier, durch zurückgelassene Reste der Mahlzeit! Denkt immer daran:

„Was dir zu Hause nicht artig scheint, Ist auch im Walde schlimm gemeint."

Bedenkliche Wahrheiten.

Der Stolz unserer heutigen Kultur sind die Groß­städte, deren Anziehungskraft auf das flache Land in unverminderter Stärke weiter besteht. Wenn aber nicht alle Anzeichen täuschen, werden in verhältnismäßig kurzer Zeit irgendwelche Maßregeln erwogen werden müssen, die der mit dem Sieg der Deutschen über die Franzosen vor 40 Jahren begonnenen Entwicklung Einhalt gebieten. Es steht unwiderleglich fest, daß die Großstadt den einzelnen Menschen viel zu schnell ver­braucht. Der Zuwachs wird vom Land geliefert, das ehedem in gewissem Sinne zu stark bevölkert war, weshalb der Zug nach der Stadt wohl vertragen wurde. Wie nun aber die Statistik der letzten Jahre zeigt, ist es völlig ausgeschlossen, daß das Land weiter wie bis­her das Menschenmaterial ersetzen könnte, das die Großstadt verbraucht. Es ist gar nicht neu, daß der typische Städter, d. h., der in der Großstadt Geborene, wenn seine Nachkommen Großstädter bleiben, in der 5. Generation mit dem völligen Verschwinden seines Stammes zu rechnen hat. Die stets gut beobachteten