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stehen und gab seinen Schuß ab, der fehl ging. Meister Lampe lies noch eine Strecke den Berg hinauf, setzte sich dann hin und strich sich, gleichsam den Jägern zum Spott, die Löffel. Gleich nach den März­tagen fällt die Gründung des ersten Turnvereins in Schlüchtern. Die Hanauer Turner hatten durch ihre Disziplin und patriotische Haltung Aufsehen erregt, und überall in den kleinen Städten Gelnhausen, Steinau, Schlüchtern, Fulda wurden Turnvereine gegründet. In Schlüchtern trat eine Anzahl junger Leute zusammen: Hermann Lanibert, der spätere Kreis- tierarzt, Kaspar Klöber, Karl May, Moses Ahlefeld u. a. und gründeten den Turnverein, um dessen rasche Entwicklung sich der Turner und Goldarbeiter Wilhelm Link aus Hanau besonders verdient machte. Die Zeiten waren nicht für das Arbeiten, und er hielt es für an­genehmer und zweckdienlicher, die schlechte Zeit bei seinen Verwandten, dem Klosterrentmeister Lorenz und seiner schönen Schwester Frieda, die unter den Hono­ratioren der Kreisstadt eine hervorragende Rolle spielte, zuzubringen. Link, von mehr als mittlerer Größe, war ein auffallend schöner Mann von geradezu klassischem Ebenmaß der Glieder, mit mächtigem, wohlgepflegten Bart. Seine turnerische Leistungen waren hervor­ragend und elegant. Er organisierte den Verein nach dem Muster des Hanauer Turnvereins und brächte ihn gleich, anfangs in das rechte Fahrwasser. Der Ver­ein fand bei der Bürgerschaft ungeteilten Beifall. Turnwart wurde Hermann Lambert, Leiter des Ge­sanges, der sehr gepflegt ward, ein aus Fulda stammen­der, musikalisch beanlagter Schreiber der Klosterrenterei, namens Ney. Zum Turnplatz wählte man das Dreieck zwischen der Elmer und Herolzer Landstraße, das nach Osten zu von Gärten abgeschlossen wurde. Der Platz, von hohen Pappeln flankiert, war geräumiger und bot einen schöneren Anblick wie heute. Das Ver­einslokal war die erste Etage der nahe dabei liegenden Wirtschaft von Heinrich Lottich. Rasch erhoben sich Turngeräte, Barren, Recks, Gerüste wurden aufge­schlagen, und bald entwickelte sich vor dem Krämertor, draußen an der Schneidmühle ein reges turnerisches Treiben. Wenn die Rathausglocke 8 läutete, der Schuster den Pechdraht aus der Hand legte, der Schreiner den Hobel ausklopfte, der Schlosser den Schraubstock ver­ließ, der Schneider Elle und Schere an die Wand hing, der Schmied die Esse löschte, dann zog das junge Volk sreudigen Mutes hinaus auf den Turnplatz, um an Reck und Barren Sehnen und Muskeln zu kräftigen und turnerische Fertigkeiten zu erwerben, allerwegen eine gesunde, andauernde Begeisterung. Einfach, aber praktischund^gleichmäßig gekleidet, sahdieturnerischeJugend schmuckgenug aus. HoseundJacke,diese einreihigmit kurzem Schoß Weste wurde verschmäht - aus ungebleichtem Leinen, das Mutter und Schwester selbst gezogen und gesponnen hatten, dazu ein grauer Filzhut mit doppelter Quaste. Statt der Hosenträger trug man einen starken Ledergürtel. Auch im Waffenhandwerk wurde geübt. War an den Wochentagen der Turnplatz abends unter strenger Kontrolle besucht, so zog die junge Schar- Sonntags hinaus ins Freie, in das duftende Waldes­

grün, und lag dorten militärischen Uebungen ob. Am Abend erfolgte, geschmückt mit grünen Zweigen, unter Gesang der Heimmarsch. In den jungbürgerlichen Kreisen war namentlich durch die Gründung des Turn­vereins eine Dissonanz eingetreten; die immer schroffer hervortrat. Die beiden Zipfs-Parteien standen ein­ander nicht freundlich gegenüber. Die demagogischen Führer waren Lehrer Hillberg und der Seminarmusik- lehrer Weber, beide hochbegabte Männer. Hillberg, der hervorragendere, trug einen langen Demokratenbart. Wo hätte früher ein Staatsdiener, oder gar ein Lehrer ge­wagt, einen Bart zu tragen. Nur seinen Soldaten gestattete Friedrich Wilhelm den Schnurrbart. Jetzt war Freiheil. Hillberg nahm, um einer Disziplinar­untersuchung zu entgehen, später seine Entlassung und wurde Müller. Auch Weber kam einer späteren Unter­suchung zuvor und ging nach Amerika. Er war der rechte Volksredner, der die Massen zu entflammen und zu begeistern wußte. Wo er sich zeigte, sammelte sich bald die Menge um ihn; er sprang auf einen Treppen- stein und hielt eine von seinen Brandreden, die von Blut trieften, gegen Knechtschaft und Tyrannei, forderte auf zum Kampf auf Leben und Tod und zeigte als Siegeslohn im Hintergründe die goldene Freiheit. Das packte; Philipp Lottich brächte ein Hoch auf den Redner- aus, setzte sich mit Weber an die Spitze und unter dem Gesänge der vielen Freiheitslieder ging es weiter.. Staute sich der Zug, so hielt Weber wieder eine Rede, die einander glichen wie ein Ei dem andern.

(Fortsetzung folgt.)

Tanz im Dorf!

Die Fiedel jauchzt, der Brummbaß grollt,

Die Lampen schwelen, die Menge tollt,

Und alles schwärmt und lärmt und lacht

Und tanzt und tanzt die ganze Nacht,

Die ganze Nacht---

Der laute Lärm und lichte Schein

Irrt weit ins dunkle Dorf hinein ....

Dort weint, weil niemand bei ihm wacht Ein einsam Kind die ganze Nacht, Die ganze Nacht--

Aufenau. Ludwig Nüdling.

Heimatpost.

Am 28. Februar hat die diesjährige Generalver­sammlung des Heimatbundes stattgefunden. Die Vor- trägc und der Jahresbericht erscheinen inUnsere Heimat"

Wer bis zum 1. Juli seinen Jahresbeitrag nicht bezahlt hat, gestatte Nachnahme!

Neu eingetreten sind in unsern Bund:

Frau Tierarzt Lodderhose, Königstein.

Mathilde Cauer, Marburg.

Als Manuskript gedruckt. Verlag des Heim atb und es. Für die Schriftleitung: Lehrer Flemmig in Schlüchtern. Druck von C. H o h m e i st e r in Schlüchtern. ,