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Tagen, besonders aber, wie bereits im vorigen Artikel angegeben, am 12. März, dem Gregoriustage und zu Neujahr ausgeteilt.

Der Gregorius- oderJörgentag" war ein Festtag für Stadt und Land. Mit ihm begann damals das Schuljahr; wenigstens verzeichnet die Bürgermeister­rechnung Hanaus vom Jahre 1591/92 einen Betrag für Wein, welcher dem Schulmeister gespendet wurde uff Gregorii, wie man die Knaben in die Schule ge­tragen nach altem Brauch". In welcher Weise ihn die Schlüchterner Gymnasiasten begingen, haben wir berei s gesehen. Nach den Gymnasiasten holten sich auchtdieStadtmägdlein" mit ihren Schulmeistern die Wecke. Jeder Schulmeister erhielt sechs große. Auch jedem Kirchen-, Schul- und weltlichen Bedienten- schickte der Klosterkeller sechs Wecke; ebenso erhielt das Kloster­gesinde seineGebühr".

Eine zweite Weckeverteilung fand zu Neujahr statt. Doch wurde dann kein Umzug veranstaltet.

Die Wecke lieferte das Kloster. Bis zum Jahre 1621 wurden jedesmal amJörgentag" und zu Neu­jahr 1 7a Malter Weizen im Gewichte von 6 Zentnern hierzu verbacken. Da sich die Zahl der Weckeempfänger aber immer mehr steigerte, so wurden nach dem 30jährigen Kriege nur noch amJörgentage" Wecke ausgeteilt. Gleichwohl mußten in den 1740er Jahren schon 5 Malter Weizen zu Wecken verbacken und 8 Gulden Bäckerlohn gezahlt werden. Das wurde dein Hanauer Konsistorium, dem die Vermögensverwaltung des Klosters unterstand, zuviel, und es verfügte 1749: Vom nächsten Jahre an sollen für das Gymnasium und die Stadtschulen keine Wecke mehr zur Verteilung kommen, sondern Geld, und es sollte erhalten ein Primaner 4 alb , ein Sekundaner und Tertianer 3 alb., ein Quartaner 2 alb. und Quintaner und Sextaner 1 alb, die Stadt- und Landschüler aber nur einen Kreuzer". Endlich hörte auch der Geldempfang auf; denn im Jahre 1830 erließ die Kurfürstliche Regie­rung folgende Verfügung:Die seitherige Gregorien- Wecke-Austeilung an die Schuljugend soll im Be­trage von 55 Gulden jährlich an das Kreisamt gegen Quittung abgegeben und unter Rubrik: Unterstützung für arme Kinder zur Beschaffung nötiger Schulbedürf- nisse, ausgablich verrechnet werden".

Damit war der Kinderwelt im ehemaligen Kloster­bezirke Schlüchtern ein froher Tag aus dem Kalender gestrichen, und wie ein Märchen klang es später der Jugend, wenn die Alten sagten:Es war zu unserer Zeit doch schöner, da bekameu die Kinder wenigstens alle Jahre am Jörgentage einen Weck".

Das tolle ^ahr.

Erinnerungen aus dem Jahre 1848.

Von Philipp Lotz.

(Fortsetzung.)

Sonst ging am Abend alles seinen gewohnten Gang; beim Jakob Leipold gingen Frau und Tochter flüchtig. Auf dem Sack wurden einige Nachbarn uuneinig und suchten durch handgreifliche Beweise ihre Differenzen

auszugleichen. In die kleinen Städte Gelnhausen, Salmünster, Steinau, Schlüchtern war zwar der Frei­heitsrausch auch gedrungen, aber man wußte anfangs nicht so recht, was man damit anfangen sollte. Erst später fing man an, hohe Politik zu treiben, Freiheit und Zensur, Republik und allgemeine Volksbewaffnung zu fordern. In der ersten Zeit, in den Märztagen, zog man die lokalen Verhältnisse und die örtlichen Miß­stände in Betracht; man forderte Abschaffung der Fronen, der Nachtwache, des Bede- und Herdschillings; Aufhebung des Klosters, Verteilung der Klosteräcker und des Gemeindelandes, freie Gerichtsbarkeit u. dgl. Wer sich irgendwie zur Geltung bringen wollte, ging während der Märztage in Uniform. Wilhelm Kolb zog sie über­haupt nicht mehr aus. Eines Tages erkrankte eine von feinen Geisen.Da muß der Doktor herbei!" Früher hätte kein Mensch daran gedacht. Der Kreistierarzt, der alte Lambert, lehnte ab, er habe keine Zeit.Was? dem wolle mer's zeige!" rief Wilhelm, zog die Uniform an, hängte um, setzte den Tschako auf und marschierte in die Schmiedsgasse.Herr Kreistierarzt, ich als freier Bürger fordere Sie auf, meine kranke Geiß in Be­handlung zu nehmen!" und dabei machte er eine nicht mißzuverstehende Handbewegung nach dem Säbelgriff. Ein Schrecken fiel auf den alten Herrn; er erklärte sich bereit, sofort mitzugehen. So zogen die beiden zum allgemeinen Gaudium in die Untergasse. Als sie ankamen, hatte die Geiß das Zeitliche gesegnet. Aber nun verlangte Wilhelm Kolb Schadenersatz von dem Tierarzt, weil er die Geiß vernachlässigt und nicht rechtzeitig behandelt habe. Recht und Gericht hatten lahme Flügel; das Gesetz schlief, und der alte Lambert hat den Wilhelm Kolb schadlos gehalten. Er wurde infolge des ausgestandenen Schreckens krank. Es war eine tolle Zeit; es galt eine Art Faustrecht; der Stärkere hatte die Macht und damit das Recht in der Hand. Alle gesetzliche Ordnung hört auf. Zügel- losigkeit und Roheit gewannen in den unteren Schichten die Oberhand. Viel Haß wandte sich gegen die Juden, und man ging allen Ernstes damit um, die Hypo- thekenbücher zu verbrennen; dabei waren die Steinauer am ärgsten. Gewalttaten aller Art, auch Erpressungen kamenvor. Gläubiger wurdendurch Drohungen gezwungen, unbezahlte Schuldscheiue zu quittieren; der höchste Be­amte unterließ eS nicht, seinen Mitbürger, auch den ärmsten, freundlich zu grüßen und ihm die Hand zu drücken. Keine Spur von der altgewohnten Subor­dination. Der Steuerinspektor Schwalm, ein vor­nehmer Herr mit aristokratischen Manieren, geriet auf seinem Bureau in politische Differenzen mit seinem Schreiber Schäfer, einem aus Trendelburg an der Dicmel stammenden jungen Menschen, der später als Stadtkämmerer in Bockenheim starb. Der Steuerin­spektor, heftig und nicht beliebt, versetzte dem Schreiber einen Schlag mit dem Lineal. Schäfer faßte die Papierschere und ging damit auf seinen Chef los. Dieser riß aus und sprang, Hülfe rufend, die Straße entlang, der Schreiber schimpfend hinter ihm her. Eines Abends kamen 2 Männer in hohen Stiefeln zum alten Viktor Stern, dem reichsten Mann in Schlüchtern,und luden