Einzelbild herunterladen
 

— 198 —

werte enthalten sind. Es mögen Turn- und Beweg­ungsspiele, Bau- und Aufstellspiele, dramatische oder andere sein, immer werden irgendwelche Anlagen, Neigungen, Fähigkeiten und Kräfte entwickelt und gefördert: der spekulative Verstand und die ästhe­tische Phantasie, die Schärfe des Auges und die Ge- schicklichkeit der Hand, die körperliche Kraft und Ge­wandtheit und die Beweglichkeit des Geistes, Gefühl und Wille, Geschmack, Gemüt und Charakter. Dazu kommt noch, daß beim Spiele wie bei keiner einzigen anderen Tätigkeit diese Kräfte sich so vielseitig und so mächtig entfalten und entwickeln, denn es beruht auf den stärksten Quellen des Schaffens: auf Freiheit und Neigung; außerdem fällt die Blütezeit des Spieles in den wichtigsten Entwicklungszeitraum des Menschen, in seinen Lebenssrühling, in dem er für solche Be­fruchtung und für alle Eindrücke am empfänglichsten ist.

Die ganz verkehrte, aber immer noch allenthalben verbreitete Auffassung des Spieles als einer „Spielerei" wollen wir nun endlich über den Haufen rennen. Wirkliches Spiel ist keine bloße Tändelei und kein „Zeitvertreib", es ist ein Schaffen, bei dem alle Kräfte des Leibes und der Seele lebendig werden; es ist der Ausdruck einer natürlichen, gesunden und körper­lichen und geistigen Entwicklung, es ist für das Kind ebenso naturnotwendig wie Atmung und Ernäh­rung, Ruhe und Bewegung. Gerade so, wie das junge Tier im Spiele zuerst seine Kräfte, Sinne und In­stinkte übt, die es später im Kampfe ums Dasein braucht, ebenso ist das Spiel für das Kind Lebensbe­dingung, Lebensinhalt, Lebenszweck; es ist wesensver- wandt mit der Arbeit und mit der Kunst, es ist der Ausdruck eines und desselben Lebensprinzips, nur gehört das Spiel einer früheren Entwicklungsstufe an. Das Spiel beruht auf einer inneren Kraft des jungen Menschen, die nach Betätigung und Entladung drängt, es beruht auf Trieben, die mit Naturnot­wendigkeit Befriedigung verlangen. Im Spiel kann sich die Kindesnatur ungehindert ausleben; wird ihr das nicht gestattet, so sucht der Kraftüberschuß und Bewegungsdrang entweder einen anderen Ausweg in Form und Unarten und Schlechtigkeiten oder diese ur­sprüngliche kindliche Kraft verkümmert und verwelkt.

Der Gedanke von der Naturnotwendigkeit und der bildenden Kraft des Spieles ist durch Fröbel und seine Schule zwar ins Leben umgesetzt, zur Tat geworden, aber er ist sozusagen im Kindergarten stecken ge­blieben, ohne die Erziehung in Schule und Haus stark genug zu befruchten. Die entwicklungsgeschicht- liche Bedeutung des Spieles ist ja nun auch von anderen Männern und von anderen Seiten her er­forscht und beleuchtet und wissenschaftlich begründet worden; wir brauchen nur noch die praktischen Folge­rungen zu ziehen. An Fröbels Ideen, die bisher fast nur dem Kindergarten zugute gekommen sind, müssen wir wieder anknüpfen, sie ausbauen und weiterbilden, damit sie auch für die Erziehung in Schule und Haus fruchtbar werden. Der elementare Unterricht ist auf den Fröbelschen Gedanken zu gründen, daß das Kind nicht in erster Linie ein anschauendes und lernendes, sondern

ein darstellendes und schaffendes Wesen ist. An diesem Gedanken soll sich die Schule der Zukunft — die „Arbeitsschule" — anfbauen, in der das vorwiegend aufnehmende ersetzt werden soll durch das „schaffende Lernen". Aber auch das Elternhaus bedarf heutzutage der dringendsten Ermahnung, das Kind länger Kind sein zu lassen und seine Entwicklung nicht noch künst­lich zu beschleunigen. (Aus der Dürrer-Bundes-Kor- respondenz.) Max Brethfeld.

Mein Dörflern schläft in Mieden.

Mein Dörfiein schläft in Frieden, Vom Mondenschein erhellt. Kein Blättlein stört die Müden, So still liegt Wald und Feld.

Und wo die weißen Wände Dort leuchten in die Nacht, Da haben treue Hände Einst meinen Schlaf bewacht.

Es wacht in Dorfes Mitten Kein Wächter als der Mond, Weil noch in allen Hütten. Die alte Treue wohnt.

O Mutterherz dein Sorgen Von früh bis in die Nacht. Wie hat's mit jedem Morgen Mir neue Lieb' gebracht!

Du trautes Dorf, dein Frieden Hat ganz mein Herz erfüllt Hier ist mir Ruh' beschieden, Mein Sehnen ist gestillt.

H, Lohmann.

.dchulgeschichtliches aus vergangenen Tagen.

Mitgeteilt von G. Maldfeld, Rektor.

Von den deutschen Schulen des Klosterbezirks Schlüchtern.

(Schluß.)

„In der Jungffer Geißin Schule waren etwas mehr Kinder, darunter einige, die Bußpsalmen fertig hersagen Konten, welches in jener Schul nicht angetroffen, habe deswegen den Schulmeister Weitzel ermähnet, solche Buß-psalmen sambt andern hübschen Sprüchen täglich mit den Kindern vorzunehmen und den Catechismum auch fleißig zu examinieren. Gott gebe dartzu nun seinen fegen! den 27. Octobery habe die Winter- Schulen das erstemahl, weilen bisher aus Mangel eines Collegii gar viel zu thun gehabt, visitirt, und fände bey dem Schulmeister Weitzel nur 6 Kinder; alß nach der ursach fragte, bekonne zur antworth: der neue Praeceptor im Gymnasio halte privatstunden, worin die Kinder gingen, deswegen sie die Schule fahren ließen. Wie aber die privatstunden nicht zum Nachteil der Schulen gehalten werden müssen, so habe dem praeceptor Pauli bedeutet, daß er Keine Kinder annehme, es seye dann, daß sie zuvor in der ordentlichen Schule gewesen, nach deren endigung ihnen alsdann erlaubt seye zu ihm zu gehen; In der Juugffer Geißin Schule traffe mehr Kinder an; Ich ermähnte sie, wie auch jene zum fleiß und Gehorsamb, sambt angehenktem wünsch, daß Gott sowohl den lehrenden als lernenden seyne Gnade verleyhen wolle. Anna 1719 den 16. Februar habe das erstemahl in diesem Jahr, weilen bisher wegen allzuvieler arbeit, da noch Keinen Collegen gehabt, nicht