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formalion auch im Schlosse zu Uerzell bald Anerkennung und Aufnahme fand, und dies umso mehr, als sich ja auch der Abt in Fulda in damaliger Zeit keineswegs unfreundlich gegen die religiöse Neuerung verhielt. Hatte doch gerade damals Abt Schenk zu Schweinsberg durch sein Religionsedikt voni Jahre 1543 nicht nur die Feier des Abendmahls in beiderlei Gestalt, sondern auch die Spendung der Taufe in deutscher Sprache allgemein für sein Fuldaer Land gestattet.
War damit der Protestantismus auch noch nicht förmlich im Hockstift Fulda eingeführt worden, so hatte das Verhalten Abt Philipps doch immerhin zur Folge gehabt, daß sich weit und breit im Lande Fulda nicht nur die Bürger der Städte, sondern auch die Ritterschaft der neuen Lehre zugewandt hatte.
Mehr als 30 Jahre waren seitdem ins Land gegangen und „in Fulda konnte sich faum noch einer entsinnen, jemals die Umtragung der Hostie oder den Gebrauch des Weihwassers gesehen zu haben", als unter dem im Jahre 1570 erwählten, ursprünglich im evangelischen Glauben erzogenen Abt Balthasar von Dermbach ein völliger Umschwung eintrat.
Abt Balthasar hatte es sich zur Aufgabe seines Lebens gestellt, im Hochstifte Fulda dem katholischen Bekenntnis die frühere Geltung wieder zu verschaffen.. Es war dies keine leichte Aufgabe, und ohne starke Hülfe von auswärts würde sie ihm schwerlich gelungen sein. Doch er fand diese Hülfe in den Jesuiten, die auf seine Veranlassung im August des Jahrs 1571 sehr gegen den Wunsch der Bürgerschaft und der lebhaft protestierenden Ritter ihren Einzug in Fulda hielten.
In bem hartnäckigen Kampfe, der nunmehr zwischen dem Abt und seiner Ritterschaft, die vor-allen Dingen der lästigen Gäste, der Jesuiten, wieder quitt und los werden wollte, ausbrach, standen die Herrn von Mörle gen. Böhm vielfach mit an erster Stelle.
Mehrfach findet sich in den Urkunden jener Zeit der in Riederkalbach *) ansässige Wolf Dietrich von Mörle erwähnt, sei es, daß er an den Tagungen der Ritterschaft handelnd teilnahm oder Ausschüssen und Deputationen angehörte, die mit dem Abt im Namen der übrigen Ritter die.Verhandlungen zu führen hatten.
Doch obwohl die Ritter in diesem Kampfe kein Mittel der Abwehr unbenutzt ließen und sich sogar die tatkräftige Hülfe der benachbarten protestantischen Fürsten gegen ihren Lehn- und Landesherrn zu sichern wußten, so gelang es ihnen nicht, sich den mit zäher Energie seinen Weg gehenden Abt gefügig zu machen. Erbittert über die Unbotmäßigkeit und die nachgrade auf förmlichen Abfall gerichteten Bestrebungen seiner Ritterschaft verfügte Abt Balthasar die Einziehung zahlreicher, an die aufsässigen Ritter verpfändeter Stiftsgüter **;, worauf die hierdurch schwer gekränkten
*) In Riederkalbach hatten die von Mörle g. B. ein größeres Lehen des Stifts zu Fulda inne. Wann sie in den Besitz dieses Lehens gekommen sind, geht aus den vorhandenen Urkunden nicht hervor.
Uon den von Mörle wurde damals ein Lehen in Eichen- zell eingezogen.
und in ihrer Existenz bedrohten Ritter damit antworteten, daß sie Bischof Julius von Würzburg zur Uebernahme des Stifts Fulda zu bewegen wußten.
Am 24. Mai 1576 entsagte Abt Balthasar in Hammelburg, durch die Ritter gezwungen *), seinem Amte und Bischof Julius von Würzburg trat an feine Stelle.
In dieser höchsten Bedrängnis gelang es dem abgesetzten Abte in Regensburg, sich den Beistand des Kaisers zu sichern. Durch Kaiserliches Dekret vom 5. Oktbr. 1576 wurde das Stift Fulda dem Bischof Julius von Würzburg abgenommen und unter Kaiserliche Administration gestellt Administrator wurde der damalige Deutschmeister Heinrich von Bubenhausen, der nach Beseitigung von mancherlei Schwierigkeiten Mitte März 1577 in Hammelburg sein neues Amt an- trat.
Doch was Abt Balthasar vom Kaiser erhofft hatte, möglichst bald wieder in Amt und Würden eingesetzt zu werden, traf nicht zu. Es mußte erst zu einem förmlichen Prozeß kommen, der nach vielem hin und her endlich im Jahre 1602 zu Gunsten des Abts entschieden wurde. Abt Balthasar wurde wieder in alle seine Würden und Aemter eingesetzt, während Kapitel und Ritierschaft nebst den Städten zur Zahlung einer Strafe von 120 <>00 Gulden verurteilt wurden.
Nicht weniger als 25 Jahre lang hatte somit das Stift Fulda unter der direkten Verwaltung des Kaisers gestanden. -
Hatte auch das Verhalten Heinrich von Buben- hansens den Rittern gegenüber, namentlich im Anfänge feiner Tätigkeit als Kaiserlicher Administrator des Stifts, wegen feiner Milde nicht immer den Beifall Abt Balthafars finden können, so hatten im Laufe der Zeit doch manche der Ritter, unter ihnen auch die Herrn von Mörle gen. Böhm, seine Hand unangenehm zu fühlen bekommen.
Es war im September des Jahrs 1581, als die Reisigen des Deutschmeisters in der stattlichen Anzahl von 500 Mann in Riederkalbach einfielen, die Kirche besetzten und dem evangelischen Kultus daselbst ein jähes Ende bereiteten.
Wolf Dietrich von Mörle gen. Böhm, der damalige Inhaber des Niederkalbacher Stiftlehens, säumte nicht, in dieser höchsten Bedrängnis den Kurfürsten Ludwig von der Pfalz um seinen lehnsherrlichen Schutz anzurufen. **)
Doch Alles war vergeblich.
Selbst die warme Fürsprache dieses Fürsten vermochte den Deutschmeister nicht davon abzuhalten, seines Amtes zu walten und den Auftrag des Kaisers mit Entschlossenheit durchzuführen.
*) Unter den Rittern befand sich Wolf Dietrich von Mörle, der mit andern den Hof der Kellerei zu Hammelburg, in der Abt Balthasar wohnte, besetzt hielt.
**) Die von Mörle hatten seit dem Jahre 1514 ein Viertel des Werichts Freiensteinau als Leben, welches vorher die Familie Hoelin von 1898 bis 1514 von Kur-Pfalz zu Segen getragen hatte. (Siehe Landau, Beschreibung des Gans Wettcreiba pag, 207).