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Wir treten dann durch die eichene Eingangstür in das Innere des Gotteshauses und befinden uns nun in dem Hauptaang des Mittelschiffes.

Dieses Mittelschiff hat leider nur eine Länge von etwa 12s/4 m, denn die beschränkte Ausdehnung des Bauplatzes, eines Dreiecks in der Mitte des Dorfes, ließ eine größere Anlage nicht zu.

Etwa in der Mitte des Langhauses öffnet sich nach Westen und Osten je eine Seitennische, von denen die größere westliche eine Länge von 4 V, und eine Breite von 7 72 m hat. Den Abschluß des Mittelschiffes nach Südosten bildet die um einige Stufen erhöhte Apsis, deren Grundfläche etwa ein Halbkreis ist.

Das Gewölbe der Apsis ist von der Firma Ludwig Grüder in Frankfurt ausgemalt, die Stirnseite der Chornische mit zwei betenden Engeln und Ornamenten ausgefüllt. Auch die inneren Wandflächen der Kirche sind gefällig gestrichen und getupft, die Deckengewölbe in Wickelmanier bearbeitet und mit Borden verziert.

In dem Halbrund des Chorraumes hinter Kanzel und Altar befindet sich im Angesicht der Gemeinde der Spruch Ps. 26, 8: „Herr, ich habe lieb die Stätte Deines Hauses und den Ort, da Deine Ehre wohnet."

Ueber der Vorhalle befindet sich die Orgelempore, aus welcher man durch einen flachen Bogen in den Jnnenraum der Kirche bezw. auf die nach Innen fort­gesetzte Orgelempore tritt. Dieser Bogen war seiner Zeit im Rohbau eingerutscht, weil aus Versehen oder Versäumnis der erforderliche eiserne Anker nicht einge­zogen worden war.

Durch dieses Vorkommnis mit allen daran ge­knüpften Erörterungen war die Vollendung des Baues sehr lange verzögert worden. Später wurde durch starke eiserne Träger, welche rechts und links auf den Mauerpfeilern ruhen und das über dem Bogen befindliche Mauerwerk tragen, der Fehler wieder gut gemacht.

Durch den auf der Orgelempore gewonnenen Raum kommen zu den etwa 200 Sitzplätzen im Mittelschiffe und den Seitennischen noch weitere 40 hinzu, sodaß im ganzen 240 Sitzplätze vorhanden sind.

Das steile Schieferdach über dem Mittelschiffe trägt einen schlanken Dachreiter, deffen feines Profil sich in weichen, welligen Linien noch oben verjüngt.

In dem Dachreiter befinden sich zwei neue Guß­stahlglocken von 600 und 524 mm Durchmesser, welche nun an Stelle der alten gesprungenen Bronzeglocke, die im Jahre 1851 von Philipp Bach zu Windecken ge­gossen, durch 60 Jahre der Gemeinde gedient hat, zum Gottesdienste laden werden.

Die beiden neuen Glocken wurden am 8. August dieses Jahres aufgehängt.

Das Mauerwerk des Baues ist in den für hiesige Gegend gebräuchlichen Baumaterialien ausgeführt; die Bankette sind in Bruchsteinen, die aufgehenden Mauern bis zu gewissen Höhen in Ratzenmauerwerk, das übrige Mauerwerk in Ziegelsteinen hergestellt. Das Ratzen­mauerwerk ist ausgefugt, die anderen Mauerflächen sind mit hellem Verputz bedeckt.

Auf weitere Einzelheiten einzugehen möchte ich mir versagen, es sei nur noch bemerkt, daß die Weißbinder­

arbeiten von den Weißbindermeistern Konrad Kaul und Konrad Eyrich in Steinau, die Schreinerarbeiten von den Schreinermeistern Friedrich Rüffer und Wilhelm Klöber in Steinau, Georg Pauli in Schlüchtern und Johannes Zinkhan in Riederzell, die Maurerarbeiten teilweise von Ruppel u. Klingenberger in Soden'geleistet worden sind. Die übrigen Unternehmer sind in der Grundsteinurkunde bereits aufgeführt.

Eine Orgel mit 8 klingenden Registern, 2 Manualen, 5 Kopplungen und 2 Kollektiv-Druckknöpfen mit Aus- löser ist bei dem Orgelbauer Wilhelm Ratzmann in Gelnhausen bestellt.

Sehr viele Anregungen bezüglich der Ausführung und Ausstattung des Baues sind von Herrn Landrat Valentiner in Schlüchtern ausgegangen, dem die Ge­meinde Riederzell schon so vieles verdankt, und der auch in dieser Angelegenheit nicht Zeitverlust und Mühe gescheut Hot, der Gemeinde mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Bezüglich der Bauaufsicht und Bauleitung hat sich der gegenwärtige Bürgermeister Johannes Lotz verdient gemacht.

Die schönen, mit großer Sorgfalt und Geschicklich- keit ausgeführten Deckengewölbe (Rabitzgewölbe) sind auf Anregung des schon oben genannten Gemeinde­schöffen Adam Jfft zur Ausführung gebracht.

So ist das neue Kirchlein ein Bau geworden, an dem die Gemeinde Riederzell ihre ungeteilte Freude haben kann.

Die Helfer mit gebenden Händen.

Als Beisteuer zu den Baukosten, welche die Gemeinde Rieder- zell zu tragen bat, hat das Königliche Consistorium zu Caffel eine Kirchenkollekte bewilligt in Höhe von 2000 Mk.

Aber auch andere spendende Hände haben sich aufgetan.

Auf Bitten der zur Förderung des Baues Berufenen wurden manche Herzen willig gemacht, ein Scherflein zum Gelingen des Werkes beizutragen.

Hier sind an erster Stelle zu nennen die Schlüchterner Konfirmandinnen des Jahrgangs 1909/10. Den Weg zu ihren Herzen bahnte eine kleine Geschichte, welche Frau Adolf Hoffmann in ihrem Buche „Wie Helden werden" erzählt, worin sie beschreibt, wie ein kleines elfjähriges Kind, die Tochter eines armen Gruben­arbeiters sozusagen allein eine Kirche gebaut hat.

Sie ist die einzige Person, die der inständigen Bitte des alten Pfarrers Gehör schenkt, für eine neue Kirche zu sammeln, welche anstelle des halbverfallenen, baufälligen Kirchleins erstehen soll. Sie ist aber auch die einzige, die eine Gabe in die kleine ihr anvertraute Sammelbüchse legt, während alle anderen, selbst die Begüterten und Bemittelten, lart und unerbittlich bleiben. Was sie hineinlegt, ist ihr ganzer Besitz, 3 Groschen, die ihr von mitleidiger Hand zum eigenen Verbrauch geschenkt worden sind.

Die kleine Sammlerin kommt am Abend auf dem Heimweg von ihrer Sammelarbeit, nachdem ein heftiges Gewitter sie überrascht hat, durch den Sturz in die Tiefe einer verlassenen Grube ums Leben, und noch im Tode umklammern die kleinen weißen Fiuger die Büchse, in der sie ihre ganze Habe dem Kirchbau geopfert hat.

Dieses heldenhafte Beispiel erweicht die Harten und Unem­pfänglichen, und einer unter ihnen spricht es aus, was alle fühlen: „Du opfertes Dein Alles, Kind, soviel Du besaßest, und noch dazu Dein Leben für die Kirche, die Dir so sehr am Herzen lag, und wir, bisher so selbstsüchtig, so hart, wir sollten Deinem Beispiele nicht folgen, wir sollten nicht etwas Geld dafür geben können?"

Und sie haben gegeben — alle, das Vorbild des anuen Kindes hat sie tief ergriffen und beschämt, sie überbieten sich von