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Ueber die Einnahmen des deutschen Lehrers in Schlüchtern finden sich genauere Angaben in einem Presbyterialprotokoll vom 4. Oktober 1724. Es heißt darin:

Dieweileu ein Hochpreißliches Konsistorium zu wissen begehret, was dann der Mägdlein Schulmeister vor Bestallung habe, so gab davon der Schulmeister Wcitzel folgenden Bericht:

1. Salarium fixum: an Geld jährlich 5 Gulden aus dem Kloster,

2. Au Früchten: Korn 5 Malter, Haiden 1 Malter, Erbsen 2 Maß, Hafer 2 Maß, Linsen 7, Maß;

3. gibt ein jedes Schulkind vors Winterhalbjahr für die Information ein Holz und 15 alb., des Sommers 7 V, alb.;

4. u. 5. (hier stehen Angaben über Schülerzahl rc.);

6. Accidentien auf Fastnacht, Martini und Neujahr: waren wenig; eins bringt nichts, eins ein paar Handvoll gedörrtes Obst, ein anderes 1 Kreuzer, die besten 1 alb."

Ein besonderes Schulhaus war nicht vorhanden; der Lehrer erteilte den Unterricht in seiner Privat- wohnung. Auch war die Schülerzahl sehr schwankend. Im Sommer fiel sie oft auf 10, weil dann die Eltern die Kinder zu häuslichen und landwirtschaftlichen Ar­beiten benutzten.

Zwischen dem genannten Schulmeister Weitzel und seiner Rivalin, einer Jungfer Elisabeth Geißin, scheint nicht das beste Verhältnis bestanden zu haben. Die Lehrerin hatte nämlich größeren Zulauf als der Lehrer, auch scheint ihr die geistliche Aufsichtsbehörde gewogener gewesen zu sein als dem Lehrer. Dieser führte zwar im Jahr 1716 gegen sie bei dem Presbyterium Be­schwerde, weil die Kinder aus seiner Schule weg in die ihre liefen und er dadurch in seinem Einkommen geschmälert würde; er bekam jedoch nur den guten Rat, recht fleißig seines Berufes zu warten, dann würden seine Einnahmen schon wachsen.

Ueber die Verhältnisse beider Schulen erfahren wir Näheres aus einigen Visitationsprotokollen des damaligen Pfarrers Kratzeler. Dieser schreibt z. B.:

Anno 1718, den 10. Februar, habe beyde teutsche Schulen allhier in Schlüchtern, so wohl des Joh. Henrich Weitzel, als der Jüngster Geißin, visitirt, und bey jenem wenige, bey dieser aber eine größer an Zahl angetroffen, die auch im Catechismo Besser als jene beschlagen gewesen, da ich sie dan zum fernern fleiß und Gottesfurcht ermähnt, Gott gebe seine Gnade dar zu! den 24. Marty habe wiederumb beide teutsche Schulen allhier, mit zu ziehung eines Kirchen Eltestcn, Herrn joh. Zipffen, visitirt, und bey dem Schulmeister Joh. Henrich Weitzel abermahls gar wenige Kinder ange­troffen : als nach der ursach fragte, bekame zur ant- worth: Weil die Eltern jetzt ansingen in den gärtten und auff dem selb zu hanthieren, und ihr Kinder mit dar zu brauchten, welche ursach aber zu verwerffen, weil viele Kinder zur arbeit noch zu Klein, und den Eltern Keine Hülffe leisten können; habe deswegen dem Schulmeister gesagt, den Eltern zu bedeuten, daß sie ihre Kinder umb solcher geringen arbeit und Hülffe, so sie von den Kindern zu haben vermeinen, nicht ver­

säumen, sondern beständig zur Schule schicken möchten; Auch solle der Schulmeister bey Künftigem presbiterio diejenige Eltern, so ihre Kinder aus der Schule lassen, anzeigen, daß man sie auch selbsten erinnern Könne.

(Fortsetzung folgt.)

Heimatpost.

Briese aus der Fremde kommen jedesmal, wenn ein Heimatblatt hinausgegangen ist. Da ist es nun sehr erfreulich zu, lesen, wie das Herz derer, die schon vor Jahrzehnten übers Meer gezogen und draußen für immer untergeschlüpft sind, an der alten Heimat hängt und sich sehnt, sie wieder einmal oder'noch einmal" zu schauen. Aus Texas schrieb einer, nachdem ihm unser Januarblättchen einen Heimatgruß gebracht:Ich kann es nicht beschreiben, wie ich mich über diesen gedruckten Brief von daheim gefreut habe, Ihr könnt Euch das gar nicht denken - . . Wenn das Schiff nicht untergeht, bin ich am 1. Mai in Schlüchtern". Und er ist ge­kommen. Aus Roßdorf (Ohio) schrieb Frau M. Weyrauch, die schon vor 22. Jahren die Heimat verlassen:Das, was Ihr jetzt tut, ist gerade das, was schon lange geschehen mußte, was ich schon oft mit Freunden besprochen habe. Seit ich von dort fort bin, hat es kaum einen Tag gegeben an dem meine Ge­danken nicht das jenseitige Ufer suchten, obwohl es mir hier gut geht. DerBlick" vom Waldrand zwischen Acisbrunnen und Breitenbacher Straße ist mir immer gegenwärtig. Vielen Dank schulde ich meinen Lehrern, ganz besonders dem Heimgegangenen Herrn Pfarrer Heck. Seine Schüler mußten ihn liebgewinnen". Die Tochter eines früheren Seminardirektors schreibt:Könnte ich doch des Frühlings Erwachen wieder einmal im Kinzigtale miterleben, sehen, wie sich daheim die Anemonen und Veilchen zwischen dem dürren Gras hervordrängen! Es war ein Sonn­abend im Juni, als ich zum letztenmal daheim war. Auf einem Balken am alten Bahnhofsweg hab ich gesessen, als sie gerade dcnSonnlag einläuteten. O Heimat"!Dem von vielen geäußerten Wunsche, mir möchten inUnsere Heimat" regelmäßig eine Ueber­sicht bringen mit oer Ueberschrift:Was gibts neues daheim'?,' wollen mir von nächster Nr ab zu erfüllen suchen, da dies zu­gleich eine für später inleressantcChroniksein wird. Vielleicht denken unsere Afrikaner mittlerweile darüber nach, ob sie nicht auf irgend eine Weise unsere Heimat-Sammlung bereichern können. Die Leser vonU. H." dürfte auch eine Notiz interessieren, die wir einer ReiseplaudereiRund um Afrika" von Diet. Helmerich entnehmen:

Wie doch die Welt so klein erscheint. In unserem Zuge (Usainbara-Bahn in Deutsch-Ostafrikas find nicht weniger als vier Hessen, darunter ein lieber Reisegenossc vom Dampfer, derPlantagenleiter Köhler aus Lewa, ein ehemaliger Hersfelder Pennäler, durch seine langjährige, erfolggekrönte Tätigkeit und sein besonnenes Wesen sicher einer der angesehensten und bekanntesten Pflanzer in ganz Deutsch-Ostafrika. An der Station Muhesa wird ihm ein fürstlicher Emfpang be­reitet, das ganze Bahnhofsgebäude ist mit riesigen Palmen« wedeln und deutschen Fahnen festlich geschmückt, Hunderte seiner schwarzen Arbeiter, darunter in phantastischen Marine­uniformen die Trägeröeibgardc, erwartet mit stürmischen Willkommengrüßen ihren Sultan Köhler,der nun händefchüttclnd von Reihe zu Reihe schreitet; freudestrahlend drängt sich alles um den beliebten Leiter, in dessen Pflanzungen ständig mehr als 1000 Eigeborene beschäftigt sind. So wird man sich ein ideales Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorstcllcn dürfen, welches aber leider viel zu wenig noch in unseren Kolonien gepflegt wird.

Von außerhalb ders Kreises lebenden Fremden traten dem Heunatbund ferner bei:

142 Oberschwester Cornelie Römheld in Mannheim.

143 Frau E Venitz in Bad-Nauheim.

144 Herr Chefarzt Dr. Schudt in Vogelfang b. Sommern

145 Frau Gräfin Zeppelin in Ulm.

146 Herr Lehrer Siemon in Frankfurt a. M.

147 Herr Lehrer I. Hach in Fechenheim.

Als Manuskript gedruckt. Verlag des Heimatb und es. Für die Schriftleitung: Lehrer Fl emmig in Schlüchtern. Druck von C. Hohmeistcrin Schlüchtern.